Flora Fauna in Bilk Umbau zum Bürogebäude

Neue Räume in Düsseldorf Bilk : Flora und Fauna

Deutschlands älteste Billett-Druckerei Granderath hat dort seit 1884 mit der Einführung der Trambahnen Tickets aller Art gedruckt. Nun entstehen dort Arbeitsplätze für Kreative.

Der benachbarte Floragarten mit seinem Weiher, den mehr als 100 alten Bäumen (früher lockten auch ein Palmenhaus und Volieren) sowie die Adresse Florastraße standen Pate, als das Kind einen Namen brauchte: Unter dem Dach „Flora und Fauna“ entsteht im Hinterhof an der Florstraße 75 ein Raum für Kreative und Künstler, für Kommunikation und Kampagnen, für Fotografie und Kunst, für Verlage, Marketing und  Strategieberatung.

„Wir schaffen Arbeitsplätze für eine kreative Gemeinschaft, die zusammen wachsen und gedeihen will“, sagen Rainer und Lisa Kunst. 2015 hat das Paar die Räume der ehemaligen Druckerei gekauft und kernsaniert. Wo Druckmaschinen standen, wurde in Zusammenarbeit mit Mathias Löhr, Triade Architekten,  alles vom Boden bis zur Decke entkernt, die technische Infrastruktur erneuert und ergänzt, offene Flächen um- und ausgebaut, eine weitere Etage aufgesetzt und Mauerwerk frei gelegt. Neu sind eine Tiefgarage, ein Fahrradkeller und Elektrotankstellen. 2,5 Millionen Euro hat Rainer Kunst in das 1300 Quadratmeter große Projekt investiert. „Endlich ist Platz für all unsere Firmen“, sagt der Agenturgründer und Geschäftsführer. Denn in den vergangenen zehn Jahren ist das Herzstück „Kunst und Kollegen“ um ein halbes Dutzend neuer Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft gewachsen, darunter Kunst und Denker, die Kö Media und das Coco and Bill Publishing House. Erst ein Jahr alt ist die Strategieberatung Dorothy GmbH. Dahinter stehen Frank Vogel (ehemals Ogilvy), Oliver Bentz (früher Jung von Matt) und Rainer Kunst, Initiator und verbindendes Element der diversen Gesellschaften.

Welche Rolle spielt „Flora und Fauna“ in diesem Business-Netzwerk? „Das ist die Servicegesellschaft für den Office Space und die Gesellschaften, die an der Florastraße vertreten sind“, erklärt der 51-jährige Vater von zwei Töchtern. Zu den Services gehören Administration, Buchhaltung, Finanzen, Personal, Einkauf, Catering, Events und Facility Management. „Aber“, so seine Frau Lisa, „Flora und Fauna sind auch die Grundlage für die Ausstattung aller Räume.“ Gemeinsam mit Citizen Office im Medienhafen wurden sämtliche Flächen nach Vegetationszonen (wie Tundra, Hartlaubgehölze, Wüste oder  Savanne) aufgeteilt und in den Möbeln und Flächen farblich entsprechend gestaltet. So wird das Restaurant, in dem eine Köchin Frühstück und Mittagessen für die rund 50 Mitarbeiter zubereitet, die Anmutung eines tropischen Regenwalds haben. Während der Kreativraum Assoziationen an die Steppe wecken soll, herrscht im Auditorium Laub- und Mischwald-Stimmung. Neben der Photovoltaik-Anlage, die (im Sommer) Energie für eine autarke Stromversorgung liefert, sind die Teeküchen mit Trinkwasser-Armaturen ausgestattet, um auf Plastikflaschen verzichten zu können. „Weil wir unsere Arbeitswelt neu entwickeln und keine feste Zeiten mehr vorschreiben, wird es ab Mai die dreifache Anzahl von Plätzen außerhalb der klassischen Schreibtischarbeitsplätze geben, um so allen Ansprüchen an Konzentration, Kooperation und Co-Working gerecht zu werden“, erklärt der Chef. Geplant sind Telefonboxen, kleine geschlossene Meeting- und  Workshopräume, Nischen für Besprechungen, ein Auditorium, ein Casino, Galerieräume, einen Salon, Sofalandschaften, Bibliotheken, einen multifunktionalen Raum (Fotostudio, Yoga, Kinderbetreuung) und begrünte Außenflächen im Innenhof sowie Atrium. Abgesehen von den Ausstellungen in den Galerieräumen von Kunst und  Denker sollen in vielen Räumen Arbeiten verschiedener Künstler zu sehen sein – und: Tim Berresheim, der Kunst am Computer macht, die trotzdem real ist, verwandelt das Treppenhaus in ein Kunst am Bau-Projekt. Mal schauen, welche Blüten Flora und Fauna dann so treibt.

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