Flughafen Düsseldorf: Chaos bei Wechsel von Sicherheitsunternehmen befürchtet

Nach Kötter-Rückzug : Verdi befürchtet für 2020 Chaos am Flughafen Düsseldorf

Die Gewerkschaft glaubt, dass ein Wechsel des Sicherheitsunternehmens kurz vor den Ferien zu Wartezeiten am Airport führen könnte. Dadurch könnten auch die Mitarbeiter wieder stark belastet werden. Der Flughafen mahnt schnelles Handeln an.

Die Gewerkschaft Verdi fürchtet Probleme am Flughafen, wenn ausgerechnet Ende Mai ein neues Unternehmen die Zuständigkeit für die Sicherheitskontrollen von Kötter Aviation Security übernimmt. „Zu Beginn der Sommerferien erreichen die Passagierzahlen ihr jährliches Rekordhoch. Ein geordneter Übergang kann mit dem Ausstieg Ende Mai kaum gesichert werden“, sagte die Fachbereichsleiterin Besondere Dienstleistungen bei Verdi NRW, Andrea Becker. „Das bedeutet erneute unnötige Wartezeiten für die Passagiere und einen enormen Druck für die Beschäftigten.“

Auch ein Flughafen-Sprecher betonte, der Sommer sei „ein denkbar schlechter Termin“ für den Übergang: „Im Sommer nutzen 50 Prozent mehr Reisende den Flughafen als im Winter.“ Mit Blick auf eine neue Ausschreibung sei nun schnelles Handeln gefragt. „Anfang 2020 muss klar sein, wer ab Sommer für die Kontrollen zuständig ist, damit das Unternehmen ausreichend Personal rekrutieren und ausbilden kann.“ Man befürchte, dass ansonsten an den Sicherheitskontrollen wieder Engpässe entstehen könnten. „Der neue Vertrag zwischen Bundespolizei und Dienstleister sollte zwingend klare Qualitätsvorgaben zum Beispiel mit Blick auf die Personalausstattung und Kontrollgeschwindigkeit enthalten, wie es in der Wirtschaft üblich ist.“

Kötter hatte sich mit dem Beschaffungsamt des Bundesinnenministeriums darauf geeinigt, den Vertrag über die Kontrollen am Flughafen vorzeitig zum 31. Mai 2020 zu beenden. Im Fall eines Dienstleister-Wechsels werde man alles dafür tun, dass der Übergang geräuschlos verlaufe.

Die Gewerkschaft sorgt sich aber auch um die Zukunft der Mitarbeiter. Die Entscheidung dürfe nicht zu Lasten des Personals gehen, sagte Becker. Rund 1100 Personen sind in Düsseldorf in der Fluggastkontrolle beschäftigt. Ein Betriebsübergang mit einer Übernahme aller bisherigen Beschäftigten ist nach Angaben der Gewerkschaft nur dann gewährleistet, wenn der komplette Auftrag erneut an einen einzelnen Dienstleister vergeben wird. „Der Auftrag darf nicht aufgesplittet werden“, sagte Becker. Laut Verdi soll das Verfahren zur Neuvergabe zeitnah beginnen und bis Februar beendet sein.

Hintergrund der Entscheidung von Kötter, die Sicherheitskontrollen in Düsseldorf aufzugeben, waren nach Angaben des Unternehmens die stark veränderten Rahmenbedingungen. Man habe aus betriebswirtschaftlicher Sicht keine andere Wahl gehabt. Der Vertrag wäre regulär noch bis Ende 2020 gelaufen. Auch für den Flughafen Köln/Bonn hatte Kötter eine vorzeitige Vertragsbeendigung beantragt, dem war jedoch nicht entsprochen worden.

Kötter will sich nach eigenen Angaben grundsätzlich an einer Neu-Ausschreibung des Auftrags beteiligen, sich aber erst bei Vorliegen der Bedingungen dazu äußern. Das unternehmerische Risiko dürfe nicht allein beim Dienstleister liegen, erklärte Kötter: „Zukünftige Verträge müssen daher Öffnungsklauseln für unternehmerische Risiken enthalten, die nach Eintreten zu fairen Verhandlungen und damit zu eventuellen Preisanpassungen führen.“ Bisher müsse der Dienstleister allein die finanziellen Folgen für Entwicklungen tragen, die zum Zeitpunkt der Kalkulation nicht vorhersehbar waren. Dazu gehörten etwa eine erhebliche Erhöhung der Peak-Zeiten oder starke Unterschiede beim Sommer- und Winterflugplan.

Das Sicherheitsunternehmen wünscht sich, dass künftig nach Kontrollvorgängen und nicht wie bisher nach Kontrollstunden abgerechnet wird. Außerdem schlägt Kötter ein System mit Bonus-/Maluszahlungen vor. Das bedeutet: Übertrifft der Dienstleister das vereinbarte Servicelevel, wird er finanziell belohnt.

Der Betriebsratsvorsitzende von Kötter Security, Torsten Bogula, forderte, dass sich die Arbeitsbedingungen am Flughafen verbessern müssen. Das gelte unabhängig davon, ob der Auftrag wieder an Kötter oder an ein anderes Unternehmen gehe. Als zentrale Themen nannte er stark variierende Anfangs- und Endzeiten der Schichten und kurzfristig geänderte Dienstpläne. Das führe dazu, dass die Mitarbeiter kaum ein geordnetes Familienleben planen könnten.

2017 hatte der Ärger bei den Sicherheitskontrollen einen Höhepunkt erreicht. Damals hatten zahlreiche Passagiere ihre Flüge verpasst. In diesem Jahr gab es einige Meldungen über längere Warteschlangen, die aber bei weitem nicht das gleiche Ausmaß hatten.