Interview mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann: "FDP aus Düsseldorf heraus aufbauen"

Interview mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann : "FDP aus Düsseldorf heraus aufbauen"

Die neue Kreisvorsitzende der Liberalen Marie-Agnes Strack-Zimmermann ist sicher, dass die CDU nur im schwarz-gelben Bündnis erfolgreich sein wird.

Frau Strack-Zimmermann, die Kampfkandidatur zwischen Ihnen und der Kreisvorsitzenden Gisela Piltz blieb aus. Sie haben 69 Prozent bekommen. Weshalb so wenig?

Strack-Zimmermann 22 Prozent der Stimmen waren jene, die Frau Piltz gewählt hätten. Neun Prozent der Wähler haben sich enthalten, waren also unentschlossen. Deshalb ist das Ergebnis völlig okay.

Ist das eine ausreichende Basis für eine neue Parteichefin?

Strack-Zimmermann Natürlich. Es ist deutlich über der absoluten Mehrheit. Der Oberbürgermeister wäre glücklich, wenn er am 25. Mai so ein Ergebnis bekommen würde.

Sie sind Bürgermeisterin und Bundes-Vize der FDP. Weshalb auch noch die Spitze der Kreispartei?

Strack-Zimmermann Weil wir nach der Zäsur bei der Bundestagswahl und dem Ausscheiden der FDP aus dem Berliner Parlament in Düsseldorf nicht weitermachen können wie bisher. Zu einem Neuanfang gehören auch andere Gesichter.

Die Stimmung im Kreisverband war in den vergangenen Wochen und Monaten kämpferisch. Ist solch ein Manöver klug so kurz vor Wahlen?

Strack-Zimmermann Es war der richtige Zeitpunkt. Denn noch mal: Jene, die in Berlin Verantwortung hatten, müssen sich nicht nur in Düsseldorf, sondern in allen anderen Kreisverbänden fragen lassen, ob es nicht Zeit ist, mal eine Pause einzulegen.

Wie wollen Sie verhindern, dass die Partei jetzt in zwei Lager zerfällt?

Strack-Zimmermann Diejenigen, die sich auf dem Parteitag für Frau Piltz ausgesprochen haben, haben versichert, dass sie mit uns an einem Strang ziehen wollen. Insofern bin ich zuversichtlich. Hätte ich nicht gewonnen, hätte ich mich genauso eingereiht. Es ist nicht unanständig, sondern demokratisch, für den Parteivorsitz zu kandidieren.

Gisela Piltz hat die Partei zehn Jahre geführt. Was macht Sie unzufrieden?

Strack-Zimmermann Unzufrieden ist das falsche Wort. Ich respektiere die Arbeit von Frau Piltz. Sie muss jetzt Verantwortung übernehmen — wie alle, die an exponierter Stelle tätig sind.

Es gibt nicht viele Frauen in politischen Führungspositionen. Ist es nicht schade, dass es jetzt darum ging: Frau oder Frau?

Strack-Zimmermann Die Frage, wer eine Partei führt, sollte nicht vom Geschlecht abhängig gemacht werden. Dennoch brauchen wir mehr Führungs-Frauen. Mit unserer neuen Schriftführerin Kerstin Treiber sind wir auf dem richtigen Weg, junge, engagierte Frauen in Verantwortung zu holen.

Gisela Piltz ist als Expertin für Bürgerrechte und Datenschutz bekannt. Werden Sie diese Expertise denn nutzen?

Strack-Zimmermann Alle Mitglieder der FDP, die Fachwissen haben, brauchen wir.

Kritiker fürchten, dass Sie wegen Ihrer vielen Ämter zu wenig Zeit für die Düsseldorfer FDP haben könnten. Was erwidern Sie denen?

Strack-Zimmermann Ich habe Zeit und nehme sie mir auch, um die FDP aus Düsseldorf heraus wieder aufzubauen. Ich habe schließlich kein Mandat in Berlin, sondern ein Ehrenamt in Düsseldorf. Das ist mit dem Kreisvorsitz gut zu vereinbaren.

