Menschen aus Düsseldorf Der Watch Club

Düsseldorf · Die Brüder Martin und Markus Schäfer sind fasziniert von mechanischen Armbanduhren – und haben einen Club gegründet. Schnell fanden sich Gleichgesinnte, die diese Leidenschaft teilen und zu der Community gehören wollten.

 Martin (l.) und Markus Schäfer lieben mechanisch aufwendige Armbanduhren. Die Treffen des Watch-Clubs finden meistens in der Altstadt statt.

Martin (l.) und Markus Schäfer lieben mechanisch aufwendige Armbanduhren. Die Treffen des Watch-Clubs finden meistens in der Altstadt statt.

Foto: Marc Ingel

Es gibt ja Menschen mit ziemlich ausgefallenen, bisweilen bizarren Hobbys. Die beiden Brüder Martin und Markus Schäfer haben auch ein Hobby, besser eine Leidenschaft, die aber gar nicht so skurril ist, dafür im wahrsten Sinne des Wortes aus der Zeit fällt: Sie mögen Uhren, genauer Armbanduhren. Wer damit in Zeiten von multifunktionalen Smartphones, die einem eben auch die Tageszeit auf dem Display mitteilen, nicht mehr so viel anfangen kann: Es handelt sich dabei quasi um Schmuckstücke, die man am Handgelenk trägt, und die tatsächlich nur diese eine wirkliche Funktion haben. Ja, klar, so nebenbei kann man sie in der Regel auch als Stoppuhr benutzen, das Datum wird ebenfalls angezeigt, eine mögliche Wecker-Funktion wollen wir nicht verschweigen. Aber es sind nun mal zu allerst Zeitmesser.

Aber zurück zu unseren Brüdern: Die sind, seit sie zurückdenken können, fasziniert von der Technik, der Mechanik, dem Kleinteiligen, der filigranen Arbeit, die dahintersteckt, nicht zuletzt dem Traditionellen, das in einer zunehmend digitalen Zeit verloren geht. Und da sie überzeugt waren, dass sie nicht alleine sind mit dieser Einstellung, wollten sie sich einem Club, einer Verbindung, irgendwas in dieser Richtung anschließen, um sich austauschen und diese Leidenschaft mit Gleichgesinnten teilen zu können. „Aber da gab’s nichts, gar nichts, nicht in Düsseldorf, nicht in NRW, nicht einmal in Deutschland“, berichtet Martin. „Also haben wir vor gut anderthalb Jahren den Watch Club gegründet und binnen 24 Stunden einen Internetauftritt zusammengezimmert“, ergänzt Markus. Das Ergebnis: „Wir wurden überhäuft mit Anfragen – aus Hamburg, Frankfurt, Luxemburg, natürlich aus Düsseldorf“, erzählt Martin. „Wir haben da offenbar eine Lücke gefüllt, eine Nische besetzt“, fügt Markus hinzu.

Rund 100 Mitglieder hat der Watch Club inzwischen, auf Insta­gram folgen den Brüdern mehr als 3000 Interessierte, Tendenz rasant ansteigend. Das erste Treffen mit zwölf Teilnehmern ging im Eiskeller in der Altstadt über die Bühne, „das war wie ein Blind Date, wir kannten uns ja alle nicht persönlich“, sagt Martin. Und irgendwie hat man dann ja doch Angst, dass der ein oder andere Freak darunter ist. „Aber wahrscheinlich sind wir halt alle Freaks, deswegen hat das auch sofort alles wunderbar funktioniert“, so Markus.

Martin und Markus Schäfer geht es darum, die Uhren nicht nur im Bild zu sehen, sondern sie anzufassen, zu spüren, das Werk zu hören. Was ihnen und den anderen dagegen weit weniger wichtig erscheint, ist der monetäre Hintergrund. „Wir sind ganz bestimmt keine Rolex-Proleten, die einen auf dicke Hose machen“, sagt Martin – dann schon eher Sammler, wobei beide jeweils nur ein halbes Dutzend Uhren besitzen, deren Wert sich zudem in Grenzen hält. Markus hat immerhin eine, die rund 6000 Euro kosten würde, „als ich sie gekauft habe, war sie aber nur die Hälfte wert“.

Was den Watch Club zusammenhält und immer wieder zusammenbringt, sind regelmäßige Stammtisch-Abende und lockere Treffen, mindestens alle zwei Monate, mittlerweile aber auch öfters. Und es gibt richtige Events mit Juwelieren oder bestimmten Uhrenmarken, wo die Mitglieder dann für Außenstehende womöglich wirklich wie Freaks rüberkommen, wenn sie mit Lampe und Lupe das Uhrwerk inspizieren. „Wer sieht, dass so eine Uhr auf höchstem Niveau aus bis zu 700 Teilen bestehen kann, der lernt auch das Handwerk wertzuschätzen“, erklärt Martin, der sogar selbst einmal an einem Uhrmacherkurs teilgenommen hat. Dass für solche Abende der ein oder andere sogar aus dem Ausland anreist, bestärkt die Brüder, 34 und 37 Jahre alt, in dem Glauben, die richtige Entscheidung mit der Clubgründung getroffen zu haben. Nur Frauen, die sind dabei absolut in der Minderheit. „Die haben ja auch mehr Optionen beim Schmuck“, spekuliert Markus.

Dass Martin und Markus Schäfer nun jeden Morgen vor dem Spiegel grübeln, welche Uhr wohl die richtige für den Tag sein könnte, trifft jedoch nur bedingt zu. „Nicht mehr als eine Minute“, schwört Martin.

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