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Düsseldorf: Falken sollen Kö-Papageien verjagen

Düsseldorf : Falken sollen Kö-Papageien verjagen

Die Halsbandsittiche auf der Königsallee machen viel Dreck. Deswegen will die Interessengemeinschaft Kö sie vertreiben lassen - mit Hilfe von Greifvögeln. Doch Tierschützer sind dagegen.

Kein Tier polarisiert die Düsseldorfer so sehr wie der Halsbandsittich. Einerseits niedlicher Vogel, der es zum Werbeträger für die Königsallee gebracht hat, andererseits für viele Anlieger und Besucher der Straße eine Plage. "Die Population hat stark zugenommen, und entsprechend haben sich die Probleme mit der Verschmutzung an der Kö extrem verschärft", sagt Hans Meijers, neuer Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Kö, in der nahezu alle Einzelhändler und Gastronomen der Straße vereint sind.

Sittiche mit Greifvögeln verjagen?

Um das Problem zu lösen, hat Meijers eine neue Idee. "Ich habe gehört, dass man die Tiere durch den Einsatz von Greifvögeln durch Falkner vergrämen könnte", sagt er. "Wir wollen die Vögel, die ja bei vielen Menschen große Emotionen auslösen, keineswegs bekämpfen. Es geht darum, dass sie von der Kö etwa in den Hofgarten umziehen." Alle Debatten darüber, wie man die Sittiche von der Kö vertreiben könnte, sind bislang ins Leere gelaufen. So wurde vor Jahren über eine Vergrämung mit Wasserstrahlen oder einer bestimmten Beleuchtung diskutiert.

Experten bestätigen, dass Meijers Idee funktionieren kann. "Ob unsere Greifvögel die Sittiche auch schlagen würden, ist nicht sicher. Eine Vergrämung durch Falken ist aber durchaus möglich. Bei Stadttauben haben wir damit bereits große Erfolge", sagt Joachim Ruscher, Ordenskanzler und damit Geschäftsführer des Ordens deutscher Falkoniere. Dazu würden keine Falken im engeren Sinne, sondern vor allem speziell ausgebildete Beizvögel wie Amerikanische Wüstenbussarde oder der heimische Habicht eingesetzt, sagt Ruscher.

Erfahrungen mit solchen Aktionen hat der Kölner Lothar Ciesilski. Er ist im Hauptberuf Falkner und wird oft von Firmen engagiert, um Tauben aus Fabrikhallen zu vertreiben. Auch am Düsseldorfer Flughafen arbeiten Falkner mit Greifvögeln erfolgreich gegen den für Jets gefährlichen Vogelschlag. "Es ist nicht so, dass unsere Falken die Halsbandsittiche fangen oder gar fressen würden. Eine dauerhafte Vergrämung ist aber durchaus möglich", sagt der Profi-Falkner.

Die intelligenten Sittiche würden durch die Greifvögel in Stress oder Angst versetzt und sich bereits nach kurzer Zeit einen anderen Schlafplatz suchen, sagt Ciesilski. Wichtig sei dabei die Kontinuität. "Anfangs müsste man täglich oder alle zwei, drei Tage für mehrere Stunden mit Falken an der Kö präsent sein, damit die Vergrämung funktioniert." Nach ein paar Wochen reiche aber eine sporadische Anwesenheit. Erste Erfolge stellten sich schon binnen kürzester Zeit ein.

Dabei hält sich der finanzielle Aufwand sogar in Grenzen. Hauptberufliche Falkner nehmen Stundensätze von 30 bis 40 Euro plus Anfahrt, ähnlich wie bei Handwerkern üblich.

Tierschutzverein ist dagegen

Monika Piasetzky, Vorsitzende des Düsseldorfer Tierschutzvereins, ist gegen die Vertreibung der Sittiche durch Greifvögel. Ob die Falken Papageien schlügen, wisse sie nicht. Aber sie glaubt nicht an die Wirkung. "Die Papageien suchen sich ja nicht den Platz, den wir uns wünschen. Wenn sie an der Kö vertrieben werden, ziehen sie vielleicht zur Breite Straße oder in die Carlstadt", sagt Piasetzky. Dann gebe es die Probleme mit dem Dreck dort.

Unterdessen setzt die IG Kö auch auf konventionelle Maßnahmen. Mit der Awista hat sich Meijers darauf verständigt, den Reinigungsintervall im betroffenen Bereich zu verkürzen. Die Kosten übernehmen die Kö-Händler.

(tb.)