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Düsseldorf Flughafen Chaos: Betriebsräte schlagen Alarm​ wegen Gepäckabfertigung

Chaos am Düsseldorfer Airport : Flughafen-Betriebsräte schlagen Alarm

Das Chaos am Düsseldorfer Flughafen nimmt kein Ende: Mit einer Petition kritisieren nun die Mitarbeitervertreter am Airport die Ausschreibung für einen weiteren privaten Dienstleister bei der Gepäckabfertigung, während sich der Flughafen davon zurückziehe.

Angesichts der chaotischen Zustände am Flughafen rücken jetzt die Betriebsräte der dort agierenden Unternehmen zusammen. In einer ersten Aktion der von der Gewerkschaft Verdi ins Leben gerufenen „Dus-Connection-Verdi“ üben die Mitarbeitervertreter mit einer unserer Redaktion exklusiv vorliegenden Petition massive Kritik an der Flughafen Düsseldorf GmbH und deren Entscheidung für die Zukunft der Gepäckabfertigung.

Der Vorwurf: Der Flughafen setzt auf noch mehr Liberalisierung und zieht sich selbst zurück. Hintergrund: Die Verträge für die Dienstleister laufen aus, für das nächste Jahr sind nun aber nicht mehr nur zwei Lizenzen, sondern ist noch eine weitere Teillizenz ausgeschrieben, die auf Gepäckabfertigung zugeschnitten ist, ohne Beförderung von Passagieren.

Beim Entladen der Flieger und der Rückgabe an die Passagiere mussten zuletzt sogar Feuerwehrleute aushelfen, so groß war der Personalmangel. Stundenlang müssen derzeit immer wieder Passagiere auf ihre Koffer warten. Andrej Bill, Gewerkschaftssekretär bei Verdi, sagt nun: „Der Flughafen könnte darauf mit seiner eigenen Lizenz mehr Einfluss nehmen und für höhere Qualität sorgen.

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Stattdessen zieht er sich weiter zurück und nimmt noch stärkeren Kontrollverlust in Kauf.“ Seit einigen Jahren konzentriere sich die 100-prozentige Flughafentochter Flughafen Düsseldorf Ground Handling GmbH (FDGHG) mehr und mehr auf die Beförderung von Passagieren und Crews auf dem Vorfeld sowie die Enteisungen der Maschinen. Die Gepäckabfertigung übernehmen die Dienstleister Aviapartner und Acciona.

Aktuell helfen Mitarbeiter der Flughafentochter in einer zu den Ferien eingesetzten Task-Force mit, wenn die Not besonders groß wird. Unterm Strich seien es laut Bill allerdings zu wenige, um den Personalmangel entscheidend aufzufangen. Dennoch heißt es in der Petition: „Wir wissen aus unserer täglichen Arbeit, dass die Kollegen der flughafeneigenen Bodenabfertigung als tägliche Arbeitspartner im eng getakteten Flughafengeschäft mit ihrer Ausbildung und Erfahrung unersetzlich sind.“

Doch nicht sie, sondern die Mitarbeiter eines weiteren privaten Dienstleisters sollen es richten. Aus Sicht von Bill und den Betriebsräten wird das „noch mehr Personalmangel, Preiskampf und Missmanagement bedeuten“. Bill führt aus, dass der Lohn eines neuen Mitarbeiters bei einem privaten Anbieter, der die Koffer entlädt, bei unter zwölf Euro liege.

Die Airlines diktierten den Unternehmen extrem niedrige Preise, die um die Aufträge buhlen müssten. Dabei sei die Arbeitsbelastung extrem hoch. Bill rechnet vor, dass ein Mitarbeiter vier bis fünf Maschinen pro Tag be- und entlädt. Dabei muss er etwa 200 Koffer in die Hände nehmen. Bei einem Gewicht von 20 Kilogramm pro Stück müssen also 15 bis 20 Tonnen pro Tag bewegt werden. „In diesem Job rechnet niemand mit der Rente.“ Und die Folge des hohen Drucks seien mehr Arbeitsunfälle und Flugzeugbeschädigungen.

Der Flughafen teilte am Mittwoch mit, die bereits am Dienstag von unserer Redaktion gestellten Fragen zum Thema noch nicht beantworten zu können. Das soll möglichst am Donnerstag nachgeholt werden.

In der Vergangenheit hatte der Flughafen argumentiert, dass die eigene Tochter nicht wettbewerbsfähig auf dem umkämpften Markt der Gepäckabfertigung sei. Allein die Personalkosten sind aufgrund geltender Tarifverträge des Öffentlichen Dienstes deutlich höher als bei den privaten Dienstleistern.

So sieht sich der Flughafen offenbar nicht in der Lage, Preise für die Dienstleistung aufrufen zu können, die die Airlines auch zu einem Auftrag bewegen würden. Vor sechs Jahren hatte der Flughafen deshalb bereits mit Acciona einen zweiten privaten Anbieter neben Aviapartner dazu geholt, um die damals auch schon bestehenden Probleme beim Service durch mehr Wettbewerb auffangen zu können. Das gelang offensichtlich nicht.

Für Verdi-Mann Bill lassen die Probleme nur einen Schluss zu. „Wenn das für den Flughafen zu teuer ist und die Privaten die geforderte Leistung nicht erbringen, muss der Staat einspringen. Verkehr ist Daseinsvorsorge, der Staat ist in der Verantwortung.“

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