Düsseldorf Erste Experimente bereits in der Antike

Düsseldorf · Die Geschichte der Tierversuche reicht bis in die Antike zurück, doch erst mit der Zunahme der Versuche ab dem 17. Jahrhundert wuchsen die Diskussionsbereitschaft und der Rechtfertigungszwang.

 Ein französischer Chemiker und Mikrobiologe bei einem Versuch an einem betäubten Hasen im 19. Jahrhundert

Ein französischer Chemiker und Mikrobiologe bei einem Versuch an einem betäubten Hasen im 19. Jahrhundert

Foto: Dpa

Der griechisch-römische Arzt Galenus (129 bis 199 n. Chr.) gewann etwa mit Versuchen an Affen und Hunden grundlegende Erkenntnisse über physiologische Vorgänge, etwa darüber, wie das Herz funktioniert oder die Lungen arbeiten. Gerade während der Renaissance nahm dann das Interesse an anatomischen Studien wieder zu. Um biomedizinische Fragen zu beantworten, wurden allerdings auch mehr Tierversuche vorgenommen.

Damit wuchs der Rechtfertigungszwang: Während der französische Philosoph René Descartes (1596 bis 1650) in Tieren "seelen- und gefühllose Automaten" sah, die dem menschlichen Wohle zu dienen hätten, wurden auch andere Stimmen laut. Anfang des 19. Jahrhunderts gründeten sich erste Bewegungen gegen Tierversuche; parallel dazu nahmen allerdings Experimente zu, weil Tiere inzwischen vor schmerzhaften Eingriffen betäubt werden konnten und die industrielle Herstellung von Impfstoffen und Medikamenten begann. Das erste Tierschutzgesetz wurde 1876 in Großbritannien erlassen.

Ein deutscher Pionier ist Stadtpfarrer Christian Adam Dann (1758-1837), der in seiner Schrift "Bitte der armen Thiere" (1819) im Namen der Tiere darum bat, das "meist kurze, mühevolle Leben erträglich und unseren Tod so leicht wie möglich" zu machen. 1881 schlossen sich die verschiedenen Tierschutzorganisationen zum "Deutschen Tierschutzbund" zusammen. Während des Kaiserreiches versuchten sie vergeblich, die Gesetzgebung zu verbessern. Erst im NS-Regime wurde 1933 ein Erlass unterzeichnet, wonach etwa "Personen, die trotz des Verbotes die Vivisektion veranlassen, durchführen oder sich daran beteiligen, ins Konzentrationslager abgeführt" werden sollten. Die Tierschutzgesetzgebung wurde nach dem Krieg in der BRD und der DDR aufgenommen. Noch heute sind Tierversuche umstritten. Autor Siegfried Lenz bezeichnete sie als "Verachtung der Schöpfung".

(semi)