Musik aus Düsseldorf „In meinen Songs ist kein Platz für Häme“

Düsseldorf · Pop-Queen Shakira rechnete kürzlich in einem Rache-Song mit ihrem Ex-Partner ab. Andere Liebeslieder rühren dagegen zu Tränen. Wir haben mit zwei Düsseldorfer Sängern über ihre Musik und über Emotionen gesprochen.

 Fabian Saller auf dem Cover zu seinem neuen Song.

Fabian Saller auf dem Cover zu seinem neuen Song.

Foto: Henning Wentzien

Fabian Saller war sieben Jahre alt und wohnte in Wipperfürth, als er seine erste eigene Kassette aufnahm. „Die habe ich damals meinen Eltern vorgespielt“, erzählt er. Heute lebt der 25-Jährige in Düsseldorf, ist Berufsmusiker und sein Song „Knocked Out For Good“ wurde mehr als 64.000 Mal bei Spotify gestreamt. In dem Lied gehe es um das Gefühl, „schockverliebt“ zu sein und um ein erstes Kennenlernen zweier Menschen. „Now Im overwhelmed, Im scared as hell, trembling cause you’re standing there crushing my world“, singt Saller. Das Lied über das überwältigende und gleichzeitig auch beängstigende Gefühl, wenn eine sehr besondere Person ins eigene Leben tritt, sei bisher eines seiner wenigen echten Liebeslieder. „Ich bin seit fünf Jahren in einer liebevollen Beziehung und absolut glücklich“, erklärt Saller. „Dramatik habe ich nicht.“

Die Musik des Düsseldorfers ist inspiriert von Jazz- und Soul-Einflüssen. „Aber im Herzen bin ich Popmusiker“, sagt er selbst. In die Landeshauptstadt gezogen ist er fürs Studium und hat mittlerweile einen Master-Abschluss in Psychologie. Zwar liegt sein Hauptaugenmerk auf der Musik, freiberuflich arbeitet der Pempelforter aber nebenbei als Jugendhelfer. „Ich würde mir nie anmaßen, eine fremde Geschichte zu übernehmen“, sagt er. Dennoch seien seine dortige Arbeit und generell die Begegnungen mit Menschen Inspirationen für seine Songtexte. „Ich erlebe Freude und Leid und manchmal setze ich mich nach einem langen Tag sofort zu Hause hin und schreibe“, so Saller. In seinen Liedern beschäftigt er sich auch mit den „Gefühlen seiner Generation.“ „Ich fühle mich auf der Kippe zwischen Jugend und Erwachsenenwerden – eine Zeit, die enorm bewegt“, sagt der Musiker.

Aktuell pendelt er oft von Düsseldorf nach Berlin, wo er neue Songs aufnimmt. Kommenden Samstag erscheint mit „Lost & falling“ ein neues Stück. In dem Lied geht es um toxische Beziehungen. Ein Rache-Song, in dem er mit Ex-Partnern abrechnet, so wie ihn die weltberühmte kolumbianische Popsängerin Shakira kürzlich veröffentlicht hat, kommt für ihn übrigens nicht infrage. „Ich kann über so vieles schreiben, das liebevoller ist“, sagt er. Auch wenn er Shakira ihr Leid nicht absprechen wolle, erklärt er: „Ich habe in meinen Songs keinen Platz für Häme.“

Anders als Fabian Saller schreibt Musiker Fabian Haupt, der ebenfalls in Düsseldorf wohnt, seine Lieder auf Deutsch. „Weil ich auf Deutsch schreibe, bin ich immer sehr ehrlich und sehr tief, das hängt damit zusammen, wie genau man alles beschreibt“, so der Musiker. „Ich mache das gerne so, dass es auch mehrere Interpretationen gibt.“ Seine Begeisterung für Musik hat er mit fünf Jahren entdeckt.

Egal, ob positiv oder negativ: Emotionen dürfen in seinen Liedern nicht fehlen. „Ohne Emotionen ist es für mich sehr schwer, Lieder zu schreiben – da müssen Trauer, Wut, Liebe oder Freude rein.“ So singt er in „Fühlt sich richtig an“: „Was auch immer war, du warst immer da und hast mich aufgefangen; Und jetzt liege ich in deiner Hand und es fühlt sich richtig an“ – positive Worte an eine besondere Person? Die genaue Interpretation ist offen.

Generell zeigt er eher positive als negative Emotionen in seinen Liedern, weil er „eher der positive Typ“ sei. „Auch wenn sie nachdenklich sind, enden meine Texte so, dass es sich zum Guten wendet.“ Seine Musikrichtung beschreibt er selbst als Jubelpop. Mit Musik möchte er Positivität verbreiten und Menschen verbinden. Sein erstes Album „Wiedersehen“ ist im Februar erschienen.

Es sei jedes Mal wieder überwältigend, wenn Menschen bei Konzerten die Texte mitsingen: „Es ist ein krasses Gefühl, wenn die Lieder mitgesungen werden. Wenn die Emotion, die im Song verpackt ist, übergesprungen ist und die Menschen aus innerer Seele unaufgefordert mitsingen, ist das sehr schön.“ Dann sei sein Ziel erreicht.

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