Kolumne "Made In Düsseldorf": Flughafen braucht keine Ehe mit Weeze

Kolumne "Made In Düsseldorf": Flughafen braucht keine Ehe mit Weeze

Der Flughafen Weeze hat ein Schuldenproblem. Deshalb könnte Weeze mit Düsseldorf kooperieren und Starts und Landungen von DUS nach Weeze holen. Diese Debatte gefährdet die geplante neue Betriebsgenehmigung.

Die Idee klingt simpel und gut: Auf der einen Seite steht der Düsseldorfer Flughafen. Der platzt bald aus allen Nähten und will deshalb eine neue Betriebsgenehmigung. Nach der derzeitigen Genehmigung dürfen in der Hälfte der wöchentlichen Betriebszeit 45 Flugbewegungen stattfinden. Der Flughafen will beantragen, dass in den Spitzenstunden des Tages künftig 60 Flugbewegungen pro Stunde stattfinden. Doch das erzürnt die Anwohner und vor allem die Nachbargemeinden.

Auf der anderen Seite gibt es in weniger als 80 Kilometern Entfernung den Flughafen Weeze. Er wird zu 90 Prozent von der Billigfluglinie Ryanair genutzt. Doch die Airline hat auf dem niederrheinischen Flugfeld gerade mal sechs Flieger stehen. Es bleibt also unglaublich viel Platz für eine Kapazitätsausweitung. Und die Zahl der Lärmgegner hält sich in Weeze stark in Grenzen. Die Region ist dünn besiedelt. Und außerdem ist der Flughafen einer der wichtigsten Arbeitgeber in diesem Teil des Niederrheins. Doch der kleine Airport hat ein handfestes Problem: 30 Millionen Euro Schulden. Die hält der Kreis Kleve. Und der hätte lieber heute als morgen sein Geld zurück.

Vergangene Woche stellten die im Klever Kreistag maßgebenden Parteien CDU und FDP klar: So geht es nicht weiter. Nach dem Auslaufen des Kredits werde es "keine Vereinbarung mehr geben, die zu einer Erhöhung der Kredite führen würde", hielten die Fraktionschefs Ulrike Ulrich (CDU) und Ralf Klapdor (FDP) fest. "Es wird keine finanzielle Unterstützung des Kreises für den Betrieb des Flughafens Weeze geben". Weshalb die jährlichen zwei Millionen Passagiere und 1100 Mitarbeiter des Flughafens fragen: Steht Weeze vor dem Aus?

Die Rettung, meinen einige Luftfahrtexperten und Landespolitiker: Weeze nimmt die Kapazitäten an Starts und Landungen auf, die in Düsseldorf nicht mehr unterkommen. Damit hätte Weeze neue Erlöse und Düsseldorf erspart sich den langwierigen Verwaltungsgang zu einer neuen Betriebsgenehmigung und viel Ärger mit den Anwohnern.

Doch was so simpel klingt, geht an der Realität in der Welt der Airlines komplett vorbei. Denn die Stärke des Flughafen Düsseldorf ist es ja gerade, dass sich der Airport zu einem kleinen Drehkreuz entwickelt. Nur wenn durch viele Zubringerflüge aus Deutschland und Europa genug Passagiere zusammenkommen, werden für Düsseldorf die interessanten Non-Stop-Flüge nach Japan oder in die Vereinigten Staaten überhaupt erst möglich.

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Die Passagiere einfach von Weeze nach Düsseldorf mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu transportieren, ist einfach nicht praktikabel. Denn eine schnelle Bahnverbindung per ICE gibt es nicht, und es wird so schnell auch keine geben. Und die Fahrt mit dem Bus ist mit Ein- und Ausstieg unter eineinhalb Stunden nicht zu bewältigen. In der Zeit ist man mit dem Flugzeug schon in Italien.

Auch wenn es theoretisch denkbar wäre, Weeze zur dritten Düsseldorfer Startbahn zu ernennen. Die Passagiere würden das nicht akzeptieren. Denn gerade Wartezeiten und häufiges Umsteigen sind ja das, was Reisende am wenigsten leiden können. Gerade die Kompaktheit des Düsseldorfer Flughafens und die Möglichkeit der schnellen Umstiege sind es, die den drittgrößten deutschen Airport zurzeit so schnell wachsen lassen.

Natürlich sind die Sorgen der Anwohner verständlich. Sie haben den Lärm von morgens bis abends über ihren Häusern. Dass das nicht gesund ist, will niemand bestreiten. Deshalb ist es wichtig, dass bei einer neuen Betriebsgenehmigung das Nachtflugverbot streng eingehalten wird. Aber Weeze als Ausweichlandebahn ist keine Entlastung der Anwohner. Denn statt der wenigen Flieger, die dann via Weeze flögen, würden Hunderte Busse von morgens bis abends durch Düsseldorf und den Niederrhein rauschen, um die beiden Flughäfen miteinander zu vernetzen.

Düsseldorf braucht eine Kapazitätsausweitung, die der Wirtschaft nutzt und die Anwohner nicht unnötig belastet. Doch die Debatte um eine Kooperation mit Weeze verschleppt oder gefährdet sogar die neue Betriebsgenehmigung. Das ist ein Hemmschuh für die Entwicklung des Airport Düsseldorf.

(RP)
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