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Düsseldorf: Flüchtlinge: Krisenstab tritt zusammen

Düsseldorf : Flüchtlinge: Krisenstab tritt zusammen

Die Stadt weiß nicht, wo sie weitere Asylbewerber unterbringen soll. Deshalb tagte gestern der Krisenstab - zum ersten Mal seit Orkan "Ela". Dabei wusste die Verwaltung seit langem, dass sie sich auf mehr Flüchtlinge vorbereiten muss.

Der Mangel an Plätzen für Flüchtlinge in Düsseldorf hat sich so verschärft, dass gestern der städtische Krisenstab zusammengetreten ist - zum ersten Mal seit Orkan "Ela". In dem Gremium sitzen die Spitzen diverser Ämter, dazu Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste. Man verständigte sich als ersten Schritt darauf, mehr Menschen in der ehemaligen Schule an der Borbecker Straße in Unterrath unterzubringen und auch die Schulturnhalle als Unterkunft zu nutzen. Eine "Task Force" von Feuerwehr und Stadt soll zügig weitere Immobilien prüfen, zum Beispiel leere Büroräume.

Sozialdezernent Burkhard Hintzsche hatte am Freitagnachmittag gemeldet, dass die vorhandenen Kapazitäten nicht mehr ausreichen. Das Land hatte die Stadt zuvor informiert, dass ab Mittwoch mindestens 20 weitere Flüchtlinge untergebracht werden müssen. Die Flüchtlinge werden vom Land nach einem festgelegten Verteilungsschlüssel auf die Kommunen verteilt, die Stadt hat keinen Einfluss. Insgesamt sind derzeit mehr als 2100 Flüchtlinge in Düsseldorf untergebracht.

Schon lange gibt es in der Stadt zu wenig reguläre Unterkünfte. Viele Asylbewerber werden deshalb in Hotels eingemietet, zuletzt mehr als 900. Auch diese Form der Unterbringung stößt nun an ihre Grenzen - die Stadt findet keine weiteren freien Zimmer.

Dass man nun ausgerechnet auf die Borbecker Straße zurückgreift, zeigt, wie groß die Not ist. Die ehemalige Schule wurde bislang als Beispiel dafür angeführt, warum die Stadt andere, bessere Unterkünfte braucht. Das Rote Kreuz (DRK) muss sie im 24-Stunden-Dienst betreuen und eine Essensausgabe organisieren, weil es keine Kochgelegenheiten gibt. Außerdem schlafen in den Klassenzimmern viele Menschen auf engem Raum. Nun wird das DRK auch in den oberen Stockwerken und in der Turnhalle Betten aufstellen. Ob die Stadt weitere vorübergehende Unterkünfte einrichten muss, ist unklar. Man denke derzeit von Woche zu Woche, heißt es.

Durch den Engpass steigt der Druck auf die Bauverwaltung, die geplanten Container zügig zu errichten. Man will an bislang zwölf Standorten Wohncontainer aufstellen, in denen jeweils 200 Menschen wohnen sollen. Der erste in Benrath soll im Juni fertig sein, die weiteren ab dem Sommer. Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) soll verärgert sein, dass die zuständigen Mitarbeiter nicht schneller Ergebnisse vorlegen, obwohl er bereits bei Amtsantritt deutlich gemacht hatte, dass Zeitdruck besteht. Bei der Stadt hofft man, dass das Land zudem eine Erstaufnahme mit 600 Plätzen in der Bergischen Kaserne einrichten wird, wodurch die Stadt weniger Plätze schaffen müsste.

Der aktuelle Engpass wirft die Frage auf, warum die Stadt sich nicht früher vorbereitet hat. Unter Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) war das Thema immer wieder verschoben worden, obwohl man die Prognosen schon kannte. Nun verfügt die Stadt kaum über langfristig nutzbare Quartiere - und muss sich auf weiter steigende Zahlen einstellen: Zum Jahresende soll die Flüchtlingszahl auf 4000 steigen. Um alle unterzubringen, muss die Stadt 3900 Plätze schaffen, da viele bestehende wegfallen.

(RP)