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Elternkolumne: Familie unter sich

Elternkolumne : Familie unter sich

Falls Familien auf Kontakte verzichten sollen, stellt das Eltern und Kinder vor große Herausforderungen

Für Eltern stellt sich gerade vor allem eine Frage: Wie kann man im Bedarfsfall kleine Kinder über einen längeren Zeitraum in den eigenen vier Wänden beschäftigen? Wie hält man sie bei Laune – und sich selbst?

Wie fühlt sich das an, wenn nicht jeden Tag alles schnell, effektiv und praktisch ablaufen muss? Was macht es mit den Kindern und mit der Familie? Mit Urlaub ist das nicht zu vergleichen, sondern ein bislang unbekannter Prozess der erzwungenen Entschleunigung.

Ich stelle es mir so vor, dass man sich – vorausgesetzt, alle sind gesund und man ist nicht gleichzeitig im Homeoffice – in der ersten Zeit den Dingen widmen kann, die im Alltag liegenbleiben. Manche Kinder haben Spaß daran, die Schränke auszumisten („Mama, das brauche ich GAR nicht mehr. Das ist für Babys.“). Wer einen Keller oder eine Garage hat, kann seine Aktivitäten dorthin ausweiten. Das sind ohnehin die Orte, in die viele Familien alte Schätze geräumt haben dürften. Jetzt wäre die Gelegenheit, die seit Jahren nicht genutzten Spielzeuge auszusortieren. Während sich die Zeit dann mehr und mehr dehnt, lassen sich vielleicht auch alte Spiele neu entdecken. Wir sind sowieso gerade in der Uno- und Mensch-ärgere-dich-nicht-Phase. Unsere Kinder können sich zudem lange damit beschäftigen, sich selbst und andere zu schminken und wieder abzuschminken. Kleider werden durchprobiert und die Absatzschuhe auf beeindruckend souveräne Weise vorgeführt.

Dann haben wir vielleicht Lust, mal Brötchen oder Pizza selbst zu backen und beim Fingerfarbenmalen alles vollzuschmieren. Kein Problem – es ist ja genug Zeit vorhanden, alles wieder zu säubern. Und Besuch kommt sowieso nicht.

Alles Technische wird einmal mehr zum Helfer in der Not: Kinderfilme, Kinderserien, Kinderapps, Kinderhörspiele. Beim Hören oder Vorlesen lässt sich basteln, bauen oder konstruieren. Erste Versuche auf dem Klavier können in Muße bestaunt und entwickelt werden („Old McDonald had a farm...“).

Heutzutage ist man ja auch ohne persönlichen Kontakt nicht ohne Sozialkontakte. Kleine Kinder können die einschlägigen Medien zwar noch nicht selbst nutzen. Aber mit Großeltern, Tanten und Onkels oder auch anderen Freunden zu chatten und mit oder ohne Video zu telefonieren, bringt etwas Abwechslung.

Trotz allem – die Zeit dürfte lang werden. Der Reiz, mal zu Hause alles zu machen, was man sonst vor sich herschiebt, nutzt sich irgendwann ab. Schon vor Wochen war ich mir mit anderen Eltern einig: Die wahre Herausforderung würde das erzwungene Zusammenleben auf engem Raum. Wenn Groß oder Klein so seine Launen hat und jedes Familienmitglied der Stimmung der anderen ausgeliefert ist, dürften die Nerven zwischendurch blank liegen.

Solange die Familie gesund bleibt, sollte man sich dennoch glücklich schätzen.Auf ein baldiges Wiedersehen auf den Spielplätzen!

Autor Kerstin Roske wohnt im Düsseldorfer Norden und ist Mutter von zwei Kindern (3 und 6 Jahre alt)