Rund um Kö-Bogen in Düsseldorf: Experten kritisieren Pläne für die City

Rund um Kö-Bogen in Düsseldorf: Experten kritisieren Pläne für die City

Die Libeskind-Bauten sind fast fertig, jetzt geht um die Errichtung weiterer Gebäude an der Schadowstraße und am Gustaf-Gründgens-Platz. Fachleute des IHK-Arbeitskreises Immobilienwirtschaft möchten die Planung ändern.

Führende Architekten, Vermarkter und Handelsexperten sind mit den Plänen für die weitere Entwicklung der Innenstadt nicht einverstanden. Sie sprechen von kleinen Bauten, die nur schwer zu vermarkten seien und sich auch nicht für den Wohnungsbau eigneten. Hintergrund: Nach der Eröffnung der neuen Gebäude von Daniel Libeskind auf dem ehemaligen Jan-Wellem-Platz geht es jetzt um die Frage, wie es am Ende der Schadowstraße und auf der Route des abgerissenen Tausendfüßlers weitergehen soll.

Hierfür gab es einen Wettbewerb, den der Architekt Pablo Molestina und der Grünplaner Thomas Fenner gewannen. Der Entwurf sieht eine Allee vor, die von der Johanneskirche bis zum Hofgarten reicht. Gleich vier neue Baufelder sind am Ende der Schadowstraße und am Gustaf-Gründgens-Platz vorgesehen. Im Sommer meldete OB Dirk Elbers nach ersten Bürgerprotesten Bedenken gegen das städtische Baufeld direkt am Dreischeibenhaus an. Nun haben Mitglieder des Arbeitskreises Immobilienwirtschaft der Industrie- und Handelskammer (IHK) in ihrer jüngsten Sitzung weitere Fragezeichen an den übrigen Baufeldern angebracht:

Schadowstraße Der Architekt Matthias Pfeifer, Geschäftsführender Gesellschafter des Büros RKW, ist Vorsitzender des IHK-Kreises. Er lobt zwar, dass die übliche Düsseldorfer Blockbebauung an der Schadowstraße fortgesetzt wird. "Aber das ist kein Block, das sind nur Häuser, die zehn Prozent eines üblichen Düsseldorfer Blocks ausmachen."

Die Wege zwischen den Gebäuden schafften Problemzonen und Nachteile für die Gebäude selbst. Laut Marcel Abel, Niederlassungsleiter des Maklers Jones Lang LaSalle, "entstehen bei Umsetzung der Pläne nur zur Schadowstraße gute Lagen. Zum Schauspielhaus jedoch wird es lediglich 1b-Lagen geben, die vielleicht noch an Drogeriemärkte vermietet werden können." Sein Kollege Jens Reich, Geschäftsführer des Maklers Anteon, sieht es ähnlich, lobt aber die Einfassung des Platzes durch die Bauten.

Alternativen Aktuell läuft ein Umlegungsverfahren. Die Stadt verhandelt mit den Eigentümern, um Grundstücksgrenzen zu ändern und den Siegerentwurf überhaupt umsetzen zu können. Große Eigentümer sind die Development Partner, denen jetzt zudem die Tiefgarage unter dem Gründgens-Platz gehört, und Centrum Immobilien. Hinzu kommen ein Privatmann, eine Erbengemeinschaft und die Stadt selbst. Abel fordert, man solle "die Stopp-Taste drücken, damit aus dem Geburtsfehler keine Zangengeburt wird. Den Druck haben wir doch gar nicht nötig."

  • Fotos : Bauboom rund um den Kö-Bogen in Düsseldorf
  • Fotos : Promi-Party bei Breuninger im Kö-Bogen

Gunter Köhnlein, Architekt und Projektleiter bei Development Partner, sieht die Chance, zumindest die beiden mittleren Baufelder zusammenzufassen. Ulrich Biedendorf, IHK-Geschäftsführer für Handel, geht jedoch weiter. "Wir haben schon bei der Bauleitplanung ausgeführt, dass wir einen großen Baublock besser fänden als drei kleine."

Perspektiven Die IHK sieht die Chance, dort ein weiteres größeres Shopping-Angebot aus einem Guss zu schaffen. "Das wäre eine weitere Steigerung der Attraktivität Düsseldorfs. Solche Angebote ziehen die Menschen an. Wir sind an dieser Stelle so zentral, besser geht es nicht." Biedendorf hat Ausgänge zur Schadowstraße vor Augen, aber auch im spitzen Winkel in Richtung Breuninger, so dass ein Rundlauf entstehen könnte. "Wenn wir schon wegen des freien Blicks auf Dreischeiben- und Schauspielhaus das städtische Baufeld infrage stellen, warum nicht die übrigen drei, um eine bessere Lösung für den Handel zu schaffen?"

Städtebau Architekt Pfeifer appelliert angesichts dieser Diskussion, nicht wesentliche städtebauliche Funktionen zu vergessen. Wie der Schadow-Platz zeige, sei die Einfassung durch Gebäude entscheidend für einen Platz. Nahezu alle Teilnehmer des IHK-Kreises sprachen sich zudem als Schlusspunkt der Berliner Allee für ein Wohnhochhaus an der Tuchtinsel aus.

RP-Diskussion Die Lokalredaktion der Rheinischen Post diskutiert über die Zukunft der Innenstadt mit Fachleuten und Politikern am 19. November im Max-Haus. Über die Kartenvergabe informieren wir in Kürze.

(RP)
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