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Nach Evakuierung in Düsseldorf: Flughafen Düsseldorf verzichtet auf Millionenklage

Nach Evakuierung in Düsseldorf : Flughafen Düsseldorf verzichtet auf Millionenklage

Vor knapp einem Jahr legte ein 32-Jähriger den Flughafen lahm, indem er einen Koffer stehen ließ und eine Evakuierung auslöste. Der Mann kam in Haft. Für die entstandenen Kosten und Verluste wird er nicht zur Kasse gebeten.

Der Schaden geht in die Millionen, aber der Flughafen, Airlines und weitere Firmen werden wohl nie Schadenersatz erhalten. Hakim B., der am 24. September vorigen Jahres einen Koffer im Flughafen zunächst stahl, dann stehen ließ und damit eine Evakuierung der Terminals verursachte, hat seine Strafe abgesessen und ist ins Ausland abgereist. 140 Flüge waren damals ausgefallen, mehr als zehntausend Passagiere waren von der Sperrung betroffen. Jetzt steht endgültig fest: Der Mann wird für seine Tat nicht privatrechtlich zur Verantwortung gezogen. "Die Flughafen Düsseldorf GmbH hat sich entschieden, auf eine Schadenersatzklage gegen Hakim B. zu verzichten", heißt es auf RP-Anfrage.

Als der damals 32-Jährige im Dezember vom Amtsgericht für acht Monate ins Gefängnis geschickt wurde, hieß es vom Flughafen zunächst, man werde vermutlich nichts weiter gegen ihn unternehmen. Hauptgrund: Bei Hakim B., der vor Gericht ausführte, er arbeite als Markthändler in Barcelona, sah man schlechte Chancen, auch nur einen Cent zurückzuholen.

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Entgangene Start- und Landegebühren, fehlende Einnahmen von Parkerlösen und aus Umsatzbeteiligungen an den Flughafen-Shops summierten sich auf eine hohe Summe. Offiziell wurde nie mitgeteilt, wie hoch die Ausfälle tatsächlich zu beziffern sind. Im Aufsichtsrat war Politikern gegenüber einmal von mehr als einer Million Euro die Rede. An anderer Stelle hieß es später, es handele sich um einen Schaden von "mehreren hunderttausend Euro". Siebenstellig aber war der Schaden insgesamt allemal, da Fluggesellschaften, Taxis etc. ebenfalls Ansprüche geltend machen könnten.

Aus grundsätzlichen Erwägungen beauftragte der Flughafen schließlich doch seine Anwälte. Eine Rechtsanwaltskanzlei sollte die Schadenersatzklage prüfen und vorbereiten. "Der Flughafen ist der Auffassung, dass solche Täter die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen sollten, straf- und zivilrechtlich. Diese Taten sind keine Kavaliersdelikte", sagt Unternehmenssprecher Christian Hinkel. So war es auch vor elf Jahren gewesen, als die Studentin Marina B. aus Haan dazu verurteilt wurde, 207 000 Euro plus Zinsen an den Flughafen zu zahlen. Sie hatte telefonisch mit einer Bombe gedroht, weil sie nicht mit ihrem Freund in den Urlaub fliegen wollte. Auch damals wurden die Abfertigungshallen geräumt, mehrere Stunden wurde nicht abgefertigt.

Dass es nun anders kommt, hat in erster Linie damit zu tun, dass Hakim B. nicht mehr in Haft sitzt und nach seiner Freilassung aus Deutschland mit unbekanntem Ziel abgereist ist. "Ein weiteres vom Flughafen in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten kam nun zu dem Ergebnis, dass die Durchsetzung der Schadenersatzansprüche vor dem Hintergrund dieser Entwicklung nicht mehr erfolgsversprechend sei", heißt es in der Stellungnahme des Flughafens.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Flughafen-Evakuierung: Prozess gestartet

(RP)