1,4 Millionen Euro veruntreut: Filialleiter kassiert bei Bank ab

1,4 Millionen Euro veruntreut : Filialleiter kassiert bei Bank ab

Ein 32 Jahre alter Bankkaufmann soll mit fiktiven Darlehen an erfundene Kunden mehr als eine Million Euro von seinem Arbeitgeber in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Jetzt flog er auf - und raus.

Manche munkeln, ihm sei Düsseldorf zu Kopf gestiegen. Der junge Banker, der als 24-Jähriger zur Commerzbank kam, stammt aus einer ländlichen Gegend, war beeindruckt vom Glamour der Landeshauptstadt.Trotzdem haben seine Kollegen nie auch nur für eine Sekunde geahnt, dass der smarte Filialleiter mit fremdem Geld an seinem Image bastelte.

Seit 2004, so wirft es die Staatsanwaltschaft dem jungen Mann vor, hat er regelmäßig Darlehn beantragt, bewilligt und ausgezahlt - für Privat- und Firmenkunden, die er frei erfunden hatte. 1,4 Millionen Euro habe er so bis 2006 auf 22 Konten verteilt und sie von dort abgehoben und ausgegeben - bis vorige Woche die Innenrevision der Bank die Unregelmäßigkeiten entdeckte und den Leiter der Filiale am Hauptbahnhof anzeigte.

"Er räumt die Vorwürfe weitgehend ein", sagt Staatsanwalt Johannes Mocken. "Das kann nur eine Konsequenz haben", erklärte Commerzbank-Sprecher Wilhelm Niehl gestern auf Anfrage: Die vielversprechende Karriere des jungen Bankers endete vergangene Woche mit der fristlosen Kündigung. Mit Rücksicht auf das schwebende Strafverfahren mochte Niehl sich nicht weiter zu den Vorwürfen gegen den Ex-Mitarbeiter äußern. Nur so viel: "Unsere internen Kontrollmechanismen haben gegriffen - damit musste er jederzeit rechnen. Wieso setzt ein Mensch seine Zukunft so leichtsinnig aufs Spiel?"

Jedenfalls nicht, weil er sich mit teuren Uhren, Autos und Frauen schmücken wollte. Er habe, heißt es aus seiner Umgebung, einfach gern Geld ausgegeben, wollte sich mehr leisten können als sein nicht gerade kleines Salär hergab - eine Woche länger Urlaub, beim Shoppen nicht auf den Preis schauen, öfter mal eine Lokalrunde in der Stammkneipe, großzügige Geschenke für Freunde - darum soll es ihm gegangen sein. Er wollte besser für sich und seine Familie sorgen, wollte als hilfsbereiter Mann anerkannt werden. Nun muss er sich drei mal pro Woche bei der Polizei melden. Nur unter dieser Bedingung ließ ein Richter den bisher unbescholtenen auf freiem Fuß.

(RP)
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