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Feuerwehr Düsseldorf: Neuer Chef David von der Lieth über seinen Job

Neuer Feuerwehrchef in Düsseldorf : „Wir brauchen dringend mehr Feuerwehrleute“

Ein Jahr war die Feuerwehr ohne Chef, nicht zuletzt, weil es um den jungen Wunschkandidaten des Oberbürgermeisters internen Streit gegeben hatte. Vergangene Woche wurde David von der Lieth nun offiziell zum Branddirektor ernannt. Wir haben ihn im noch spärlich eingerichteten Büro besucht.

Wir führen nicht sehr oft Antritts­interviews mit Feuerwehrchefs.

Von der Lieth Ich auch nicht.

Das letzte liegt 13 Jahre zurück. Und das heutige war eigentlich schon voriges Jahr geplant. Aber erst jetzt hat der Oberbürgermeister Sie zum Leiter der Feuerwehr ernannt. Wann kommt das nächste Antrittsinterview? Sie sind mit 38 Jahren doch nicht im Endamt.

Von der Lieth Ich bin 38, ich habe meinen Traumjob in einer Traumstadt – doch, ich kann mir nichts anderes vorstellen, als Feuerwehrchef in Düsseldorf zu sein. Es sei denn, die Stadt wollte mich irgendwann nicht mehr.

Es hat ja nun in den vergangenen Monaten nicht gerade so ausgesehen, als hätte die Feuerwehr Sie unbedingt gewollt. Es gab sogar Klagen beim Verwaltungsgericht. Wie war das für Sie?

Von der Lieth Das hat schon sehr gekratzt, an mir, am Selbstvertrauen, aber auch am Vertrauen zu dem einen oder anderen Kollegen. Es war keine leichte Zeit.

Gerade sind Sie dabei, sich in den Feuerwachen vorzustellen. Ist das da noch ein Thema?

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Von der Lieth Es gibt Kollegen, die sagen mir, am Ende war‘s ihnen egal, wer Chef wird, Hauptsache, es gibt endlich wieder einen Chef. An den vielen Fragen merkt man auch: Sie sind mit Leib und Seele Feuerwehrleute, die ihren Job machen wollen. Die interessiert viel mehr, wie die Feuerwehr in fünf Jahren aussieht.

Wie sieht sie denn aus?

Von der Lieth In fünf Jahren haben wir unsere Erstangriffsflotte erneuert. Außerdem wird so schnell wie möglich die Schutzkleidung auf den neuesten Standard gebracht. Am liebsten wäre mir natürlich, das bis zu unserem 150-jährigen Bestehen 2022 zu erreichen.

Die neuen Wachen sind dann aber noch nicht fertig?

Von der Lieth Nein, wir haben ja gerade erst angefangen, Grundstücke für die neuen Standorte in Wersten und Kaiserswerth zu suchen.

Über beide Wachen ist lange geredet worden, warum ging das plötzlich so schnell?

Von der Lieth Der Zustand von Wache 7, also Wersten, ist schon seit Langem nicht mehr tragbar. Und eine Sanierung im Bestand ist dort nicht möglich, auch das war lange klar, das wir da in der Pflicht sind. Das gilt ähnlich für Kaiserswerth, wo die Wache mitten im Ort auch verkehrstechnisch sehr ungünstig liegt. Da ist jetzt in die Überlegungen sehr viel Schwung gekommen.

Durch die Beurteilungen der Unternehmensberatung Moonroc, die die Feuerwehr ja sehr genau unter die Lupe genommen hat?

Von der Lieth Ja, da gab es viele Denkanstöße.

Moonroc hat unter anderem auch einen neuen Standort für das Linksrheinische angeregt, damit in Oberkassel das dortige Grundstück der Feuerwache für Wohnungsbau zur Verfügung gestellt werden kann.

Von der Lieth Davor wäre aber eigentlich noch die Wache an der Posener Straße dran, wo die Fahrzeughallen wirklich baufällig sind. Allerdings ist das Grundstück nicht so interessant für den Wohnungsbau.

Was sehen Sie als größte Herausforderung vor sich?

Von der Lieth Eine ist die Besetzung unserer freien Stellen. Wir suchen händeringend Feuerwehrleute. Die größte aber ist eindeutig der Rettungsdienst. Der neue Bedarfsplan ist in Arbeit, er wird dem permanenten Anstieg in dem Bereich Rechnung tragen. Wir müssen zum Beispiel schauen, ob wir Fahrzeuge verlegen, um mehr Platz für den Rettungsdienst zu schaffen. Und wir brauchen zusätzliche Rettungsfahrzeuge.

Es heißt oft, die Zahlen stiegen vor allem, weil immer mehr Leute auch wegen Kleinigkeiten den Rettungsdienst rufen?

Von der Lieth Ich glaube das nicht so ganz. Denn wir transportieren auch immer mehr Menschen ins Krankenhaus, das sind dann definitiv keine Bagatellfälle.Und auch unsere Leitstelle bewertet ja schon am Telefon, ob es sich um eine Bagatelle handelt.

Das heißt, da fährt erst gar keiner hin?

