Konsequenzen aus Studie: Experten streiten über Rad-Boom

Konsequenzen aus Studie: Experten streiten über Rad-Boom

Eine Landesstudie hat ergeben, dass 35 Prozent mehr Menschen in der Landeshauptstadt mit dem Rad zur Arbeit fahren. Verkehrs-Experten ziehen daraus unterschiedliche Konsequenzen: Die einen fordern mehr von den Radfahrern, die anderen wollen ihnen mehr bieten.

Dass es in Düsseldorf einen Trend zum Radfahren gibt, darüber sind sich Michael Schreckenberg, Kai Lenßen und Iko Tönjes noch einig, kurz danach trennen sich ihre Ansichten aber. Wie die Landeshauptstadt oder ihre Einwohner auf den statistisch nachgewiesenen Boom reagieren sollten, darüber haben die Verkehrsexperten unterschiedliche Ansichten. Schreckenberg, in Düsseldorf geborener Professor für Transport und Verkehr, fordert eine bessere Ausbildung und stärkere Überwachung der Radfahrer. Tönjes von der Düsseldorfer Abteilung des Verkehrsclub Deutschland (VCD) schlägt Radachsen, die in die Stadt führen, Psychologe Lenßen sagt, der Autoverkehr müsse Platz für Radfahrer machen.

Verstöße gegen Verkehrsregeln

Der Landesbetrieb Information und Technik hatte in einer Erhebung, an der sich etwa jeder hundertste Haushalt in NRW beteiligt hat, ermittelt, dass 2008 rund 35 Prozent mehr Berufstätige den Arbeitsweg mit dem Rad oder zu Fuß zurücklegten als noch im Jahr 2000. Damit nimmt Düsseldorf nun einen Spitzenplatz im Land ein.

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Verkehrs-Forscher Schreckenberg plädiert dafür, die Radler weit weg von den Autos zu halten. Eine Studie des Auto Club Europa (ACE) habe gezeigt, dass sich Radfahrer kaum an die Verkehrsregeln hielten. Besonders an Stoppschildern und roten Ampeln komme es massiv zu Regelverstößen. Deshalb sollten die verschiedenen Verkehrsarten so wenig Punkte wie möglich haben, an denen sie aufeinandertreffen. Wenn es mehr Radwege gebe, müssten die Einhaltung der Regeln deshalb besser überwacht werden. Zudem müsse die Ausbildung der Radler besser werden. Gegenwärtig gebe es nur eine Prüfung in der Grundschule.

Tönjes vom VCD hofft, dass die Stadt mehr tut, um den Trend zum Rad zu verstärken, indem sie sichere und komfortablere Radwege auf den Hauptstrecken zwischen den Stadtteilen baut. Dies können echte Radstraßen parallel zu den Hauptstraßen sein oder Radstreifen an den großen Achsen. "Da muss man sich dann an einzelnen Stellen angucken, ob nicht auch mal ein paar Parkplätze für einen Radweg weichen können", sagt der VCD-Vorstand. Entscheidend sei, dass das Rad bei den Entscheidungen nicht mehr die zweite Geige spiele.

Psychologe Lenßen erläuterte auf RP-Anfrage, dass ein sicheres Gefühl der Fahrer entscheidend fürs Umsteigen aufs Rad ausschlaggebend sei. Dies wiederum erfordere ausreichend Raum für die Radfahrer und eine deutliche Trennung ihrer Wege zu den Fahrspuren der Autos. "Wir sollten die Autofahrer da nicht unterschätzen. Sie sind zu mehr Eingeständnissen bereit als man denkt, man muss ihnen nur eine für alle gerechte Lösung vorstellen, sagt Lenßen.

(RP)
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