Düsseldorf: Frau Schentek verwaltet "Heilige Familie"

Düsseldorf: Frau Schentek verwaltet "Heilige Familie"

Verwaltungsleiter sollen leitende Pfarrer einer Gemeinde entlasten. In der Gemeinde "Heilige Familie" kümmert sich eine gelernte Versicherungsfachwirtin seit gut einem Jahr um Verwaltung, Personal und die Kitas.

Als leitender Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde "Heilige Familie" hat Markus Wasserfuhr beide Hände voll zu tun. Schließlich ist er für die Seelsorge von 16.000 Katholiken und die Instandhaltung von sechs Kirchen im Norden Düsseldorfs verantwortlich. Doch dass sein Aufgabenbereich als leitender Pfarrer noch so viel mehr beinhaltet, war ihm bei seinem Dienstantritt 2015 zunächst gar nicht bewusst gewesen. "Ich bin deswegen Priester geworden, um für die Menschen da zu sein und die Menschen mit Gott zueinander zu bringen. Doch als leitender Pfarrer fielen mir auch Aufgaben zu, die ich für mich gar nicht im Fokus hatte", sagt Wasserfuhr. Personalentscheidungen, Verwaltungsaufgaben, die Verantwortung für die Kindertagesstätten, Dienstpläne schreiben - weder haben die leitenden Gemeindepfarrer für diese Aufgaben eine spezielle Ausbildung absolviert, noch sind diese angesichts der Sorgfaltspflicht für die Gemeinde von einer Person alleine zu stemmen.

Im August 2015 startete das Erzbistum Köln daraufhin ein Pilotprojekt. In 18 Gemeinden wurden Pfarr-Verwaltungsleiter eingestellt, welche die leitenden Pfarrer angesichts steigender Zahlen an Gemeindefusionen und sinkenden Anwärtern aufs Priesteramt entlasten sollen. In der Gemeinde "Heilige Familie" hat diese Position Birgit Schentek im Dezember 2016 übernommen. Nachdem sie schon ein Jahr lang für die Gemeinde Velbert-Neviges zuständig war, wollte die gebürtige Düsseldorferin näher an ihrem Zuhause arbeiten - sowohl für Wasserfuhr als auch für Schentek stellte sich die Versetzung zur "Heiligen Familie" als Glücksfall heraus. "Meine Aufgabe ist es, zu professionalisieren, wo es noch nicht der Fall ist. Aber in dem Fall waren die Strukturen bei meinem Antritt schon sehr gut hier", sagt Schentek.

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Nach knapp 30 Jahren als Versicherungsfachwirtin bei der Ergo suchte Christdemokratin Schentek, die im Stadtbezirk 6 auch erste stellvertretende Bezirksbürgermeisterin ist, eine neue Herausforderung. Aus ihrer Tätigkeit im Kirchenvorstand der benachbarten Gemeinde St. Franziskus-Xaverius kannte sie die Problematik der belastenden Verwaltung bereits, weshalb sie sich auch beim Erzbistum bewarb, als die Stelle geschaffen wurde. "Die Mitarbeiter haben wie überall auch Ansprüche auf Personalberatung. Das können aber weder der Pfarrer, der sich auf die Seelsorge konzentrieren muss, noch die ehrenamtlichen Kirchenvorstände vollständig bewältigen", sagt Schentek. Gerade letztere seien mit der Betreuung der Kitas oder Verwaltungsaufgaben wie Datenschutzrichtlinien oft einfach aus Altersgründen überfordert. "Manche Kita-Leiter entschuldigten sich erst einmal, wenn sie Sorgen haben, weil sie die Ehrenamtler als ihre Ansprechpartner damit nicht behelligen wollen. Für solche Fälle bin ich dann da."

Ihr Tätigkeitsbereich endet schließlich im spirituellen Bereich. "Ich empfehle dem Pfarrer ja nicht, wie er die Messe zu gestalten hat", erklärt die 53-Jährige. Besonders wichtig sei bei der Zusammenarbeit aber eine gemeinsame Vertrauensbasis. "Unser Bereiche sind zwar getrennt, aber eng verzahnt. Er muss wissen, dass nichts hinter seinem Rücken geschieht. Letzten Endes ist er ja schließlich noch der Personalchef." Pfarrer Wasserfuhr ist jedenfalls sehr froh über Schenteks Arbeit. "Man denkt nicht mehr pausenlos darüber nach, dass wieder mal Verwaltungssachen liegen geblieben sind", sagt er und fügt hinzu: "Oder wenn plötzlich eine wichtige Personalentscheidung bei den Kitas ansteht. Dann weiß man, dass da noch jemand ist. Das ist psychisch enorm entlastend."

(RP)