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Düsseldorfer Kunsthändler: Erster Prozesstag für Helge Achenbach nach sechs Monaten U-Haft

Düsseldorfer Kunsthändler : Erster Prozesstag für Helge Achenbach nach sechs Monaten U-Haft

Die Betrugsvorwürfe gegen ihn wiegen schwer, doch vor Gericht lässt der Düsseldorfer Kunsthändler Helge Achenbach erklären, es habe keinen Schaden gegeben. Die Staatsanwältin spricht hingegen von 23 Millionen Euro. Beobachtungen vom Prozessauftakt in Essen.

Etwas dünner als früher sieht der bekannte Kunstberater Helge Achenbach aus, als er Dienstagfrüh um 9.30 Uhr im Essener Landgericht auf der Anklagebank Platz nimmt. Aber etwas Humor hat er trotz nun sechs Monate dauernder Untersuchungshaft in Essen weiterhin: "Im Moment ja nicht", antwortet er ironisch, als ihm Richter Johannes Hidding fragt, ob seine persönlichen Daten wie Geburtstag (17. April 1952), Familienstand (verheiratet) und eben der Wohnort in Düsseldorf weiter stimmen.

Umso entschiedener geht dann Verteidiger Thomas Elsner in die Offensive. Nachdem Staatsanwältin Valeria Sonntag mehr als 30 Minuten lang minutiös vorgetragen hat, wie Achenbach in 28 Fällen gegenüber seinen Auftraggebern wie speziell dem Ende 2012 verstorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht falsche Beträge abgerechnet haben soll, um seinen Gewinn beim Vermitteln von Kunstwerken und Oldtimern um rund 23 Millionen Euro zu erhöhen, verkündet Elsner, es habe gar keinen Betrug gegeben.

Achenbach habe in allen Fällen günstig für seine Auftraggeber eingekauft. Darum seien immer Preise abgerechnet worden, die dem Marktpreis entsprachen oder sogar darunterlagen. Und weil es angeblich eine Rücknahmegarantie für alle vermittelten Kunstwerke und Autos gegeben habe, hätte erst recht nie ein Schaden entstehen können - und kein Käufer habe je unzufrieden ein Objekt zurückgegeben. Die Details will Achenbach nächsten Montag erläutern: "Ich mache das gerne", sagte der 62-jährige.

Die Attacke von Verteidiger Elsner lässt ein hartes Verfahren erwarten. Zwar fiel auf, dass nicht Achenbach persönlich seine Rechtfertigung vortrug, sondern sein Anwalt - damit kann Achenbach seine Einlassung möglicherweise etwas abmildern. Aber ansonsten ist nun absehbar, dass das Gericht entgegen der bisherigen Planung eine Reihe von Zeugen vorladen muss. Denn auch der mitangeklagte Stefan Horst-hemke leugnete gestern vor Gericht jede Schuld.

So steht Babette Albrecht als Witwe ihres Mannes Berthold bereit, um die vereinbarte Höhe der Provisionen von fünf Prozent des Einkaufspreises bei Kunstwerken und drei Prozent bei Autos zu bestätigen. Achenbach hatte in den Rechnungen für Kunstwerke und Oldtimer auch meist diese Provisionen abgerechnet, doch dann doch mehr kassiert, in dem er zu hohe Kaufpreise angab. So zahlte laut Anklage Berthold Albrecht 4,5 Millionen Euro für ein Bild von Gerhard Richter, das 3,7 Millionen Euro gekostet hatte. Für einen Bentley waren 9,4 Millionen Euro statt 6,5 Millionen Euro abgerechnet worden. Und in manipulierten Rechnungen waren Dollar und Euro getauscht worden, was Achenbach weitere viele hunderttausend Euro brachte.

Verteidiger Elsner stellte nun die Vereinbarung zwischen Achenbach und seinen Kunden so dar, als ob der Kunstberater seine Rechnungen extrem flexibel schreiben durfte, um "den großen Aufwand" zu finanzieren. Die Annahme einer festen Provision sei in einem so komplizierten Geschäft wie dem Kunstmarkt "nicht möglich." Auch angesichts dieser Aussagen wird das Gericht nun wohl den Milliardär Christian Boehringer sowie einen weiteren geschädigten Kunstfreund vorladen: Falls diese mit Achenbach verabredete feste Provisionen bestätigen, die dann aber durch falsche Rechnungen ausgehebelt wurden, wäre das für Achenbachs Verteidigung schwierig. "Der Marktwert der Kaufobjekte spielt keine Rolle bei der Bewertung möglichen Betrugs", sagte Staatsanwältin Sonntag gestern.

Die entscheidende Frage im Verfahren wird sein, ob das Gericht Achenbach glaubt, dass er eine Rücknahmegarantie für alle Kaufobjekte inklusive einer Verzinsung für das Kapital gegeben hat. In den Unterlagen von Albrecht fand sich jedenfalls nach Information unserer Redaktion keine solche Zusage - die Staatsanwaltschaft hält sie wohl für nachträglich erfunden. "Wir werden das im Rahmen der Beweisaufnahme genau klären", sagt Staatsanwältin Sonntag.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Helge Achenbach: Bilder vom Prozessauftakt

(RP)