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Düsseldorf: Familie von Orkan-Opfer fordert Schadenersatz

Düsseldorf : Familie von Orkan-Opfer fordert Schadenersatz

Bei Orkan "Ela" wurde ein vierter Mensch getötet: Er erlag Wochen später seinen Verletzungen. Seine Familie will nun vor Gericht ziehen.

"Ich räume draußen noch den Klapptisch weg, damit nichts passiert." Das waren die letzten Worte, die Alkar Vogel (58) kurz vor dem Orkan "Ela" am 9. Juni 2014 zu seiner Frau sagte. Sekunden später kippte vom Nachbargrundstück eine zentnerschwere Zeder auf den Garten des 58-Jährigen, begrub ihn unter sich und verletzte ihn so schwer, dass er Monate später an den Folgen der Knochenbrüche starb. Doch die Verantwortung dafür will niemand tragen. Der Nachbar verwies auf seine Gebäudehaftpflichtversicherung. Die Versicherung spricht von "höherer Gewalt". Die Witwe (59) des Sturmopfers und der Sohn (30) haben jetzt das Landgericht eingeschaltet.

Was Sylvia Vogel und ihr Sohn Alkar junior durchlitten haben, können sie kaum in Worte fassen. Die Familie hatte am Pfingstmontag im Garten gerade noch gegrillt, als sich der Himmel gegen 21 Uhr verfinsterte und erste Sturmböen über die Stadt jagten. Das war erst der Auftakt zu einem der schlimmsten Stürme, die Düsseldorf je erlebte. 40 000 Bäume wurden durch "Ela" zerstört, die Wiederherstellung des städtischen Grüns wird noch viele Jahre dauern. Einer der Bäume, die von den Naturgewalten zersplittert wurden, fiel genau auf Alkar Vogel, riss auch seinen Sohn um. "Da war auf einmal alles ganz anders", schildert der Junior den schrecklichen Moment, bei dem er eine Schulterverletzung und eine Schnittwunde davontrug. Dass sein Vater viel schlimmer erwischt worden war, habe er "sofort gewusst: Er lag ja da, wo der Klapptisch vorher stand." Fast anderthalb Stunden musste Alkar senior hilflos unter dem Zedernstamm ausharren, bis die Feuerwehr ihn befreit hatte.

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Der 58-Jährige erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma, zwei gebrochene Hals- und einen gebrochenen Brustwirbel. Dass er völlig ausgeheilt heimkehren könnte, hatten Frau und Sohn gehofft. Aber sie mussten befürchten, dass er querschnittsgelähmt bleiben würde. "Wir hatten schon Handwerker hier, um das Haus rollstuhlgerecht umzubauen", so Sylvia Vogel. Doch acht Wochen später ist ihr Ehemann in einer Fachklinik gestorben - an "Multiorganversagen" als Folge der Sturm-Verletzungen.

Der Besitzer des Baumes verwies auf seine Versicherung. Als die Witwe und ihr Sohn den Rechtsanwalt Thomas Stephan hinzuzogen, erfuhr dieser vom Anwalt der Versicherung nur eins: "Bei höherer Gewalt müssen wir nicht haften." Um eine Zivilklage gegen das Unternehmen vorzubereiten, ließ Anwalt Stephan beim Landgericht nun ein Beweisverfahren anlaufen (Details: siehe nebenstehenden Kasten), um wichtige Hinweise zu sichern, bevor alle Spuren der Sturmnacht restlos getilgt sind.

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Dabei befand ein Gutachter: Die 20 Meter hohe Zeder des Nachbarn sei zwar nicht schadhaft oder morsch gewesen, aber weil eine andere Zeder im Garten der Vogels Jahre zuvor gefällt worden war, hätte die des Nachbarn "auf diesen Alleinstand angepasst", also zurückgeschnitten werden müssen. Der Anwalt der Familie Vogel wartet nun auf das Gutachten, um mit der Versicherung des Nachbarn in neue Verhandlungen zu treten. "Wenn das nichts bringt", sagt Jurist Stephan, "legen wir beim Landgericht bis April eine Klage in sechsstelliger Höhe vor."

(RP)