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Chancengleichheit: „Frauen mehr für Führung schulen“

Chancengleichheit : „Frauen mehr für Führung schulen“

Nach der CDU-Fraktion haben auch die Grünen zum Thema Chancengleichheit für Frauen in den Plenarsaal geladen. Zu Gast war Marlis Bredehorst (Grüne), NRW-Staatssekretärin für Emanzipation. Sie plädierte für eine verpflichtende Frauenquote, sprach aber auch unbequeme Wahrheiten an.

Die gesetzliche Quote für Frauen in Führungspositionen gehört seit langem zu den Forderungen der Grünen. Die Diskussion hat inzwischen eine besondere Dynamik bekommen: Prominente Unterstützer sprechen sich auf Unterschriftenlisten dafür aus, EU-Justizkommissarin Viviane Reding hat für diesen Sommer sogar einen entsprechenden Gesetzentwurf angekündigt.

Die Grünen im Rathaus haben nach der CDU-Fraktion im Monat des Internationalen Frauentags zu einer Debatte mit Marlis Bredehorst, Staatssekretärin im NRW-Emanzipationsministerium, in den Plenarsaal geladen. Titel: "Quote oder Kompetenz - das ist hier die Frage".

Mit Verweis auf ihre eigene Biografie sagte Bredehorst: "Ich war nie Quotenfrau, sondern immer Exotin, die erste Frau oder eine von wenigen Frauen im jeweiligen Bereich." Sei es bei den Abschlussprüfungen im Jura-Studium, in der Geschäftsführung einer Unfallversicherung oder als erste Grünen-Dezernentin der Stadt Köln. In der Domstadt hat sie sich gefragt, was schlimmer ist, "eine Frau, Grüne oder Protestantin zu sein".

Sie entschied sich für das Erste. Auch ihrer eigenen Partei gießt Bredehorst Wasser in den Wein: "Ich musste mich damals gegen einen Mann durchsetzen, der schlechter war als ich." Als Frau habe man ihr nicht zugetraut, "in dieses Haifischbecken zu springen". Auch die rot-grüne Landesregierung sei bei Gleichberechtigung nicht vorbildlich: Unter 13 Staatssekretären gebe es nur zwei Frauen.

Die Wirtschaft wird laut der 55-Jährigen nicht umhin kommen, Frauen stärker zu fördern, alleine wegen des absehbaren Fachkräftemangels. "Interessanterweise wird eher daran gedacht, ausländische Fachkräfte zu holen, als das Potenzial der Frauen zu nutzen", sagt Bredehorst. Die freiwillige Selbstverpflichtung - von 1,5 bis 35 Prozent - zeige zu wenig Wirkung. "Manche Unternehmen haben sogar Hierarchieebenen bei Reinigungskräften eingeführt, um die Quote erfüllen zu können."

Für sinnvoll hält die Staatssekretärin Führungskräfte-Schulungen speziell für Frauen, Netzwerke und Weiterbildungen für Personalchefs - Frauen wie Männer. Dabei müssten insbesondere Frauen lernen, es nicht mehr allen recht machen zu können, wenn sie erst mal in Chef-Positionen sind.

Als positiv bezeichnete sie Zielquoten in Ämtern, wie es sie auch im Düsseldorfer Rathaus gibt. Bredehorst sprach auch unbequeme Wahrheiten an. Zum Beispiel, dass Frauen nur ungern aus strategischen Gründen wechseln, wenn ihnen ihr Job Spaß macht. Männer arbeiteten gezielter an der Karriere. "Es wäre gut, wenn sich die Geschlechter da etwas annähern würden, so dass Männer mehr auf Inhalte achten und Frauen nicht so klebenbleiben."

Eine Frauenquote, darin waren sich Bredehorst und die meisten Frauen im Publikum einig, sei notwendig. Allerdings sei schade, dass nur über diese Quote negativ gesprochen werde. "Bei Quoten zu Regionen oder Parteiflügeln wird das nie infrage gestellt. Es sagt doch auch niemand dieser Niederrhein-Quotenmann!"

Eine Frau aus dem Publikum kritisierte, dass gerade junge Frauen oft gegen eine Frauenquote seien. Die NRW-Vorsitzende der Grünen Jugend, Sophie Karow, meldete sich zu Wort: "Viele haben Angst vor dem Stigma Quote und damit als nicht kompetent oder als Feministin eingestuft zu werden." Bredehorst ergänzte, dass junge Frauen oft überzeugt seien, aus eigener Kraft - auch mit Familie - Karriere machen zu können. "Erst später erkennen sie, dass es gläserne Decken gibt, an die sie beruflich stoßen."

(RP/anch)