Falsche Prioritäten und schleppende Planung: Feuerwehr: Kritik an Rathaus wächst

Falsche Prioritäten und schleppende Planung : Feuerwehr: Kritik an Rathaus wächst

Falsche Prioritäten und schleppende Planung werfen Feuerwehrleute der Verwaltung vor. Die Verzögerung beim Bau des lange geplanten Atemschutzübungszentrums sei nur eines von vielen Beispielen. Stadt und Politik vernachlässigten Sicherheit und Ausbildung.

Die Debatte um den Bau des Atemschutzübungszentrums (AÜZ) lassen Kaspar Hilger Böses ahnen. Es scheint, sagt der Sprecher der Freiwilligen Feuerwehren in Düsseldorf, als habe "16 Jahre nach dem Flughafenbrand in der Politik das Vergessen eingesetzt." Nach dem Brand hatte die Stadt einen "Masterplan Feuerwehr" ausgearbeitet und einiges auch bald umgesetzt. Doch jetzt schleift einiges.

Das AÜZ, seit zehn Jahren geplant, für 2014 versprochen und wegen der Haushaltslage wieder verschoben, ist nicht das einzige Projekt aus dem "Masterplan Feuerwehr", dessen Verwirklichung auf sich warten lässt. So fehlt in vielen Wachen noch immer der vorgeschriebene Schwarz-Weiß-Bereich, sind Sanitäranlagen unzumutbar. Die Hallen der Wache Posener Straße sind marode, ein Gutachter zweifelt an ihrer Standfestigkeit. Die Desinfektionsanlage für die Rettungsdienstfahrzeuge ist nur ein Provisorium.

Wie bei der Wache Oberkassel sind die Fahrzeughallen zu klein, so dass einige Fahrzeuge im Freien stehen müssen. Bei der extremen Kälte im Februar froren die Pumpen. Und in Wersten hat man zwar das Personal verstärkt, aber keine zusätzlichen Schlafräume geschaffen.

Schon im ersten Masterplan war die Errichtung einer Rettungswache im schnell wachsenden Norden der Stadt geplant. Seitdem wird die Baumaßnahme alle paar Jahre für notwendig erklärt. Im Planungsstadium hängen auch gesetzlich vorgeschriebene Projekte für die Freiwillige Feuerwehr.

Die muss sich in Kaiserswerth in der Kfz-Halle umziehen, die Schutzkleidung wird durch Abgase verseucht. Die Unfallkasse hat eine Gesundheitsgefährdung beanstandet. An den Wachen in Unterbach und Kalkum vergammeln die dazu gehörigen Wohnhäuser. Kaspar Hilger weiß, dass nicht alles auf einmal realisierbar ist. "Aber das AÜZ ist unverzichtbar. Es geht da nicht um einen Spielplatz, sondern um die gute Ausbildung und damit auch um Sicherheit."

Zweimal jährlich schreibt das Gesetz Atemschutzübungen für alle aktiven Feuerwehrleute vor. "Allein für die 250 Freiwilligen brauchen wir 20 Übungstermine im Jahr, plus zehn für die Grundausbildung. Ohne die fehlen uns bald die zugelassenen Atemschutzträger." Thorsten Fuchs, bei der Komba-Gewerkschaft für den Fachbereich Feuerwehr zuständig, wirft der Stadt vor, "nicht bedarfsgerecht" zu planen: "Es scheint, als seien für den OB und seinen Baudezernenten Prestigeobjekte wie der Kö-Bogen wichtiger als die Sicherheit der Feuerwehr."

Auch in einigen anderen Ämtern, sagt Fuchs, würde der Baubedarf vernachlässigt. Bei der Feuerwehr, so Hilger, gehe der Sparkurs zulasten der Sicherheit - auch der der Bevölkerung. Nächste Woche wollen die Grünen das Thema im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen beraten. Günter Karen-Jungen will sich notfalls für die außerplanmäßige Finanzierung des AÜZ stark machen. "Erst 2014 mit dem Bau zu beginnen, ist indiskutabel." Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) sieht dazu keine Möglichkeit. Sie hat von der Verwaltung gehört, dass die Feuerwehr auf die Anlagen anderer Wehren zugreifen könne. Doch auch die haben, so Fuchs und Hilger, keine freien Kapazitäten.

(rl)