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Flughafen-Mitarbeiter in Düsseldorf gehen auf die Straße

Flughafen in Düsseldorf : Flughafen-Mitarbeiter gehen auf die Straße

Bei einer Demonstration vor der Verwaltung machen die Beschäftigten ihrem Ärger Luft. Sie fürchten, dass sie die Folgen der Corona-Krise ausbaden sollen.

Rund 100 Mitarbeiter des Flughafens haben am Montag vor der Airport-Verwaltung an der Flughafenstraße gegen einen drohenden Abbau von Arbeitsplätzen demonstriert. Verdi hatte (neben der Gewerkschaft Komba) dazu aufgerufen, um vor einer Aufsichtsratssitzung auf die Belange der Belegschaft hinzuweisen. „Die Beschäftigten des Flughafens dürfen nicht zu den Verlierern der Corona-Krise gemacht werden“, sagt Gewerkschaftssekretär Werner Kiepe. „Wir sind bereit, dafür zu kämpfen.“

Ihre Sorgen haben einige Demonstranten auf einem Transparent zugespitzt. „Wir fliegen nicht weg. Wir fliegen raus.“ Diese Ängste hat auch Uwe Kupferschmidt, der seit mehr als 25 Jahren am Flughafen arbeitet. Der Energieanlagenelektroniker ist 58 Jahre alt und aus seiner Sicht hängt jetzt seine gesamte Lebensplanung am seidenen Faden. „Wenn ich meinen Job verliere, droht mir eine Privatinsolvenz.“ So müsse er etwa weiter sein Haus abbezahlen. Und mit dieser Finanzierung habe er Einschränkungen in Kauf genommen, die gerade zu einer Absicherung im Alter führen sollte. Die stehe nun auf der Kippe.

Zum Hintergrund: Die Lage am Flughafen ist nach wie vor äußerst kritisch. Die Zahl der Flüge liegt im Vergleich zu den Vorjahren aktuell bei einem Drittel, die Zahl der Passagiere sogar nur bei einem Viertel. Die gewaltigen Umsatzeinbrüche wiegen um so schwerer, da die Gewinne der Vorjahre stets an die Eigner ausgezahlt wurden. Nun sollen die laufenden Kosten kurzfristig mit Hilfe eines Kredits von 250 Millionen Euro aufgefangen werden, zudem überweisen die Gesellschafter Stadt Düsseldorf und Airport Partners 100 Millionen Euro ans Unternehmen.

Im Raum steht deshalb bereits seit Monaten, dass der Flughafen 600 von 2400 Stellen abbauen will. In einer Videobotschaft kündigte Flughafen-Chef Thomas Schnalke ein Abfindungsprogramm an. Sprecher Christian Hinkel sagt unserer Redaktion zudem, dass die Umsatzeinbrüche über die Steigerung der Erlöse und „die Senkung der Strukturkosten sowie des Personalaufwands“ ausgeglichen werden sollen. „Zugleich sollen im intensiven Austausch mit den Tarif- und Betriebspartnern einvernehmlich sozialverträgliche Lösungen erzielt werden. Ein entsprechendes Konzept wird derzeit bis voraussichtlich Dezember erstellt.“

Parallel laufen zudem bundesweit Tarifverhandlungen zwischen den Flughäfen und Gewerkschaften. In Düsseldorf hat es auch ein erstes Gespräche zwischen Kommunalem Arbeitgeberverband (KAV), dem Flughafen und Verdi gegeben. Eine Option sind Notlagentarifverträge, die die Leistungen der Tarifverträge kurzfristig reduzieren könnten. Eine Grundlage für Verhandlungen darüber soll es laut Werner Kiepe aber erst geben, wenn betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen würden. Zumal die Mitarbeiter für die zukünftigen Herausforderungen am Flughafen gebraucht würden. Verdi-Vertrauensfrau am Flughafen und dort auch Sachbearbeiterin Petra Pollmann betont in diesem Zusammenhang auch die Systemrelevanz des Flughafens, was natürlich auch für die Beschäftigten gelte.