Förderschüler stellen in einer eigenen Ausstellung im Stadtmuseum ihr künstlerisches Talent unter Beweis

Schulen in Düsseldorf : Im Rampenlicht

Förderschüler stellen in einer eigenen Ausstellung im Stadtmuseum ihr künstlerisches Talent unter Beweis.

Im Stadtmuseum gibt es drei Räume, die für Projekte aus der Bürgerschaft zur Verfügung stehen. „Wir sind ein partizipierendes Haus, wollen, dass die Düsseldorfer sich mit sinnvollen und nachhaltigen Ideen an uns wenden, wenn sie die Öffentlichkeit suchen“, sagt Svenja Wilken, unter anderem Leiterin der Abteilung Bildung am Stadtmuseum. Dieses Angebot war auch Birger Weindel nicht entgangen, der an der Franz-Marc-Schule das Projekt Kunst leitet. Die Förderschule hat den Schwerpunkt Geistige Entwicklung. Dass jedoch auch Kinder mit einer geistigen Beeinträchtigung kreativ sein können, beweist die Schule in Gerresheim auf erstaunliche Weise. „Die Schule trägt Kunst nicht nur im Namen, sie ist maßgeblich geprägt durch das kreative Schaffen ihrer Schüler. Das Projekt Kunst greift dieses Schaffen auf und verleiht ihm im wörtlichen Sinn einen neuen Rahmen“, so Weindel.

Jedenfalls verfolgt die Förderschule die Absicht, vor allem mit ihrem Kunst-Projekt mehr an die Öffentlichkeit zu gehen. Und bei Svenja Wilken rannte Weindel mit seiner Idee, die Arbeiten der Schüler im Rahmen einer Ausstellung zu präsentieren, offene Türen ein. „Die besondere Würdigung der Werke soll das Bemühen der Schule, sich nach außen zu öffnen, unterstützen. Somit können wir zu einer differenzierten und an Stärken orientierten Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung beitragen“, sagt Wilken. Das sieht Weindel genauso: „So eine Ausstellung kann für die Betrachter wesentlich dazu führen, eher die Stärken zu sehen als mögliche Defizite. Für die Schüler kann es wiederum eine besondere Wertschätzung bedeuten, wenn sie öffentliches Interesse an ihrer Arbeit erleben.“

Die mit Tintenstrahldrucker entstandenen Werke werden nun zwar als Kunst wahrgenommen, Hintergrund des Projekts ist aber vorrangig ein anderer, denn es ist eingebettet in die Berufspraxisstufe. „Mitarbeitende der Schülerfirma mausk-l-ick digitalisieren und drucken Bilder, Plastiken und andere Werke, die an der Schule entstanden sind, in kleinen Auflagen auf Aquarellpapier, rahmen sie und bieten sie zum Verkauf an. So erleben sie den Wirtschaftskreislauf in einem praxisnahen Zusammenhang, erlernen den sorgfältigen Umgang mit Materialien und erwerben wichtige Schlüsselkompetenzen für das Berufsleben“, erläutert Birger Weindel.

Dabei sollen alle Teilnehmer nach eigenen Stärken partizipieren: vom Auspacken der Rahmen und dem Einlegen der Passepartouts bis zur Verwaltung von Druckauflagen und dem Schreiben von Rechnungen. „Sie gehen auch zur Post, bearbeiten Reklamationen und führen Qualitätskontrollen durch. Und ganz nebenbei lernen sie vermeintlich einfache Dinge wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Motivation“, so der Pädagoge.

Ein Druck aus der England-Serie zeigt das praktische Talent der Schüler. . Foto: privat
Flammendes Inferno: Eine Arbeit aus der Serie „Yellow“ der Berufspraxisstufe. Foto: privat

Einen wirklichen Arbeitslohn gibt es für die Schüler zwar nicht, dennoch springt immer eine kleine Gewinnbeteiligung heraus. Die Kunst ist für Birger Weindel in diesem Zusammenhang auch mehr ein Mittel zum Zweck, „es geht vor allem darum, den Teilnehmern des Projekts eine Perspektive aufzuzeigen“. Dass zu der Vernissage im Stadtmuseum nur wenige der zehn beteiligten Schüler kamen, ist für den Pädagogen aber auch ein Zeichen, dass die Ziele des seit zwei Jahren laufenden Projekts an der Franz-Marc-Schule noch lange nicht erreicht sind. „Dass sich die Schüler selbstbewusst hinstellen und sagen ,Ja, das haben wir gemacht’, so weit sind wir noch nicht“, sagt er. Um die Akzeptanz von Menschen mit einer Behinderung in der Gesellschaft zu stärken, sei eine Öffnung nach außen eben unerlässlich.