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Frauenberatungsstelle Düsseldorf: Häusliche Gewalt nimmt zu

Frauenberatungsstelle in Düsseldorf : Mehr Anfragen wegen häuslicher Gewalt

Die Frauenberatungsstelle in Düsseldorf berichtet von einer anderen Entwicklung als die polizeilichen Zahlen für NRW. Ein Film soll Betroffene für Hilfsangebote sensibilisieren.

Seit 1981 ist der 25. November der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Nur ein Grund für die Frauenberatungsstelle Düsseldorf, das Thema wieder in die Öffentlichkeit zu holen. Denn die Zahlen sind weiter hoch – mehr als 115.000 Frauen wurden laut Bundeskriminalamt im vergangenen Jahr Opfer partnerschaftlicher Gewalt. Jeden dritten Tag stirbt demnach in Deutschland eine Frau durch die Hand ihres Partners. Die Dunkelziffern dürften noch weitaus höher liegen. Lediglich in Nordrhein-Westfalen sollen die polizeilichen Zahlen zu häuslicher Gewalt entgegen anderer Bundesländer rückläufig sein.

Ein Trugschluss, sagt Luzia Kleene von der Frauenberatungsstelle Düsseldorf. Sie erlebt in diesem Jahr, dass die Selbstmelderinnen bei der Beratungsstelle deutlich zugenommen haben. 1671 Frauen haben sich bisher an das lokale Beratungsangebot gewandt. „Das Thema häusliche Gewalt machte früher ein Drittel der Anfragen aus. In diesem Jahr ist es ungefähr die Hälfte“, sagt sie. Auch die ohnehin schon ausgelasteten Frauenhäuser haben mit 854 Frauen noch einmal einen leichten Zuwachs bekommen.

Ganz klar ließe sich diese Entwicklung auf die im Zuge der Corona-Pandemie beschlossenen Lockdowns zurückführen. „Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz oder Übergriffe im öffentlichen Raum sind zwar gesunken“, sagt Eva Inderfurth von der Beratungsstelle. Dafür habe die Enge und die fehlende Betreuungsmöglichkeit der Kinder viele Partnerschaften und Familien noch mehr belastet und Situationen eskalieren lassen. Zudem fehle der persönliche Kontakt und die Aussprache mit Angehörigen oder Freunden.

Unabhängig vom Zulauf haben die örtlichen Frauenhäuser noch stärker unter den Hygienemaßnahmen mit besonderen Herausforderungen zu kämpfen. „Die Betroffenen leben ja wie in einer WG auf engstem Raum miteinander. Dazu bringen die Frauen ja noch häufig ihre Kinder mit“, sagt Etta Hallenga. Während im ersten Lockdown viele Frauen noch auf eine Unterbringung in dem Glauben verzichteten, die Einschränkungen seien nur von kurzer Dauer, kämen nun deutlich mehr Anfragen aus Angst vor einer Schließung der Einrichtungen im zweiten Lockdown. Zudem erschwere die Abstandsregelung die Betreuung. „Wie tröste ich eine Person mit Maske und 1,50 Meter Abstand?“, sagt Hallenga.

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Noch immer wissen viele weibliche Betroffene nicht, welche Hilfsangebote sie wahrnehmen können. Dafür wurde nun mit „Anna spricht...“ ein Film für die Website www.frauenberatungsstelle.de entwickelt. Die Sprecherinnen berichten stellvertretend von den Gewalterfahrungen, die die Hilfesuchenden bei ihnen in der Beratung schilderten – und fassen auch die örtlichen Hilfsangebote zusammen, an die sich die Frauen wenden können.