Experte spricht im Wehrhahn-Prozess: Täter wollte töten

Experte spricht vor Gericht: Düsseldorfer Wehrhahn-Attentäter wollte wohl töten

18 Jahre nach Bomben-Anschlag in Düsseldorf: Auftakt im Wehrhahn-Prozess

Der Wehrhahn-Bomber wollte offenbar unbedingt töten. Das hat am Donnerstag ein Experte vor Gericht erklärt. Nur ein Zufall verhinderte das Schlimmste.

Auch andere, grausige Details wurden am fünften Prozesstag vor dem Landgericht bekannt. Stille herrschte im Gerichtssaal, als dort das "Asservat 725" präsentiert wurde: Die schwer deformierten Geländergitter vom Anschlagsort am S-Bahnhof Wehrhahn zeugen noch heute überdeutlich von der verheerenden Wucht der Detonation.

Ein Polizist, der als Sprengstoffspezialist den Anschlag und dessen Spuren untersucht hatte, sagte als Zeuge aus: Die wohl selbst gebastelte, insgesamt laienhaft gefertigte Rohrbombe war etwa zehn Zentimeter lang, bei einem Durchmesser von sechs Zentimetern. Sie war mit 250 bis 300 Gramm TNT-Sprengstoff gefüllt und trug an der Außenhülle noch zusätzliche Einkerbungen, um bei der Explosion dann eine Art Schrapnellwirkung zu entfalten.

Experte: Täter wollte töten

Verletzungen der Opfer waren dem Täter demnach wohl nicht genug. Doch eine ungewollte Verunreinigung von 1,7 Prozent des Sprengstoffs, die durch chemische Reaktion bei unsachgemäßer Lagerung von altem TNT entsteht, verhinderte, dass die Explosion noch viel schlimmere Folgen hatte. Beweisfotos von Bombensplittern, die ebenfalls im Gerichtssaal gezeigt wurden, machten klar, wie verheerend die teils konfettigroßen Metallteile damals auch so schon gewirkt hatten.

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Einige Splitter waren "in einer Handtasche" gesichert worden, andere mussten aus den Körpern von Anschlagsopfern "operativ entfernt" werden, um jetzt als Beweisstücke im Indizienprozess vorgelegt zu werden. Was von diesen Details auf den Angeklagten hinweist und was nicht - das will die Staatsanwaltschaft in den nächsten Prozesstagen durch weitere Zeugen verdeutlichen.

Widersprüche beim Angeklagten

Sicher als Schwindler überführt wurde der Angeklagte nun aber durch eine Sozialarbeiterin aus der U-Haft. Dort will sich der 51-Jährige nach eigener Version fast täglich mit ihr über den Wehrhahn-Anschlag unterhalten haben - und darüber, wie der angeblich völlig haltlose Verdacht sein Leben zerstöre. Als Zeugin bestätigte die Frau, dass der 51-Jährige täglich bei ihr gewesen sei. Aber nur, um familienrechtliche Fragen rund um seine Kinder zu klären. Vom Wehrhahn-Anschlag habe der 51-Jährige angeblich nie ein Wort erwähnt. In einer Woche geht sein Prozess weiter.

Das Attentat hatte im Juli 2000 Düsseldorf und den Rest der Bundesrepublik entsetzt. Aus einer Gruppe von zwölf meist jüdischen Sprachschülern waren zehn Personen teils schwer verletzt worden, eine Frau verlor ihr ungeborenes Baby. Ein nach mehr als 17 Jahren dafür nun angeklagter Ex-Soldat (51) hatte seit Prozessbeginn den Vorwurf des zwölffachen Mordversuchs aber zurückgewiesen. Doch mit jedem Prozesstag wächst nun die Zahl der Widersprüche in seinen Aussagen und die Kette der Indizien.

(wuk)