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Fortuna Düsseldorf: Fortuna frustriert Rollstuhlfahrer

Fortuna Düsseldorf : Fortuna frustriert Rollstuhlfahrer

Peter Zimmermann wollte Heimspiele des Zweitligisten spontan anschauen. Auf eine Karte hoffte er vergeblich.

Peter Zimmermann mag Sport. Energisch greift der Rather auf dem Gelände rund um die Esprit Arena nach den Rädern seiner besonderen Handbike-Konstruktion. "Ende der Woche ist Metro Group Marathon. Da ist noch was zu tun", sagt er. Seit sechs Jahren ist der 49-Jährige auf den Rollstuhl angewiesen. Ein gerissenes Aneurysma stellte das Leben des dreifachen Familienvaters von einer Sekunde auf die andere auf den Kopf. "Viele sterben bei so etwas. Ich habe Glück gehabt."

Als Zimmermann Fahrt in Richtung Arena aufnimmt, wirkt er nachdenklich. "Gar nicht so einfach, da reinzukommen", sagt er und zeigt auf das Stadion. Trotz Handicaps blieb er dem Sport nicht nur als Aktiver treu. Vor allem die Heimspiele der Fortuna und der DEG haben es ihm angetan. "Vorausgesetzt ich fühle mich am Spieltag danach." Doch der Spontanität des Rollstuhlfahrers sind enge Grenzen gesetzt. Gleich zwei Mal scheiterte in der laufenden Saison sein Versuch, ein Heimspiel seines Lieblingsvereins anzuschauen. Gemeinsam mit seinem Kumpel, dem Physiotherapeuten Patrick Dietzel, war er vor einiger Zeit zur Arena gefahren, wollte sich dort die Partie gegen München 1860 anschauen. "Doch am Kassenhaus erklärte man mir, etwa 90 der rund 100 Karten für Rollstuhl-Fahrer seien von Dauerkarten-Besitzern belegt." Und die restlichen sieben oder acht Karten stünden behinderten Fans der Gastmannschaft zur Verfügung.

Im freien Verkauf oft keine Tickets mehr erhältlich

Auch seine Idee, auf ein Heimspiel gegen Bochum auszuweichen, lief ins Leere. "Dasselbe Problem wie bei 1860", lautete die Ansage aus dem Kassenhäuschen. "Ich war echt frustriert. Es muss doch möglich sein, zwischen zwei und fünf Rollstuhlfahrer-Karten für den freien Verkauf am Spieltag zurückzuhalten", sagt der Service-Berater, der in der Derendorfer Mercedes-Niederlassung arbeitet.

Zumindest bei der DEG laufe das deutlich besser. Dort stünden "Rolli-Fahrern" pro Tribüne zehn Plätze zur Verfügung. Und von diesen 40 Sitzgelegenheiten sei ein Teil immer frei verfügbar. Klar, die Nachfrage sei dort nicht so hoch wie beim Fußball. Trotzdem hält Zimmermann den von der DEG eingeschlagenen Weg "für vorbildlich".

Bei Fortuna versteht man den Ärger der Fans

Fortuna-Vorstand Sven Mühlenbeck versteht den Ärger des Fans. Die Informationen aus dem Kassenhäuschen seien allerdings nicht mehr aktuell. Seit dem Wechsel in die Zweite Liga gebe es wieder frei verfügbare Tickets für Rollstuhlfahrer, die nicht für Dauerkarten-Besitzer oder den Gäste-Block vorgesehen seien. Die aktuelle Aufteilung beschreibt das Vorstandsmitglied für Spielbetrieb und Organisation so: "Von 96 Rollstuhlfahrer-Plätzen werden an die 80 von Dauerkarten-Inhabern belegt, zehn bleiben Gästen mit Handicap vorbehalten. Der Rest steht als Tageskarte zur Verfügung." Allerdings gingen diese sieben bis neun verbleibenden Tageskarten in den regulären Vorverkauf.

Der Haken an der Sache: Der Vorverkauf startet weit vor dem eigentlichen Spieltag. Schon jetzt können Fans sich beispielsweise Karten für die Partie gegen Kaiserslautern am 11. Mai sichern. "Wer ein Ticket kaufen will, kann jederzeit mit unseren Behinderten-Beauftragten Betty Nowag und Stefan Felix sprechen", argumentiert Mühlenbeck. Karten bis zum Spieltag zurückhalten möchte der Verein aber nicht. "Das wäre ungerecht. Wir müssten Behinderte, die drauf brennen zur Fortuna zu kommen und sich früh melden, abweisen. Und das, obwohl wir nicht wissen, ob zurückgehaltene Karten am Spieltag tatsächlich abgerufen werden."

Argumente, die Peter Zimmermann nicht überzeugen können. "Bestimmte Handicaps bringen es nun einmal mit sich, dass man nicht weiß, wie es einem in drei Wochen geht. Es wäre einfach schön, wenn jemand wie ich wieder einmal bei einem Fortuna-Heimspiel dabei sein könnte. Und zwar ganz spontan."

(RP)