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Frank Heidkamp wird Stadtdechant von Düsseldorf

Kölner Erzbistum besetzt Stelle : Frank Heidkamp wird Stadtdechant von Düsseldorf

Kölns Kardinal hat sich für den Pfarrer aus dem Rheinbogen entschieden. Von den Düsseldorfern erfährt der Priester viel Zuspruch.

Nein, überraschend kam die Ernennung zum Düsseldorfer Stadtdechanten für Frank Heidkamp am Ende nicht mehr. „Es gab in den vergangenen Wochen viele Gespräche, auch mit dem Kardinal, dem Generalvikar und dem Personalchef des Erzbistums, ich war vorbereitet“, sagt der Seelsorger. Seine neue Aufgabe, die er seit Monaten kommissarisch wahrnimmt, begegnet er mit „Freude im Herzen, aber auch mit Demut“. Und dann fügt er etwas an, was viel über sein Wesen verrät: „Wichtig ist mir, dass ich als Priester den Menschen nahe bin und das Mögliche tue, um sie in ihrem Leben zu unterstützen“, sagt der 1958 in Düsseldorf geborene Pfarrer. Das nehmen ihm alle, die ihn kennen, auf Anhieb ab. Der 61-Jährige ist nahbar, dabei unaufdringlich, fast schon bescheiden, zugleich klug und kompetent. Vor der Corona-Krise konnte man ihn immer wieder einmal am Rhein und in der Altstadt sehen, dort sitzt er gerne mit seinen Freunden und Wegbegleitern bei einem leckeren Alt oder einer lässig gerauchten Shisha-Pfeife zusammen. Wer ihn trifft, fühlt sich in aller Regel nach der Begegnung reicher. Eine Erfahrung, die selbst jene machen, die mit Gott ziemlich wenig und mit Kirche oft gar nichts (mehr) am Hut haben. Und die dazu beigetragen haben dürften, dass der Wunsch aus Düsseldorf, ihn bitte nicht nur kommissarisch wirken zu lassen, am Ende unüberhörbar war. So unüberhörbar, dass der Kölner Kardinal jetzt früher als geplant Klarheit schaffte. Denn eigentlich hatte sich das Erzbistum vorbehalten, eine Entscheidung erst „im Spätsommer“ dieses Jahres verkünden zu wollen. Nun hat die seelsorgerische Vernunft gesiegt.

Seine Groß-Gemeinde im Rheinbogen muss Heidkamp verlassen, weil er eben auch Pfarrer an St. Lambertus werden soll. Im Süden werden ihn die dort lebenden Gläubigen schmerzlich vermissen. Martin Philippen, Vorsitzender des gesamtstädtischen Katholikenrats und des Pfarrgemeinderats im Rheinbogen, sagt: „Das ist eine wirklich gute Wahl. Wir hier hätten uns natürlich gewünscht, dass er bei uns bleibt. Aber es wird sich in den nächsten Jahren noch so viel ändern, dass wir jetzt einfach positiv nach vorne schauen.“

Tatsächlich wurde die Frage, ob Heidkamp nicht von seiner bisherigen Pfarrei aus als Düsseldorfer Stadtdechant hätte wirken können, in Köln zumindest diskutiert. Beispiele für derartige Modelle hatte es in der Vergangenheit gegeben. „Aber am Ende sprach einfach zu viel für den Umzug, die Nähe zum Maxhaus und die Tatsache, dass ich die City-Seelsorge leiten werde“, sagt Heidkamp. Voraussichtlich während der Sommerferien wird Heidkamp an den Stiftsplatz ziehen, in jene Wohnung, in der noch Ulrich Hennes lebt.

Der frühere Stadtdechant hatte in Absprache mit dem Kölner Kardinal auf sämtliche Düsseldorfer Ämter verzichtet, darf aber nach wie vor im Erzbistum als Priester wirken und Messen lesen. Hintergrund des Rückzugs waren vom Erzbistum offensiv kommunizierte Untersuchungen zum Vorwurf einer möglichen sexuellen Belästigung Erwachsener. Diese Vorwürfe konnten nicht bestätigt werden, die Staatsanwaltschaft stellte die Verfahren ein. Das Vertrauen des Kardinals war am Ende dennoch erschüttert. Beide Seelsorger einigten sich schließlich darauf, dass Hennes auf alle seine Düsseldorfer Ämter verzichtet.

Wird Heidkamp diese Wunden heilen können? „Wenn jemand eine Wunde hat, bleiben immer Narben und je nach Wetterlage spürt man diese auch“, sagt er. Es werde viel Zeit brauchen, um das beschädigte Vertrauen zurückzugewinnen. „Aber ich bin ein positiver Mensch, habe tolle Mitstreiter um mich herum. Wir müssen nach vorne blicken, gemeinsam werden wir das meistern“, sagt er.

Tatsächlich sind die Herausforderungen für den neuen Mann an der Spitze der rund 190.000 Düsseldorfer Katholiken gewaltig. Und das hat nicht nur mit den Erschütterungen der Vergangenheit, sondern auch mit jenen der Gegenwart zu tun. „Es ist eine Katastrophe, dass wir wegen des Coronavirus in der Karwoche und zu Ostern keine Messen gemeinsam feiern können. Gestreamte Gottesdienste sind hilfreich, aber sie können diese Form von Gemeinde, bei der wir auch Christus selbst begegnen, nicht ersetzen.“

Unser Autor findet, dass der Kardinal eine gute Entscheidung getroffen hat.