Flugchaos geht weiter: Mehr als 7700 Klagen wegen Flugverspätungen vor Amtsgericht Düsseldorf

Amtsgericht Düsseldorf : Mehr als 7700 Klagen wegen Flugverspätungen

Wegen Verspätungen und Flugausfällen fordern immer mehr Reisende Schadenersatz von den Airlines vor dem Düsseldorfer Amtsgericht. Allerdings gingen Ostern die sehr späten Landungen etwas zurück.

Die Klagewelle von Flugpassagieren wegen verspäteter oder ausgefallener Flüge ebbt noch lange nicht ab. Sie stellt speziell das Düsseldorfer Amtsgericht vor große Probleme, weil dort die meisten Klagen in NRW eingereicht werden.

Schon in den ersten vier Monaten des Jahres 2019 verzeichneten Düsseldorfer Zivilabteilungen laut Gerichtsangaben mehr als 7700 neue Fälle rund um Flugreisen, dabei ging es in fast 97 Prozent um Flugverspätungen. Im vergangenen Jahr hatte es dagegen insgesamt rund 12.700 neue Klagen gegen Airlines gegeben. Umgerechnet auf alle neu eingegangen Zivilverfahren bedeutet das im Moment: In fast drei Vierteln aller Zivilprozesse, die aktuell beim Düsseldorfer Amtsgericht anstehen, geht es um Entschädigungen für Flugpassagiere.

Für die Menge an Klagen gibt es drei Gründe. Erstens reichen erst jetzt viele Reisende ihre Anliegen bei Gericht ein, die in 2018 von der massiven Verspätungswelle gerade im Sommer und Herbst betroffen waren. Zweitens bringen die Berichte über Entschädigungen betroffene Reisende zunehmend dazu, ebenfalls ihre Forderungen einzureichen.

So hatte die Lufthansa auf der Bilanzpressekonferenz am 14. März berichtet, dass sie inklusive der Tochter Eurowings für 2018 mit Entschädigungszahlungen in Höhe von 250 Millionen Euro rechnet. Und drittens geht die Welle an Verspätungen und Flugausfällen auch in 2019 weiter. So warnte Lufthansa-Chef Carsten Spohr vor weiteren Schwierigkeiten im europäischen Luftverkehr, weil es zu wenige Fluglotsen gibt, während gleichzeitig der Verkehr alleine im Sommer um rund zwei Prozent zulegen könnte.

Laut EU-Fluggastverordnung können Flugreisende auch nach Jahren noch 250 bis 600 Euro ihres Flugpreises zurückfordern, wenn ihr Flug um drei Stunden oder mehr verspätet war. Düsseldorf ist dabei als größter Standort der Lufthansa-Billigtochter Eurowings nicht nur von Verspätungen dieser Airline betroffen. Auch gegen Lauda-Air häufen sich die Kundenbeschwerden. Derzeit entfallen rund ein Drittel aller in Düsseldorf eingereichter Neu-Klagen auf Ansprüche gegen Lauda-Air, erfuhr unsere Redaktion.

Wie ernst die Lage ist, zeigt eine Berechnung von EU-Claim: In den ersten drei Monaten des Jahres seien 7565 Flüge von oder nach Deutschland annulliert worden, 1397 Maschinen landeten mit mehr als drei Stunden Verspätung. „Die Pünktlichkeits-Probleme im Luftverkehr werden drastischer“, sagt Tim Lamyon, Chef des Deutschland-Ablegers der Klagefirma. Im ersten Quartal des vergangenen Jahres gab es 7006 Verspätungen und Ausfälle. 2017 waren es im gleichen Zeitraum 6576.

Allerdings scheinen die Osterferien halbwegs passabel gelaufen zu sein. Eurowings meldete am Montag, dass von den europaweit 1,3 Millionen Passagieren 87 Prozent pünktlich oder mit maximal 15 Minuten Verspätung an ihr Ziel gekommen seien. Vor einem Jahr lag der Wert bei nur 79 Prozent, erklärt das Unternehmen. Man habe viele Flugzeuge als Reserve abgestellt, um Verspätungen abzubauen, und entzerre parallel den Flugplan.

Am Düsseldorfer Flughafen ging die Zahl der sehr späten Landungen nach 23 Uhr während der Osterferien im Vergleich zu 2018 von 50 auf 41 runter, obwohl die Zahl der Flüge um rund 20 Prozent höher lag. Das ergibt eine Berechnung des Vereins „Bürger gegen Fluglärm“. „Gerade in der Sommersaison befürchte ich wieder massenhaft Verspätungen bis in die Nacht“, sagt Christoph Lange, Vorsitzender des Vereins.

Das Düsseldorfer Amtsgericht hat daher weiter viel zu tun. Wie eine Sprecherin des Gerichts schon vor einiger Zeit erklärt hatte, habe das Gericht zwar direkt reagiert und die Zivilabteilungen mit zusätzlichen Richtern verstärkt, doch im mittleren und gehobenen Dienst würden weiter Mitarbeiter fehlen.

So machten die Fälle rund um Flugreisen im Jahr 2017 nur etwa ein Drittel der gesamten Zivilklagen (etwa 16.000 Verfahren) aus. 2018 waren es von etwa 23.000 neu eingegangenen Gesamtklagen bereits rund 55 Prozent. Und in den ersten vier Monaten 2019 lag diese Quote schon bei mehr als 70 Prozent. Und die Tendenz ist laut Insidern immer noch steigend.

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