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Düsseldorf: Familie Poensgen pflegt Grabmalkunst

Düsseldorf : Familie Poensgen pflegt Grabmalkunst

Auf dem Nordfriedhof sucht das Gartenamt Paten für alte Familiengräber, die an die Stadt übergeben wurden. Auf dem Millionenhügel stehen die aufwendigen Grabstätten von Familien, die Stadtgeschichte geschrieben haben.

Ein Spaziergang über den Millionenhügel des Nordfriedhofs ist ein Kurztrip in Düsseldorfs Stadtgeschichte. Denn dort befinden sich die großen Grabstätten von Familien, die im 19. Jahrhundert den Grundstein für eine aufstrebende Stadt legten. Während man sonst nur die Namen zu lesen bekommt, die man von Straßenschildern kennt, hatten gestern Journalisten die Gelegenheit, etwas aus der Geschichte einer bekannten Familie erzählt zu bekommen.

Aus München war Michael Niemeyer angereist, ein Mitglied der Familie Poensgen. Seine Mutter Irmgard Niemeyer wurde in der Grabstätte der Familie Poensgen auf dem Millionenhügel bestattet. Das Grabmal mit 21 Grabstellen ist ein echtes Kunstwerk. Obwohl es aus schwarzem Granit gestaltet wurde, strahlt es doch Leichtigkeit und ja fast Heiterkeit aus. Immerhin wurde es auch von einem Architekten geschaffen: Wilhelm Schleicher. Ein Engel in der Mitte der Grabstätte hält lässig eine nach unten hängende Posaune.

Er symbolisiert den Engel des Jüngsten Gerichts, die Posaune die im Tode erlöschende Stimme. Und auch wenn es an diesem Novembermorgen grau, nass und kalt ist, so kommt an diesem Ort nicht die Trostlosigkeit eines gewöhnlichen Friedhofs auf.

Und dass das für die nächsten zehn Jahre auch so bleibt, ist nun gesichert. Niemeyer verlängerte die Nutzungsrechte an der Grabstätte bis 2023 und stellt dessen Pflege sicher. "Das ist ein schönes Beispiel, wir hoffen auf Nachahmer", sagt Gartenamtsleiterin Doris Törkel. Eine andere Möglichkeit ist, für ein Grabmal eine Patenschaft zu übernehmen. Denn durch die Einflüsse der Witterung sind viele als schützenswert eingestufte Kunstdenkmäler in ihrem Bestand bedroht.

Das Grab der Familien Rudolf und Gustav Poensgen ist für Michael Niemeyer die einzige Düsseldorfer Stätte der Familie geblieben. Die beiden Brüder hatten 1860 die Hütten- und Walzwerke von der Eifel nach Düsseldorf-Oberbilk verlegt.

Michael Niemeyer selbst war mit seiner Mutter im Zweiten Weltkrieg vor den Bomben von Berlin nach Düsseldorf geflüchtet. Auf der Jägerhofstraße 7 lebten sie für zwei Jahre im Haus des Großvaters Carl Rudolf. Niemeyer erinnert sich gut daran, wie die Bomben Düsseldorf erreichten und er als Kind "im Schweinsgalopp durch den Hofgarten lief". Er flüchtet mit der Mutter an wechselnde Orte zu Verwandten, um 1945 wieder nach Düsseldorf zurückzukehren. Die Mutter und ihre Schwester bauen dann das Haus des Großvaters wieder auf, dessen oberstes Geschoss verbrannt war.

Als später die Stadt das Haus kaufen wollte, zog die Familie in die Rembrandtstraße. Dort lebte Niemeyer, bis er 1958 am Leibniz-Gymnasium sein Abitur machte. Jedes Jahr kommt der 76-jährige Ingenieur nach Düsseldorf zum Klassentreffen. Bis vor kurzem war sogar noch der Klassenlehrer dabei. Und alle fünf Jahre kommen die jeweils aktuellen Lebensgefährtinnen mit, erzählt Niemeyer vergnügt. Unter den Poensgens gibt es übrigens nicht nur Ingenieure.

Niemeyers Bruder Peter ist Schauspieler. Das Künstlerische war immer Teil der Familie. Seine Großmutter Klara hat sich für die Künste starkgemacht und das Schauspielhaus gefördert. Auch der Rochus Club und das Eisstadion wurde mit Unterstützung von Poensgens geschaffen. Der Großvater Carl Rudolf trat 1933 auf Druck der Nazis von seinem Amt als IHK-Präsident zurück.

(RP)