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Pro-Erdogan-Demo in Düsseldorf: "Europas Türken stehen hinter dir"

Pro-Erdogan-Demo in Düsseldorf : "Europas Türken stehen hinter dir"

Pro Erdogan Demo in Düsseldorf

Die Groß-Demo für den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan im Rheinpark verlief ohne besondere Zwischenfälle. Teilweise glich die Veranstaltung sogar einem großen Familienfest. Nur mit türkischen Fahnen halt.

Nurten ist der Ansicht, dass ganz Aschaffenburg hier ist. Mit drei Bussen seien sie gekommen, sagt die 15-Jährige, die Familie, und natürlich auch ihre Freundinnen sind dabei. Seymanur, die ebenfalls 15 ist, und Yasemin, 21, haben Fahnen und ein Spruchband, das dem türkischen Premier Mut zusprechen soll. Ja, sie glauben an Recep Tayyip Erdogan, und dieser Glaube hat für einen Deutschen etwas sehr Fanatisches, Kultisches, Seltsames. Die "Anderen" — die Gegner Erdogans, von denen sich laut Polizeiangaben 400 auf dem Burgplatz getroffen haben — beleidigen ihn, sagt Nurten, ein anderes Benehmen sollten sie sich zunächst mal zulegen.

Sie schaut entschlossen, Benehmen ist ihr wichtig, traditionell seien sie alle, sagen die Mädchen, von denen keine ein Kopftuch trägt. Eine Gruppe von Erdogan-Gegner kommt vorbei, für einen Moment sieht es aus, als ob es Ärger geben könnte, doch es kommt nur zu ein paar wechselseitigen Beschimpfungen. Die Mädchen verstehen sich als Türken, auch wenn sie die deutsche Staatsangehörigkeit haben, in Deutschland geboren sind. "Es spielt doch keine Rolle, welche Staatsangehörigkeit man hat", sagt Nurten, wichtig sei, was man im Herzen fühle.

Keine Leidenschaft für Deutschland

Vielleicht nimmt man das mit, von diesem Tag im Rheinpark mit 20 000 türkischstämmigen, in Deutschland lebenden Migranten, die mit rund 250 Bussen in die Landeshauptstadt gebracht wurden. Sie hüllen sich in türkische Fahnen, rufen "Türkiye, Türkiye" — für das Land, in dem sie leben, für Deutschland, hegen sie keine Leidenschaft. Ugur Isilak ist gerade aufgetreten, ein Sänger, der in der Türkei ein Star ist, aber eigentlich aus Velbert kommt. Besonders bei den jungen Türken, — und es sind sehr viele junge Menschen unter den Demonstranten, war das der Höhepunkt der Veranstaltung.

Sie decken sich an den zahlreichen Ständen mit Pide, Ayran oder schlicht mit Wasser ein, sitzen nun im Schatten der Bäume und hören den politischen Reden zu. Durchhalteparolen, mit viel Pathos wird Zusammenhalt eingefordert, immer wieder brandet Jubel auf. Das alles passiert natürlich auf Türkisch, Deutsch sprechen die Menschen höchstens untereinander. Viele Schilder richten sich direkt an Erdogan: "Bleibe aufrecht! Beuge dich nicht! Die europäischen Türken stehen hinter dir" ein Schild zeigt Erdogan als Engel, ein anderes ist auf Deutsch: "Deutsche Lügenmedien ARD und ZDF".

Irfan Kasikci ist aus Tübingen nach Düsseldorf gekommen, seine Familie sitzt um ihn herum, sie sind müde, seit sechs Uhr auf den Beinen. Er lobt Erdogan als einen, der das Land nach vorne gebracht, den Konflikt mit Kurden und Armeniern bereinigt, ein Sozialsystem eingeführt, Straßen gebaut habe. Erdogan sei Opfer einer Verschwörung von Militär und dem Westen. Der Westen darf durchaus als das Land verstanden werden, in das er in den Siebzigern kam, in dem seine Kinder aufgewachsen sind, in dem er als Fliesenleger seine Familie ernährt. Kasikci ist ein freundlicher Mann, da ist kein Eifer in ihm.

Ob er sich für die deutsche Politik genau so interessiert? Er lächelt. Nein. Am Abend wird Erdogan per Live-Bild aus der Türkei zugeschaltet. Viele, die sich zuletzt von der Sonne in den Schatten zurückgezogen hatten, nehmen ihre Fahnen noch einmal auf, laufen in Richtung Leinwand, um dem Ministerpräsidenten zuzuhören. Die Übertragung ist mies, doch das macht nichts. Die Bilder wirken: Erdogan sitzt im Hemd vor der Kamera, er lächelt viel, wie der erfreute Vater, der seine Kinder wieder sieht. Er bedankt sich bei allen, er sieht gerührt aus. Und im Rheinpark rufen sie seinen Namen.

Die Rede endet plötzlich, das Bild ist weg, die Leute gehen nach Hause. Es war ein Ausflug, sagt einer. Einer, der wichtig war, auch wegen des Gemeinschaftsgefühls. Auf der Straße hupen die Autos zum Abschied. Die Busse warten schon.

(RP)