"Arbeitsstelle Neonazismus": FH forscht zu Rechtsextremismus

"Arbeitsstelle Neonazismus": FH forscht zu Rechtsextremismus

Wissenschaftler beobachten und analysieren die Entwicklung am rechten Rand der Gesellschaft, klären auf, geben Tipps und erstellen Konzepte, die dem Neonazismus den Nährboden entziehen sollen. Aktuell stellen die Forscher fest, dass rechte Parteien vor den Wahlen besonders aktiv sind.

Die Zeit der fremdenfeindlichen Brandanschläge scheint glücklicherweise vorüber zu sein. Doch für die Wissenschaftler des Forschungsschwerpunktes Rechtsextremismus und Neonazismus an der Fachhochschule (FH) bleibt genug zu tun: Sie beobachten und analysieren die Entwicklung am politisch rechten Rand der Gesellschaft, klären auf, geben praktische Hilfen für den Umgang mit Rechtsextremismus und informieren, wie sich Vereine oder Städte positionieren sollten.

Hinzu kommt die Prävention: Es geht auch darum, Konzepte für mehr Integration benachteiligter junger Menschen zu entwickeln. Wenn man diese produktiv mitgestalte, lasse sich ein Abgleiten der jungen Leute in die rechte Szene vorbeugen. Für eines ihrer Projekte bekam die Forschungsstelle kürzlich knapp 900.000 Euro von Europäischer Union und Bund.

Adelheid Schmitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin, ist von Anfang an dabei gewesen. "Eigentlich ist die Forschungsstelle aus einem studentischen Projekt zu Friedenspolitik entstanden", sagt Schmitz, die damals ebenfalls Studentin war. "Mitte der 80er Jahre kam der Neonazismus wieder auf. Wir wollten dagegen anarbeiten und haben begonnen, Material für die politische Bildung zu erstellen." So fing es an — und die Arbeit ist geblieben.

Rechte Parteien verstärken Aktivität

"Man merkt deutlich, dass die rechten Parteien und Vereinigungen vor den Kommunalwahlen ihre Aktivität verstärkt haben", sagt Adelheid Schmitz' Kollege Alexander Häusler. Zwar gälten die Ideale der Partei NPD als ewig gestrig, aber sie hätten viele junge Unterstützer. Diese erreichten sie mit Besuchen von Rechtsrockkonzerten, Teilnahme an Demonstrationen oder Freizeitangeboten für alle gesellschaftlichen Schichten.

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Bei diesen Treffen, aber auch in von den Parteien erstellten Schülerzeitungen werde nicht immer aktiv gegen Ausländer gehetzt, aber das "Deutschsein" als positives Bekenntnis dargestellt. "Parteien wie die NPD oder Pro NRW gehen darüber hinaus gezielt an Schulen, um dort Erstwähler zu werben." Dabei würde zum Beispiel Unmut gegen islamische Migranten — oft Mitschüler — geschürt.

"Es ist wichtig, um diese Agitation zu wissen", so Häusler. "Nur so können wir dagegen arbeiten, können Vereinen oder anderen Gruppen Handlungsvorschläge machen."

Man dürfe keine Leerstellen für die Rechten lassen, betont der Sozialwissenschaftler. "Die anderen Parteien dürfen so genannte Angstthemen wie den Moscheebau in Rath oder Kriminalität nicht von den Rechten besetzen lassen, sondern müssen sie aktiv ansprechen, die Sorgen der Bürger aufnehmen und sich um Lösungen bemühen."

Ebenso legen die Wissenschaftler Wert darauf, junge Wähler zu motivieren, ihre Stimme abzugeben. "So haben die Rechten keine Chance", sagt auch Verena Schäffer. Sie studiert Geschichte und Jüdische Studien an der Heine-Uni und hat ein Praktikum in der Stelle absolviert.

Dort hat sie an der Info-Broschüre mitgearbeitet, die die Wissenschaftler zum Wahljahr erstellen. "Mir gefällt der Aktualitätsbezug sehr gut", sagt sie und fügt hinzu: "Außerdem arbeitet man hier zwar wissenschaftlich, aber zugleich informiert man die Öffentlichkeit."

(RP)
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