Düsseldorf: Es klingt so schön am Rhein

Düsseldorf: Es klingt so schön am Rhein

Wenn Timon Karl Kaleyta auf dem Balkon steht, sieht er seine Stadt. Der Sänger der Elektro-Pop-Band "Susanne Blech" wohnt in Derendorf, ziemlich weit oben. An seinem Horizont klebt der Fernsehturm.

Wenn Timon Karl Kaleyta auf dem Balkon steht, sieht er seine Stadt. Der Sänger der Elektro-Pop-Band "Susanne Blech" wohnt in Derendorf, ziemlich weit oben. An seinem Horizont klebt der Fernsehturm.

Der Songwriter Stefan Honig hat sich jahrelang „hochgespielt“. Seine Ausdauer zahlte sich nun aus. Foto: dominik pietsch

Kaleyta könnte auch auf einen anderen Fernsehturm gucken, in einer anderen großen Stadt. Aber der Sänger will nicht nach Berlin, an den Ort, den viele für Deutschlands Musikhochburg halten. "Ich mag Düsseldorf über die Maßen auf fast schon verklärende Weise. Wie man nach Berlin ziehen kann, das habe ich bislang noch nicht nachvollziehen können. Oder sagen wir es so, vielleicht habe ich auch einfach Angst davor, dass dort alle so sind wie ich."

Kaleyta fühlt sich wohl in Düsseldorf. Wie so viele Nachwuchskünstler, die derzeit von hier ihren Weg in die Charts starten. Und es schaffen. Zurzeit ist Düsseldorf, die Stadt von Kraftwerk und den Toten Hosen, die Stadt in der Marius Müller Westernhagen groß geworden ist, wieder einmal die Stadt in Deutschland für junge Musiker und Bands auf dem Sprung.

"Auffällig ist die Bandbreite der Düsseldorfer Musikszene", sagt etwa Hauke Schmidt von der Arbeitsgemeinschaft New Düsseldorf Pop. "Jahrelang gab es in der Stadt das große Jammern, hier würde nichts passieren. Aber die Gegebenheiten sind besser als ihr Ruf. Wir haben viele Clubs, die junge Künstler unterstützen, die von dort den Sprung ins große Geschäft schaffen können." Susanne Blechs Geschichte zumindest untermauert die These.

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Die 2002 gegründete sechsköpfige Gruppe (letztes Album: "Triumph der Maschine") hat gerade bei Four Artist einen Vertrag unterschrieben und wird auf der Sommer-Tournee der Fantastischen Vier als Vorband auftreten: "Die Gruppe ist kantig, nicht glatt", sagt Stephan Henkel, Booking-Manager bei Four Artist Berlin. "Wir bekommen rund 100 Anfragen von Bands pro Tag. Susanne Blech haben wir sofort nach Berlin eingeladen."

Das prominenteste Beispiel im Moment für erfolgreiche Musikprojekte aus Düsseldorf: Farid Bang & Kollegah, ebenfalls aus Derendorf, die es mit Rap an die Spitze der Charts schafften. Und auch im subkulturellen Bereich feiert Düsseldorf Erfolge.

Die Alternativ-Rock-Band Liquid Lightning wurden als erste Düsseldorfer Gruppe mit 10 000 Euro durch das städtische Förderprogramm zur Bandprofessionalisierung unterstützt. Callejon, eine fünfköpfige Metalcore-Band, belegte 2012 mit ihrem Album "Blitzkreuz" Platz 9 der Charts. Die Ska- und Punk-Band Broilers ist mittlerweile beim Toten-Hosen-Label "JKP" unter Vertrag und spielte im Dezember an zwei Abenden hintereinander in der ausverkauften Mitsubishi-Electric-Halle vor insgesamt 15 000 Zuschauern.

Und Singer-Songwriter Stefan Honig hat sich gerade mit Tingeln durch die Republik einen Vertrag bei "Grand Hotel van Cleef"-Booking gesichert, einer Agentur, die auch Tomte und KettKettcar betreuen. Lena Steeg

(RP/ila/top)
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