Düsseldorf: Erste Insolvenz im Mittelstandsmarkt

Düsseldorf : Erste Insolvenz im Mittelstandsmarkt

Mit großen Hoffnungen hatte die Börse Düsseldorf 2011 ein Segment für Anleihen gestartet. Viele Kurse sind inzwischen abgestürzt, der Index fiel von 106 auf 92 Punkte. Anlegerschützer warnen. Börsenchef Elberskirch bleibt optimistisch.

Das Abfall-Verwertungsunternehmen FFK Environment hat einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Damit steht das erste Unternehmen, das eine Anleihe im Segment Mittelstandsmarkt an der Börse Düsseldorf platziert hat, vor dem Ausfall. Bislang waren die 15 Unternehmen, die im Düsseldorfer Mittelstandsindex Mimax notiert sind, von Pleiten verschont geblieben.

FFK hatte Mitte 2011 mit einer Anleihe 16 Millionen Euro einsammeln können, angestrebt waren damals 25 Millionen Euro. Die Anleihe war zwischenzeitlich vom Handel ausgesetzt. Der Kurs des im Mittelstandsmarkt der Börse Düsseldorf gelisteten Papiers war schon vor Bekanntgabe der Insolvenz um mehr als 35 Prozent abgestürzt. An den anderen deutschen Mittelstands-Börsenplätzen sind bereits acht Firmen in die Insolvenz gerutscht, die dort Anleihen emittiert hatten.

Anlegerschützer warnen nun vor einer Zuspitzung im Markt der Mittelstandsanleihen. "Wir sehen im Segment mit den Mittelstandsanleihen Tendenzen wie damals im Neuen Markt", sagt Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). "Viele private Anleger blenden die Risiken der Papiere völlig aus und kaufen alles, was neu auf den Markt kommt", so der Aktionärsschützer.

Die Anleger seien frustriert von den niedrigen Zinsen auf Spar- und Termineinlagen, die de facto unterhalb der Inflation liegen. Tatsächlich sind die Zinsen der Mittelstandsanleihen verlockend. Sie bieten alle einen jährlichen Kupon zwischen sieben und zehn Prozent. "Erst kauften viele Kleinanleger beim Platzen der Dotcom-Blase Aktien, dann Zertifikate bei der Lehman-Pleite. Vor diesen Anlageformen haben sie Angst und stürzen sich auf die vermeintlich sicheren Mittelstandsanleihen", so Bauer. Dabei wüssten die meisten Käufer überhaupt nicht, auf welche Risiken sie sich da einließen. Viele verstünden die Unternehmenskennzahlen nicht. "Wer den Unterschied zwischen Cash Flow und Jahresüberschuss nicht kennt, sollte die Finger lassen von solchen Investments", sagt Bauer. Im Mittelstandssegment seien verstärkt Unternehmen vertreten, die bei der Bank keinen Kredit mehr bekämen, und sich deshalb über Anleihen finanzieren müssten

Dirk Elberskirch, Vorstandsvorsitzender der Düsseldorfer Börse, will den Vergleich mit dem Neuen Markt nicht gelten lassen. "Das hinkt, wir haben hier traditionelle Mittelständler. Es werden nicht bloß Ideen finanziert, wie einst am Neuen Markt geschehen", so Elberskirch. Die Insolvenz eines Marktteilnehmers "kommt in der Wirtschaft nun mal vor".

Viele Anleihen im Mittelstandsmarkt haben in den vergangenen Wochen Federn gelassen. So ist der Düsseldorfer Mittelstandsindex Mimax seit Mitte September von 104 auf 92 Punkte abgestürzt. Vorher hatte er sich lange stabil über der 100-Punkte-Marke gehalten. Laut dem Börsenchef ist der Punktverlust des Mimax aber vor allem auf die geringe Streuung zurückzuführen. Einige wenige Titel hätten durch starke Kursverluste den Index nach unten gezogen. "Ein Großteil der Anleihen notiert heute über dem Ausgabekurs", sagt Elberskirch.

Tatsächlich notieren die Papiere von Underberg, Bastei Lübbe, Hahn-Immobilien, Seidensticker, Valensina und anderen über der Marke von 100 Prozent und damit über dem Ausgabekurs. Sieben Papiere in Düsseldorf aber liegen darunter. Einige extrem, wie die Anleihe von MT-Energie, die gestern um 14 Prozent fiel und nur noch bei 22 Prozentpunkten notiert. Auch die Zamek-Anleihe ist nur noch die Hälfte von dem wert, was bei der Emission gezahlt wurde. Elberskirch aber ist sicher, dass der Mittelstandsmarkt Zukunft hat, vor allem für institutionelle Anleger. Im laufenden Jahr sei in Düsseldorf noch eine weitere Emission geplant.

(RP)
Mehr von RP ONLINE