Düsseldorf: Fiftyfifty: Kein Zurück zu Armen Brüdern

Düsseldorf: Fiftyfifty: Kein Zurück zu Armen Brüdern

Nach dem Finanzskandal bei der Ordensgemeinschaft brach der Obdachlosenhilfe die Unterstützung weg. Nur langsam erholt sich die Organisation. Einen neuen Schirmherrn will sie nach dem Rücktritt von Bruder Matthäus vorerst nicht.

Sie waren eine untrennbare Einheit, die Armen Brüder des Heiligen Franziskus und die Obdachlosenhilfsorganisation Fiftyfifty. Doch seit die Ordensgemeinschaft sieben Millionen Euro an einen dubiosen Geldanleger verlor, ist das sprichwörtliche Tischtuch zerschnitten. Er habe sich noch einmal mit Bruder Matthäus getroffen, sagt Fiftyfifty-Geschäftsführer Hubert Ostendorf. "Wir haben uns auch die Hand gereicht - aber es gibt kein Zurück."

Seit Wochen wartet Fiftyfifty auf einen Nachweis darüber, wo die Ordensgemeinschaft die für Wohnprojekte überwiesenen Spendengelder der Obdachlosenhilfe verwendet hat. Rechtsanwalt Rainer Felkl hat das schon im März angefordert. "Als nach sechs Wochen keine Reaktion kam, habe ich der Ordensgemeinschaft eine Frist gesetzt, die demnächst abläuft - eine Antwort gibt es nicht", sagt der Anwalt, der seit kurzem dem neu gegründeten Beirat der Obdachlosenhilfe angehört.

Die Idee, nach der Trennung von der Ordensgemeinschaft in einem Beirat gemeinsame Strategien zu entwickeln, kam von Unternehmensberaterin Maria Fischer, die sich schon lange für Fiftyfifty engagiert. "Ich kann ganze Companys organisieren, dann kann ich das hier auch", sagt sie und gehört nun mit Anwalt Felkl, Schriftstellerin Ingrid Bachér, Schauspielerin Jasmin Hahn, Hochschullehrerin Ulrika Eller-Rüter, Autor Peter Martin, Karikaturist Berndt Skott und den Fiftyfifty-Verkäufern Martin Paul und Elvira Nagel zum Beirat.

Der plant nicht bloß Kulturveranstaltungen, sondern legt auch den Kurs für den weiteren Umgang mit dem Orden und die künftigen Finanzanlagen fest. Um Geldanlagen habe man sich bislang nicht kümmern müssen, sagt Ostendorf, und nach Bekanntwerden des Millionenverlusts der Armen Brüder habe Fiftyfifty ohnehin kaum noch etwas zum Anlegen gehabt.

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"Wir waren am Ende. Das Spendenaufkommen ging dramatisch zurück, Künstler wie Markus Lüpertz wollten nichts mehr mit uns zu tun haben, unsere Verkäufer wurden auf der Straße verhöhnt." Auf 5000 Exemplaren des Magazins blieben die Verkäufer (denen die Hälfte des Verkaufserlöses zugute kommt) plötzlich sitzen. Verkäufer Martin Paul berichtet: "Manche Passanten sagten, wir sollten uns lieber Geld von der Kirche holen. Oder gaben uns etwas mit den Worten ,nicht wieder verzocken'." Heute, vier Monate nach dem Skandal, sei es gelungen, die Lage zu beruhigen. "Wir haben deutlich machen können, dass unsere Magazin-Verkäufer am wenigsten dafür können, dass Fiftyfifty mit dem Anlagegeschäft des Ordens nichts zu tun hat", so Ostendorf. Als Gerhard Richter demonstrativ eine Grafik spendete, deren Verkauf Fiftyfifty 200 000 Euro brachte, sei das wie ein Signal gewesen: Auch Markus Lüpertz und andere Künstler erklärten sich wieder bereit, zu helfen. "Es geht wieder aufwärts", sagt Ostendorf, der daran anfangs arge Zweifel hatte. "Ich hätte nicht gedacht, dass uns das so schnell gelingt."

Einen neuen Schirmherrn will Fiftyfifty erst einmal nicht suchen. "Das sähe doch seltsam aus, wenn wir Bruder Matthäus einfach austauschen würden", sagt Ostendorf. Das Vorwort im Fiftyfifty-Magazin, das seit Jahren dem Schirmherrn vorbehalten war, hat in der aktuellen Ausgabe Ingrid Bachér geschrieben, in der nächsten wird Diakonie-Vorstand Thorsten Nolting die Einleitung schreiben. Mit der Diakonie hat Fiftyfifty die Zusammenarbeit jetzt verstärkt. Von dem Erlös der Richter-Grafik sind bereits zwei Wohnungen für Obdachlose gekauft worden, eine dritte soll mit der Diakonie für wohnungslose Mütter mit Kindern eingerichtet werden.

Die Konfession gewechselt habe Fiftyfifty aber nicht, sagt Ostendorf. Wenn die Franziskaner vom Kloster an der Oststraße zur Marienkirche umgezogen sind, werde Fiftyfifty dort wieder seinen Platz erhalten.

(RP)