1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Düsseldorfer Flughafen

Flughafen Düsseldorf - Nachtflugrekord nervt Anwohner​ - 316 Nachtlandungen in einem Monat​

316 Nachtlandungen in einem Monat : Nachtflugrekord über Düsseldorf nervt Anwohner

Wegen des Flugchaos landeten im Juni täglich zehn Jets später als eigentlich erlaubt am Düsseldorfer Airport. 21 Flugzeuge kamen so spät, dass sie an anderen Zielorten landen mussten. Eine Bürgerinitiative fordert, dass die Politik sich einschaltet.

Das Chaos am Flughafen Düsseldorf – aber auch an anderen Airports in Europa – hat im Juni zu so vielen Nachtlandungen nach 23 Uhr wie seit Jahren nicht mehr geführt. Dies hat die Bürgerinitiative Kaarster gegen Fluglärm herausgefunden. 316 Flüge seien im Juni nach der regulär zugelassenen Zeit gelandet, ergab eine Zählung des Vereins, also rund zehn Jets am Tag. „Hier muss gehandelt werden, das ist eine schwere Belastung für die Anwohner“, sagt Werner Kindsmüller, Vorsitzender der Initiative. Er meint, der neue NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer solle gegen die vielen Spätlandungen vorgehen. Es ist der erste Grüne in diesem Amt.

Kindsmüller, ein früherer Manager der NRW-Bank, sagt, die Initiative zähle Landungen nach 23 Uhr seit dem Jahr 2017. In keinem Juni seit 2017 habe es mehr Landungen nach 23 Uhr gegeben als in diesem Jahr; „Diese Entwicklung ist ein Riesenproblem“, sagt er. „Anstatt weniger späte Landungen haben wir immer mehr späte Landungen.“ Der Nachtflugreport des Airports habe zwischen 2013 und 2016 auch nie höhere Juni-Werte gehabt.

  • Am Kölner Flughafen wurdenl zahlreiche Verbindungen
    Flughäfen in NRW : Ausfälle und Verspätungen – diese Verbindungen sind in Köln betroffen
  • Verspätungen und Ausfälle : Flughafen Düsseldorf – diese Flüge sind betroffen
  • Freizeit in Düsseldorf : Diese Filme laufen in den Open-Air-Kinos
  • Der Kran ist bald weg, die
    Kluge „Strategie“ von Düsseldorfs Altstädtern : So bremste ein Kran die Auto-Poser aus
  • Rainer Kretschmann und sein Team haben
    Stockum : Erstes Thailand-Festival startet am Wochenende
  • Weil zu viele Teilnehmer zu seiner
    Zu viele Teilnehmer : Demo-Anmelder muss in Düsseldorf vor Gericht

Der Flughafen räumt die Krise auf Nachfrage ein. Seinen Zahlen zufolge hat es im Juni gar 319 Landungen nach 23 Uhr gegeben, also drei mehr als die Flughafenkritiker gezählt hatten. 114 der 319 Landungen fanden erst zwischen 23.30 Uhr und Mitternacht statt, also wenn die meisten Bürger schon im Bett sind.

Der Flughafen weist aber darauf hin, dass alle erfassten sehr späten Landungen legal gewesen seien. Die Airlines müssen zwar alle Flüge so planen, dass sie bis 23 Uhr herunterkommen sollen, aber Verspätungen bis 23.30 Uhr sind erlaubt. Und Jets von Airlines, die in Düsseldorf ihre Heimatbasis haben, dürfen sogar bis Mitternacht herunterkommen.

Der Hauptgrund für die Verspätungen sind sich über den ganzen Tag addierende Verzögerungen: „Luftverkehr ist ein kompliziertes System“, sagt der Branchenexperte Gerald Wissel. „Weil viele Flughäfen aktuell überlastet sind und viele Jets schon morgens zu spät starten, ziehen sich solche Verzögerungen bis in den Abend und die Nacht hinein.“ Dabei verschärft sich die Lage, weil viele Airlines deutlich weniger Reservejets zur Verfügung haben als eigentlich vorgesehen und weil viele Beschäftigte sich unter anderem wegen Corona krankgemeldet haben.

Dabei sind keineswegs nur die Anwohner Betroffene der Krise. Immer wieder müssen Reisende gerade am späten Abend sehr lange auf ihr Gepäck am Flughafen Düsseldorf warten, weil zu später Stunde nur noch wenige Beschäftigte da sind, um die Koffer auszuladen. So mussten vor einiger Zeit Passagiere von Eurowings und von Condor bis weit nach Mitternacht auf ihr Gepäck warten. „Das waren unerträgliche Zustände“, berichtete ein Familienvater.

Noch ärgerlicher ist es, wenn Jets so spät ankommen, dass sie in Düsseldorf überhaupt nicht mehr landen dürfen: Laut Airport durften im Juni 21 Flugzeuge wegen der Nachtflugbeschränkungen gar nicht mehr in der Landeshauptstadt ankommen. Vier von ihnen wurden nach Köln-Bonn umgeleitet, wo dann häufig Taxis angemietet werden, um die Menschen zu später Stunde doch an ihr Ziel beziehungsweise nach Düsseldorf zu bringen.

Die Probleme am Düsseldorfer Flughafen spiegeln die Schwierigkeiten der gesamten Branche wider. Zwei Jahre lang lag der Flugverkehr wegen der Corona-Pandemie am Boden, jetzt geht es deutlich schneller aufwärts, als viele Unternehmen erwartet hatten. Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, meint: „Für die ganze Luftfahrtbranche ist es eine riesige Herausforderung, den sich schnell erholenden Verkehr zu bewältigen.“ So hätten viele Beschäftigte von Sicherheitsfirmen sich in der Corona-Krise neue Jobs gesucht.

Auch die Zahl sehr später Starts ist auffallend hoch: Eigentlich soll es keine Starts nach 22 Uhr mehr geben, sieht die Betriebsgenehmigung vor. Tatsächlich gab es 44 Starts nach 22 Uhr. 29 davon waren schon „on block“ vor 21.50 Uhr, sie waren also schon unterwegs zur Startbahn. Acht Starts waren „allgemeine Luftfahrt“ wie Ambulanzflüge. Aber sieben Jets durften nach 22 Uhr mit Ausnahmegenehmigung starten, damit die Reisenden noch an ihr Ziel kommen konnten. Das war schön für die Passagiere, einige andere Abflüge wurden aber sehr kurzfristig storniert – zum Entsetzen der bereits eingestiegenen Passagiere.