Prozess: Frau mit Benzin besprüht und angezündet

Prozess : Frau mit Benzin besprüht und angezündet

Nach einer Reihe gewalttätiger Übergriffe gegen seine Freundin (51) verhandelt ab Dienstag (Di, 9 Uhr, Saal E.123) das Schwurgericht gegen einen 48-Jährigen. Laut Anklage hatte er seiner Partnerin bei einem erneuten Streit im März angedroht, er werde sie "abfackeln", hatte sie in der gemeinsamen Wohnung an der Bagelstraße mit Feuerzeugbenzin besprüht und in Brand gesetzt.

Das Opfer erlitt massive Verbrennungen an Kopf, Hals und Brustkorb. Dennoch geht die Anklage nicht von einem versuchten Tötungsdelikt aus. Der 48-Jährige hatte direkt nach der Attacke selbst den Notarzt alarmiert.

Die Vorwürfe gegen den 48-Jährigen wurden auf gefährliche Körperverletzung (bedroht mit Haft bis zu zehn Jahren) und auf Widerstand gegen Polizeibeamte beschränkt. So konnte der Angeklagte an der Rochusstraße zwar schon kurz nach der Flucht aus der Tatwohnung festgenommen werden, hat dabei angeblich aber erheblichen Widerstand geleistet.

Auf Polizisten, die ihn ermittelt hatten, soll er bedrohlich zugegangen sein und sie aufgefordert haben: "Erschießt mich doch!" Auch soll er versucht haben, nach der Dienstwaffe eines Beamten zu greifen. Eine Blutprobe ergab später, dass der 48-Jährige erheblich alkoholisiert war.

Schon in den Monaten zuvor musste die Polizei nach Notrufen der Frau mehrfach zur Wohnung des Paares ausrücken. Dabei war gegen den 48-Jährigen einmal ein Platzverweis verhängt worden, auch durfte er für mehrere Tage nicht in die Wohnung zurückkehren. Am Abend des 29.März kam es laut Anklage dann erneut zum Streit, der für die Frau beinahe tödlich endete.

Vom Angeklagten mit Feuerzeugbenzin besprüht und direkt danach angezündet, erlitt die 51-Jährige damals Verbrennungen zweiten und dritten Grades. Sie wurde schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt.

Ob sie durch die Brandnarben dauerhaft entstellt bleiben wird, ist noch offen. Doch eine Tötungsabsicht wird dem Angeklagten nicht vorgeworfen. Als er erkannte, wie schwer seine Partnerin verletzt war, hatte er den Notruf gewählt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er durch "tätige Reue" noch schlimmere Folgen seines Feuer-Anschlags selbst verhindert hat, bevor er aus der Wohnung flüchtete. Für den Prozess hat sind zwei Verhandlungstage vorgesehen, ein Urteil soll am 19.September folgen.

(RP)