Flugausfälle, Staus, Lawinenabgänge und tödlicher Unfall: Winterchaos in Bayern

Zwei Tote durch Schnee-Chaos : Flugausfälle, Unfälle, Lawinen - der Winter hat Bayern im Griff

Flugausfälle, lange Staus, Behinderungen im Bahnverkehr, Lawinenabgänge und ein tödlicher Unfall: Starke, anhaltende Schneefälle haben am Samstag den Verkehr in großen Teilen Bayerns beeinträchtigt.

Ein 19-Jähriger starb bei Bad Tölz bei einem Autounfall. Am Münchner Flughafen mussten 120 Flüge gestrichen werden. Die Waldbahn in Niederbayern stellte den Verkehr vollständig ein. Und auf den Straßen staute sich der Verkehr.

Der Deutsche Wetterdienst in Offenbach warnte vor allem für den Alpenraum und das Alpenvorland auch für das weitere Wochenende vor teils erheblichen Problemen im Verkehr und auch eventuell in der Infrastruktur. In Extremfällen drohten Stromausfälle. Noch bis Montag sollte demnach im Süden Deutschlands und im Alpenraum der Schneefall anhalten mit Gefahr von Schneeverwehungen.

Bei einem vermutlich durch die winterlichen Straßenverhältnisse ausgelösten Verkehrsunfall starb bei Bad Tölz ein 19 Jahre alter Mann. Zwei weitere Menschen wurden schwer verletzt und ein Mensch leicht verletzt, teilte das Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim mit.

Demnach geriet ein 23 Jahre alter Mann mit seinem Auto auf der Bundesstraße B472 im Gemeindebereich Reichersbeuern bei Schneefall ins Schleudern. Er sei in den Gegenverkehr geraten und dabei frontal mit einem entgegen kommenden Auto zusammengestoßen. Der Beifahrer im Auto des Unfallverursachers erlitt so schwere Verletzungen, dass er im Krankenhaus starb.

Der Fahrer selbst und eine 26-Jährige auf der Rücksitzbank erlitten schwere Verletzungen. Der Beifahrer im Auto des Unfallgegners erlitt leichte Verletzungen, der Fahrer blieb unverletzt.

Am Münchner Flughafen wurden 120 Flüge gestrichen. Dazu kamen etwa siebzig Flüge mit Verspätungen von mehr als einer Stunde und weitere etwa siebzig Flüge mit Verspätungen von etwa einer halben bis vollen Stunde, wie eine Sprecherin des zweitgrößten deutschen Flughafens auf Anfrage sagte.

Demnach müssen alle Flugzeuge enteist werden, was ein Grund für die Behinderungen sei. Dazu komme, dass an dem Flughafen mit seinen zwei Landebahnen jeweils nur eine Bahn wegen der ständigen Räumarbeiten für Starts und Landungen zur Verfügungen stehe. Außerdem habe die Flugsicherung wegen der Sichtverhältnisse den Flugverkehr eingeschränkt.

Die in Niederbayern verkehrende Waldbahn musste als Folge der starken Schneefälle im Bayerischen Wald ihren Verkehr vollständig einstellen. Es seien etliche Bäume unter den Schneelasten zusammengebrochen und blockierten die Schienenwege, teilte das Unternehmen mit. Das Räumen sei nicht möglich, da das Betreten und Befahren der Wälder lebensgefährlich sei. Erst mit Beruhigung der Wetterlage könne mit dem Freischneiden der Strecke begonnen werden.

Auf den Straßen kam es vor allem im Süden Bayerns zu zahlreichen Staus und mehreren Unfällen. Die Deutsche Bahn meldete im Regionalverkehr im Süden Bayerns und in Baden-Württemberg Einschränkungen und Verspätungen. Die Strecke Crailsheim-Aschaffenburg musste wegen Bäumen im Gleisbereich gesperrt werden.

Eine 20 Jahre alte Frau ist am Teisenberg (Landkreis Berchtesgadener Land) von einer Lawine verschüttet worden und gestorben. Die Frau war am Samstag mit einer Tourengehergruppe unterwegs, sagte ein Polizeisprecher. Rettungsmannschaften konnten die Frau demnach bergen, Reanimationsversuche blieben jedoch erfolglos. Die übrigen Menschen in der Gruppe wurden nicht von der Lawine erfasst. Nähere Angaben konnte die Polizei zunächst nicht machen.

Der starke Schneefall in den Alpen hat auch in Österreich zu Straßensperren und Flugausfällen geführt. Westlich von Wien war am Samstag zeitweise eine wichtige Autobahnverbindung blockiert, nachdem zahlreiche Lastwagen auf der Strecke liegen geblieben waren. In Bergregionen mussten einige Straßen wegen Lawinengefahr gesperrt werden. Darunter war auch das Sölktal in der Steiermark, wo 600 Bewohner und Touristen festsaßen. Das Schlechtwetter fiel ausgerechnet auf das Rückreise-Wochenende, an dem viele deutsche Urlauber aus Tiroler und Salzburger Skigebieten heimkehrten.

In weiten Teilen der österreichischen Alpen herrschte großes Lawinenrisiko - meist Stufe 4 auf der bis 5 reichenden Gefahrenskala.
Der Lawinenwarndienst im Bundesland Salzburg warnte eindringlich vor Skifahren abseits gesichterter Pisten: "Teils enorme Einsinktiefen, null Sicht und hohe Lawinenaktivität", hieß es auf seiner Website.

Der Schneefall werde noch bis zur Nacht auf Montag anhalten, prognostizierte die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik.
Der Flughafen in Innsbruck sprach bereits am Samstag von "massiven Einschränkungen im Flugverkehr". Zahlreiche Verbindungen wurden umgeleitet, gestrichen oder waren als verspätet gemeldet.

(felt/dpa/AFP/mja)
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