Finanzskandal in Düsseldorf: "fiftyfifty" kündigt Zusammenarbeit mit Orden

Finanzskandal in Düsseldorf: "fiftyfifty" kündigt Zusammenarbeit mit Orden

Die Obdachlosenzeitung "fiftyfifty" will die Zusammenarbeit mit dem Sozialwerk der Armen Brüdern des Heiligen Franziskus nach den Millionenverlusten der Ordensgemeinschaft aussetzen. Bruder Matthäus, Vorstand der Sozialwerke, gab daraufhin die Schirmherrschaft über die Obdachlosenzeitung auf.

Der Herausgeberverein der "fiftyfifty" Asphalt hatte am Freitag Kritik an den "zweifelhaften Investitionen" der Armen Brüder aus Düsseldorf geäußert. Die Ordensgemeinschaft hatte 7,2 Millionen Euro an den pleite gegangenen Anlagefonds der Finanzgruppe "Infinus" verloren. Als Reaktion auf die Erklärung des "fiftyfifty"-Geschäftsführer legte nach Informationen unserer Redaktion dann Bruder Matthäus, Vorstand der Sozialwerke, am Freitagabend die Schirmherrschaft über die Obdachlosenzeitung nieder.

Der Herausgeberverein Asphalt kooperierte seit 18 Jahren mit dem Orden - beide waren organisatorisch eng miteinander verbunden. Die Ordensgemeinschaft betreibt Altenheime und hat vor allem mit ihrer Hilfe für Obdachlose in Düsseldorf seit Jahren großen Erfolg. Die Obdachlosen-Initiative der Gemeinschaft vertreibt die Straßenzeitung "fiftyfifty", außerdem unterhält sie eine Kunstgalerie und Wohnprojekte für Obdachlose.

Hubert Ostendorf, Geschäftsführer von Asphalt erklärte, dass der Verein ethische und moralische Kriterien in den Anlagegebaren der Sozialwerke vermisse. "Anlagerichtlinien existieren erst gar nicht. Es ist der Eindruck entstanden, dass das Investment ohne Kenntnis professioneller Anlagestrategien vollzogen wurde und Kontrollinstanzen entweder nicht vorhanden sind oder versagt haben", so der Geschäftsführer.

Die Auflage der Obdachlosenzeitung "fiftyfifty" sei bereits aufgrund des Skandals gesunken, erklärte Ostendorf. "Ein deutliches Absinken der Auflage des Straßenmagazins würde für unseren Verein das unvermeidbare Aus bedeuten. Ausgerechnet die Ärmsten der Armen auf der Straße haben unter dem Anlageskandal als erste und besonders zu leiden, wenn sie nun kaum noch Zeitungen verkaufen."

Bis zur vollständigen Aufklärung des Sachverhalts werde die jahrelange Zusammenarbeit daher ruhen. Der Verein forderte zudem "umfassende strukturelle und personelle Konsequenzen bei der Ordensgemeinschaft".

Beim Sozialwerk der Ordensgemeinschaft fühlt man sich dagegen hintergangen. Mehrere Persönlichkeiten hätten die Finanzgruppe empfohlen, die von seriösen Instituten beste Ratings erhalten hätten, heißt es in einer Stellungnahme.

Mehrere Infinus-Manager sitzen in U-Haft. Bei ihnen war ein Privatvermögen in Millionenhöhe beschlagnahmt worden. Unter anderem wurden Luxusautos und -uhren, Boote, Goldbarren, Bargeld und Waffen sichergestellt. Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt gegen zehn Mitarbeiter der Infinus-Gruppe wegen Betrugs. Rund 25.000 Anleger haben nach Angaben der Staatsanwaltschaft zusammen 400 Millionen Euro in Infinus-Produkte investiert.

"Rückblickend ist es sehr bedauerlich, dass wir Geld bei diesem Institut angelegt haben", hatte Bruder Matthäus unserer Redaktion gesagt. Von dem finanziellen Schaden sei die laufende Arbeit der sozialen Projekte aber nicht betroffen. Bei dem Geld habe es sich um Rücklagen für die Sanierung von Altenheimen gehandelt. Spenden für die Wohnungslosenhilfe seien nicht in die Finanzgeschäfte geflossen.

(anch)
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