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Düsseldorf: Erneut Durchsuchung bei Achenbach

Düsseldorf : Erneut Durchsuchung bei Achenbach

Die Kripo Essen ließ gestern ein Lager des Kunstberaters im Hafen durchsuchen. Insider glauben, dass es bei der Anzeige wegen Betruges um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag geht. Anfang Juli darf Achenbach Besuch empfangen.

Mit einer weiteren Durchsuchung einer von Helge Achenbach genutzten Immobilie (ein Lagerhaus im Hafen) hat die Kripo Essen gestern versucht, Material zu finden, das den Fall Achenbach klären könnte. Ob dabei Brauchbares gefunden wurde, ist nicht bekannt. Vor Tagen waren bereits das Wohnhaus und die Büros des Kunstberaters durchsucht worden.

Wie berichtet, sitzt Achenbach seit dem 10. Juni in der Essener JVA in Untersuchungshaft und wird dort vorläufig auch noch bleiben. Die Aldi-Erbin Babette Albrecht hat ihm Betrug vorgeworfen und angezeigt. Offenbar wogen die Vorwürfe schwer genug und es gab ausreichend Verdachtsmomente für einen Haftbefehl.

 Kunstberater Helge Achenbach nutzt eine Immobilie im hafen, die jetzt von der Kripo Essen durchsucht wurde - wie zuvor schon sein Wohnhaus und Büros.
Kunstberater Helge Achenbach nutzt eine Immobilie im hafen, die jetzt von der Kripo Essen durchsucht wurde - wie zuvor schon sein Wohnhaus und Büros. Foto: Schaller,Bernd

Der Vorwurf: Helge Achenbach soll, so die Anzeige, "nicht abgesprochene Preisaufschläge" umgesetzt haben, als er dem Aldi-Miteigner Berthold Albrecht über mehrere Jahre rund 50 Kunstwerke und eine nicht näher bekannte Anzahl von Oldtimern verkauft oder vermittelt hat. Die Familie bestreitet die Vorwürfe und betont, Achenbach sei mit Berthold Albrecht, der 2012 starb, sogar eng befreundet gewesen, sämtliche verkauften Werke und Oldtimer hätten ihre Werte in den letzten Jahren jeweils vervielfacht.

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Kenner des Falles vermuten folgenden Hintergrund für die Anzeige und die Ermittlungen: Nach dem Tod von Berthold Albrecht vor zwei Jahren wurde zur Feststellung der Höhe der Erbschaftssteuer für seine Witwe Babette auch die Kunstsammlung des Essener Kaufmanns begutachtet. Dabei ist dann festgestellt worden, dass die Einschätzung der Gutachter nicht mit dem Preis übereinstimmten, den Achenbach von Albrecht kassiert hat. Wie es zu dieser Differenz kommen kann, und ob die Tatsache an sich überhaupt ein Hinweis auf eine Straftat ist, bleibt offen. Gängiges Zitat in der Kunsthändler-Branche: "Ein Werk ist das wert, was ein Narr dafür zu zahlen bereit ist." In Justizkreisen heißt es, in der Anzeige sei von einem hohen zweistelligen Millionenbetrag die Rede, der ungerechtfertigt kassiert worden ist. Das Ergebnis der erneuten Werteinschätzung wird allerdings mit einiger Skepsis gesehen, weil Babette Albrecht es in Auftrag gegeben habe und sie als Erbin großes Interesse an einem nicht so hohen Wert der Stücke hat - die Erbschaftssteuer würde entsprechend niedriger veranschlagt.

Achenbachs Rechtsberater sind erfahrene Anwälte für Delikte aus dem Bereich Wirtschaftskriminalität. Die an der Wasserstraße sitzende Sozietät hat bereits Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann beraten, kümmert sich derzeit um den Formel-I-Boss Bernie Ecclestone und ist bekannt dafür, knifflige Fälle zu übernehmen. Zum Fall Achenbach lehnte man mit Hinweis auf das laufende Verfahren jeden Kommentar ab. Als sicher gilt aber, dass man schnell eine Haftprüfung beantragen oder sogar Haftbeschwerde einlegen will. Die Entscheidung ist aber noch nicht gefallen. Offenbar wird nicht mit einer baldigen Freilassung Achenbachs gerechnet. Für Anfang Juli ist ein erster privater Besuchstermin genehmigt, bis dahin bleibt er isoliert.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kunstberater und Ex-Fortuna-Präsident: Das ist Helge Achenbach

(RP)