Von der Lieth Doch, natürlich. Weil wir dann helfen, wenn sich jemand nicht selbst helfen kann. Manche Kollegen lachen, wenn jemand anruft, weil er einen Zentimeter Wasser im Keller hat. Ich finde es eher erschreckend, dass die Leute so handlungsunfähig geworden sind. Aber doch, auch da müssen wir hinfahren, nachschauen und helfen. Wir genießen unser hohes Ansehen ja nicht nur, weil wir so toll sind. Sondern, weil die Feuerwehr eben immer da ist, als Garant für Sicherheit.

Bauherren finden die Feuerwehr ja nicht so toll...

Von der Lieth Da treffen mit Bauen und Brandschutz auch zwei Interessen aufeinander, die bisweilen sehr unterschiedlich sind. Aber wir wollen da keine Bremser sein, wir sind Verhandlungspartner, die Dinge möglich machen wollen. Deshalb halten wir uns da auch immer sehr auf dem neuesten Wissensstand. Denn das Baurecht, in dem der Brandschutz ein Bestandteil ist, ist ja kein statisches System.

Sie sind aber auch für Veranstalter ein bisschen der Buhmann geworden, seit die Sicherheitskonzepte Pflicht geworden sind.

Von der Lieth Wir hatten das Thema hier schon lange auf dem Schirm seit dem tödlichen Unfall bei dem Tote-Hosen-Konzert. Spätestens seit der Loveparade-Katastrophe aber ist es wohl für jeden selbstverständlich. Wir müssen uns ja auch ständig auf neue Aspekte einstellen.

Wie meinen Sie das?

Von der Lieth Wir haben als Feuerwehr immer geübt, bei Schadensereignissen mit vielen Verletzten umzugehen. Nach dem Zugunglück in Eschede etwa waren solche Unfälle Standard-Übungsszenario. Und dann kriegen Sie auf einmal einen Anruf, dass das Feuer, das Sie löschen sollen, von jemandem gelegt wurde, der zwei Menschen getötet hat und der vermutlich noch vor Ort ist. Seit diesem Einsatz am Höherweg 2014 haben wir auch so etwas verstärkt geübt – was uns sehr geholfen hat, als im Hauptbahnhof ein Mann mit einer Axt um sich schlug.

Sie haben selbst gesagt, die Feuerwehr kommt zum Helfen. Da ist man auf gewalttätige Angreifer am Einsatzort nicht wirklich vorbereitet – wie bleibt man da handlungsfähig?

Von der Lieth Vor allem dadurch, dass wir wissen, dass die Polizei uns nicht im Stich lässt. Das Verhältnis Feuerwehr und Polizei ist in Düsseldorf sehr eng und sehr gut – und das ist übrigens durch die Zusammenarbeit bei der Sicherung von Veranstaltungen so gewachsen.

Kommen wir noch mal auf Sie zurück. Vor zehn Jahren haben Sie Ihre Ausbildung bei der Feuerwehr Düsseldorf begonnen, jetzt sind Sie der Chef. Manche sagen, Sie hätten das von Anfang an geplant.

Von der Lieth (lacht schallend) Oh nein. Ich hab’ das auch nicht für möglich gehalten. Aber dann passierten ein paar Dinge gleichzeitig, und als es dann möglich wurde, da wollte ich es natürlich auch.

Eines der Dinge war die Ankunft der Flüchtlinge am Fernbahnhof, den Sie gemanagt haben.

Von der Lieth Den ich an der Seite von Miriam Koch betreut habe. Und von vielen vielen anderen Menschen.

Haben Sie damals gedacht, das ist ein Riesending, das ist gut für die Karriere?

Von der Lieth Im Gegenteil. Ich hatte zuerst keine Ahnung, was auf uns zukommt. Ich dachte, da kommen Züge mit vielen Leuten, da brauchen wir ein paar Bierbänke und eine Suppenkanone. Ich war da ganz technokratisch. Dann hab’ ich mir angesehen, wie die Dortmunder das gemacht haben. Handyladestationen, Mutter-Kind-Bereich, Kleiderkammer, Geldwechsel-Möglichkeit. Tja, dann haben wir das eben auch so gemacht. Aber geblieben bin ich aus einem anderen Grund. Da kamen jeden Tag Düsseldorfer an, alle Altersklassen, alle Schichten. Und alle wollten helfen. Die haben sich Tag für Tag in unsere Feuerwehrhierarchie eingeordnet, weil sie helfen wollten. Das hat mich tief beeindruckt. Natürlich auch die Not der Menschen, die da ankamen, teilweise mit nichts als dem, was sie anhatten, manche mit weniger. Aber vor allem die herzliche Hilfsbereitschaft der Düsseldorfer. Darauf kann die Stadt wirklich stolz sein.

Am Ende hat es schon zu Ihrem Aufstieg bei der Feuerwehr beigetragen. Ihr Vorgänger war sehr beliebt. Jedem bei der Feuerwehr war wichtig, was „der Alte“ denkt. Jetzt wird’s wohl lange heißen, was sagt der Neue.

Von der Lieth Das ist mir klar. Aber wichtig ist doch, dass die Kollegen Wert auf meine Meinung legen. Und der Alte bin ich nun mal noch nicht.