Der FDP-Ehrenvorsitzende Burkhard Hirsch hat gefordert, Sie sollten sich auf den Bundes-Vizeposten konzentrieren und nicht als Kreisvorsitzende Ihre Position stärken ...

Strack-Zimmermann Herr Hirsch ist ein erfahrener Politiker, der seit 50 Jahren im Geschäft ist. Er weiß, dass ich für den Kreisvorsitz kandidiert habe, um die Partei von unten nach oben zu aktivieren. Mit demselben Anspruch bin ich als Bundes-Vize angetreten. Das ist also kein Widerspruch.

Was werden Sie anders machen als Ihre Vorgängerin?

Strack-Zimmermann Ich werde im Team arbeiten und für gute Laune sorgen. Möchte man erfolgreich sein, muss man auch eine positive Ausstrahlung haben.

Die FDP liegt bundesweit in Umfragen noch immer um die drei Prozent. Wie wollen Sie die Bürger überzeugen, bei der Kommunalwahl doch ihr Kreuz bei der FDP zu machen?

Strack-Zimmermann Wir haben gerade in Düsseldorf bewiesen, wie erfolgreich man mit liberaler und sozialer Politik sein kann. Düsseldorf wäre ohne uns nicht das, was es heute ist. Ich bin überzeugt davon, dass die Bürger das in den vergangenen 15 Jahren gemerkt haben und uns am 25. Mai erneut die Stimme geben werden.

Was werden die drei wichtigsten Themen der FDP im Kommunalwahlkampf sein?

Strack-Zimmermann Dass wir weiter entschuldet bleiben. Dass wir die wirtschaftliche Stärke nutzen, um denen soziale Hilfe zu geben, die sie benötigen. Und dass wir die Menschen in dieser Stadt nach ihrer Fasson und ohne Bevormundung leben lassen.

Wie setzen Sie sich von der CDU ab?

Strack-Zimmermann Wie in all den Jahren auch: Wir sind die Partei der Bürgerrechte, stehen für Innovation und Investition. Trotz aller politischen Gemeinsamkeiten ist klar, dass der Spitzenkandidat der CDU und die Spitzenkandidatin der FDP nicht nur unterschiedlich aussehen, sondern auch unterschiedliche Dynamik haben.

Sie und Ihr Fraktionschef Manfred Neuenhaus gelten als größte Wahlhelfer von OB Dirk Elbers (CDU). Für ihn haben Sie auf eine OB-Kandidatur verzichtet. Wo bleibt da ihr Profil?

Strack-Zimmermann Jede Stimme für den Oberbürgermeister, ist auch eine Stimme für die Erste Bürgermeisterin Strack-Zimmermann. Dirk Elbers ist ein guter OB, eben auch, weil er mit einem starken liberalen Team zusammen arbeitet. Aber wir werben natürlich auch dafür, dass alle anderen Kreuze bei diesen Wahlen bei der FDP gemacht werden.

Der neue CDU-Chef Thomas Jarzombek ist Anhänger von Schwarz-Grün. Fürchten Sie Konkurrenz?

Strack-Zimmermann Nein, Qualität wird sich durchsetzen. Das weiß auch der neue Kreisvorsitzende der CDU. Wenn er weiter ein modernes, soziales Düsseldorf will, kann er nur mit der FDP koalieren. Grüne Politik bedeutet Rückschritt.

Stellen Sie sich vor, es ist der Abend des 25. Mai: Wie hat die FDP abgeschnitten?

Strack-Zimmermann Wir haben ein sehr gutes Ergebnis ...

Welches?

Strack-Zimmermann Ich prognostiziere keine Zahlen, bin aber überzeugt, dass wir auch in den kommenden Jahren weiter gemeinsam mit der CDU und dem Oberbürgermeister für das Wohl dieser Stadt arbeiten werden.

DENISA RICHTERS FÜHRTE DAS INTERVIEW.

(RP)