Urteil in Österreich: Erpresser muss lange ins Gefängnis

Urteil in Österreich : Erpresser muss lange ins Gefängnis

Weil er zwei Firmen erpresste, soll ein Düsseldorfer in Österreich fast sechs Jahre ins Gefängnis. Hinzu kommt noch eine gleich hohe Strafe für die Erpressung des Marmeladen-Herstellers Zentis. Als Motiv gab der 28-jährige Student beim Prozess Mittwoch in Wien Schulden an.

Der Prozess dauerte nur zwei Stunden — dann hatten die Richter des Landesgerichts für Strafsachen in Wien ein Urteil gefunden. Weil er im vergangenen Herbst die beiden österreichischen Lebensmittelkonzerne Manner und Wojnar erpresste, muss der 28-jährige Düsseldorfer Markus R. für fünf Jahre und zehn Monate in Haft. Der Maschinenbau-Student war bereits im Juli 2010 vom Landgericht Aachen für ein fast identisches Delikt zu einer gleich hohen Strafe verurteilt worden. Damals hatte er gestanden, den Marmeladen-Hersteller Zentis erpresst zu haben. Das gestrige Urteil ist einstweilen nicht rechtskräftig. Noch im Gerichtssaal kündigte die Staatsanwaltschaft an, Berufung einzulegen. Sie hatte eine Strafe zwischen sieben und acht Jahren gefordert.

Der deutsche Verteidiger von Markus R., der Aachener Rechtsanwalt Rainer Dietz, war hingegen zufrieden. "Das Urteil ist angemessen", sagte Dietz der Rheinischen Post. Tatsächlich war das Gericht beim Strafmaß im unteren Bereich geblieben. Im schlimmsten Fall hätte Markus R., der überdies von dem österreichischen Star-Anwalt Rudolf Mayer vertreten wurde, für zehn Jahre ins Gefängnis gemusst.

Doch auch so bedeutet das Wiener Urteil einen tiefen Einschnitt im Leben des 28-Jährigen. War er nach dem ersten Verfahren in Aachen gegen Zahlung einer Kaution von 50 000 Euro noch auf freiem Fuß geblieben, um sein Studium fortzusetzen, so muss er nun als Wiederholungstäter auf jeden Fall in Haft. "Ich dachte damals, mein Leben sei faktisch zu Ende", sagte der Düsseldorfer gestern vor Gericht über die Zeit nach der ersten Verurteilung. Der Vater war bei einem Unfall verstorben, die Freundin hatte ihn verlassen, die eigene Wohnung und das Auto waren weg — außer Schulden von rund 70 000 Euro blieb vom einstigen Luxus-Leben, das der Student früher einmal geführt hatte, nichts mehr.

Die Verbindlichkeiten wollte R. durch die neuen Erpressungen los werden. Im Herbst 2010 drohte er dem Süßwaren-Produzenten Manner und später auch der Feinkost-Firma Wojnar, Produkte der Unternehmen in Supermärkten zu vergiften. Die Firmen sollten insgesamt 350 000 Euro zahlen. "Er ging nach Österreich, weil er glaubte, dort nicht so schnell wie in Deutschland entdeckt zu werden", sagte Rechtsanwalt Dietz. Wie ernst es dem Düsseldorfer mit den Erpressungen war, zeigte sich, als in mehreren Tiroler Geschäften vergiftete Süßwaren gefunden wurden. Der österreichischen Polizei gelang es erst nach einer groß angelegten Suche, den Studenten im Oktober in der Nähe von Innsbruck festzunehmen.

Die Mutter von Markus R. nahm an der gestrigen Verhandlung nicht teil. "Sie steht zwar weiter zu ihrem einzigen Kind. Sie ist aber extrem enttäuscht von ihm und mit ihren Kräften am Ende", berichtete Rechtsanwalt Dietz. Sollte das Urteil vom Oberlandesgericht Wien als zweiter Instanz bestätigt werden, könnte R. nach Verbüßen der Hälfte der Strafe nach Deutschland abgeschoben werden. Dort hat er dann die Haftstrafe aus dem Zentis-Verfahren anzutreten, die frühestens nach zwei Dritteln zur Bewährung ausgesetzt werden könnte. Insgesamt muss Markus R. für die von ihm begangenen Taten also mindestens sechs Jahre und drei Monate ins Gefängnis.