1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

Düsseldorfer Facebook-Gruppe: Fahrer des blauen Vans will "Nettwerk"-Hetzer verklagen

Düsseldorfer Facebook-Gruppe : Fahrer des blauen Vans will "Nettwerk"-Hetzer verklagen

Im Fall eines zu Unrecht als Kinderschänder beschuldigten Mannes sehen die Betreiber der Facebook-Gruppe die Schuld nicht bei sich. Auf der Seite wurden Namen und Fotos des Mannes veröffentlicht.

65.000 Mitglieder zählt die Facebook-Gruppe "Nettwerk". Die Austauschplattform für viele Düsseldorfer wird nach Aussage ihres Gründers Phil Daub von drei Menschen betreut, sogenannten Administratoren. Vergangene Woche wurde in der Gruppe gegen den 50-jährigen Martin Rath Stimmung gemacht, der bei einer Polizeikontrolle beobachtet und daraufhin zu unrecht als pädophil bezeichnet wurde. Sogar die Düsseldorfer Polizei kritisierte die massiven Vorverurteilungen.

Daub sagt, dass er und seine zwei Kolleginnen keine Schuld trügen. Dennoch räumt er ein, dass die Gruppe dringend mehr Administratoren brauche, um bedenkliche oder sogar strafbare Kommentare entfernen zu können. In dem bislang noch ungeklärten Fall, in dem ein Junge von einem Mann in einem blauen Lieferwagen angesprochen worden sein soll, hat die Polizei indes noch keine Spur.

"Wir machen das alle nebenberuflich und müssten Leute einstellen, um die dutzenden Anfragen und Meldungen der Nutzer schnell genug bearbeiten zu können", sagt Daub. Vorwürfe von Nutzern, dass er und seine Kolleginnen zu spät reagiert hätten, findet er daher "ungerecht". Mehr Mithelfer würden eine Kommerzialisierung der Gruppe voraussetzen, die erst in der Planung ist. Zwar meldeten sich Helfer freiwillig, die würden aber die Arbeit eines ehrenamtlichen Administrators unterschätzen.

Martin Rath sieht die Schuld aufseiten der Nettwerk-Betreiber. "Bei so einer großen Gruppe bräuchten sie 15 bis 20 Moderatoren", sagt der selbstständige Raumausstatter. Er selbst betreibe seit Jahren zwei Facebook-Seiten, die bei 2000 Gruppenmitgliedern schon fünf Administratoren hätten. "Die Nettwerk-Admins sind dazu verpflichtet, Beleidigungen und Anschuldigungen zu löschen", sagt Rath.

Gegen die drei Betreiber der Seite erhebt er schwere Vorwürfe, er glaubt nicht, dass sie die über ihn veröffentlichten Informationen einfach übersehen hätten. Eine der Nettwerk-Moderatorinnen, Kirsten Olsen, habe laut Rath in den Kommentaren des mittlerweile gelöschten Posts sogar geschrieben, dass sie den Beitrag nicht löschen wolle. Olsen dementiert das, sie habe den Post "grenzwertig" gefunden, aber zunächst keinen Grund für eine Löschung gesehen. Den Hergang bezeichnet sie als "unglücklichen Zufall", einen Fehler könne sie nicht eingestehen.

Sobald Rath genügend Screenshots und andere Beweise der Hetz-Posts gesammelt habe, will er klagen. Dass das seinen Ruf wiederherstellen wird, glaubt er nicht.

(sg/bur)