Erstes Interview nach Firmenpleite: Franjo Pooth: "Nerven liegen blank"

Erstes Interview nach Firmenpleite : Franjo Pooth: "Nerven liegen blank"

In einem Interview mit der Illustrierten "Bunte" berichtet der Ehemann von Werbe-Ikone Verona Pooth, Franjo, wie der Skandal um seine insolvente Firma "Maxfield" sich auf sein Privatleben ausgewirkt hat.

Lange Zeit war Franjo Pooth abgetaucht. Seit der Millionenpleite seiner Firma Maxfield, die zwei führende Mitarbeiter der Sparkasse Düsseldorf den Kopf kosteten, war der 38-jährige Ehemann von Verona Pooth (40) für Medien nicht mehr zu sprechen. Lediglich Leser der "Bild"-Zeitung bekamen Bilder vom planschenden Pleitier in einem Dubaier Luxus-Hotel zu sehen, aufgenommen mit der Handy-Kamera eines Gastes.

Aber jetzt ist Franjo wieder da. In einem Interview mit der Illustrierten "Bunte", die seiner Ehefrau in treuer Berichterstattung verbunden ist, gewährt er Einblicke ins Poothsche Familienleben.

So ist das finanzielle Desaster offenbar nicht spurlos am Verhältnis der Eheleute vorübergegangen. Zwar beteuert Pooth: "Zwischen Verona und mich passt kein Blatt" und lobt seine Angetraute mit den Worten: "Es ist ein Wunder, wie die Kleene so stark sein kann."

Aber er macht auch deutlich, dass es im Hause Pooth nicht nur gerumpelt, sondern offenbar auch regelrecht gekracht hat: Es gebe Situationen, so der Ehemann, "wo die Nerven einfach blankliegen und wir in heftige Diskussionen rasseln." Zwar mache ihm Verona wegen des Maxfield-Skandals keine Vorwürfe, sagte Pooth, schränkt aber auch ein: "Ich möchte hier kein überglückliches Privatleben vortäuschen."

Gegen Pooth, den Sohn eines millionenschweren Bauunternehmers, wird seit Februar wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung und Bestechung ermittelt. Gläubiger fordern von seiner insolventen Firma rund 27 Millionen Euro. In der vergangenen Woche zeigte sich Franjo Pooth zudem selbst wegen eines Steuerdelikts beim Finanzamt an.

"Krise wuchs mir über den Kopf"

Die Schwierigkeiten seines Unternehmens hätten ihn kaufmännisch überfordert, erklärt Franjo Pooth. "Irgendwann wuchs mir die Krise komplett über den Kopf.", Es sei sicherlich einiges schief gelaufen. "Ich mache mir den Vorwurf, dass ich Privates und Geschäftliches zu sehr vermischt habe, auch wenn, wie ich meine, diese private Ebene von den Sparkassenvorständen gewollt war", räumte der 38-Jährige ein.

Pooth soll Sparkassenmitarbeitern teure Geschenke gemacht haben, um hohe Kredite zu bekommen. Schon Ende 2007 habe er befürchtet, insolvent zu sein, doch Banken und eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hätten ihm versichert, dass dies nicht der Fall sei. Entgegen der Empfehlung seiner Banken habe er am 18. Januar dann Insolvenz angemeldet.

Mitleid empfindet er nach eigenen Worten vor allem mit den kleinen Gläubigern. Den fünftägigen Luxus-Urlaub in Dubai, der für empörte Reaktionen gesorgt hatte, verteidigt der Unternehmer dagegen. "Diese Zeit war für unser Familienleben sehr wichtig." Es sei eine richtige Idee seiner Frau gewesen, ein paar Tage den Sorgen zu entfliehen. "Demonstrativ auf einen Campingplatz zu fahren und dort Würstchen zu grillen, wäre wohl als Heuchelei empfunden worden."

Persönlich habe er durch die Insolvenz "finanziell gesehen fast alles verloren, was ich mir in den letzten acht Jahren hart verdient habe". Pooth hatte nach eigenen Angaben mit einer zweistelligen Millionensumme für seine Firma gebürgt. "Auch in der Krisensituation habe ich noch nachgeschossen. Ich habe alles riskiert und alles verloren, weil ich zu hundert Prozent an Maxfield geglaubt habe."

(RP)