Lorettostraße: Entspanntes Leben auf der Lo

Lorettostraße: Entspanntes Leben auf der Lo

Schöne Altbauten, hohe Bäume, und ein Einkaufsangebot, das alles abdeckt: Wer auf der Lorettostraße wohnt, hat vieles richtig gemacht. Sie ist ein quirliger Mikrokosmos, der keine Arcaden fürchten muss.

Läge die Lorettostraße in der Wüste, würden es die Anwohner womöglich gar nicht merken. Denn in dem quirligen Mikrokosmos zwischen Bilker Kirche und Polizeipräsidium gibt es nichts, das es nicht gibt. Wer sich ins innerstädtische Getümmel stürzt, um einzukaufen, ist selbst schuld. "Warum soll ich mir den Stress antun, wenn ich hier alles bekomme?", sagt Mirjam Rubia, überzeugte Unterbilkerin von Geburt an.

"Küsse keine Tanten"

Tatsächlich gibt es auf der Lorettostraße das komplette Rund-um-sorglos-Paket: Arzt, Apotheker, Bäcker, Blumenladen, Bank, Boutiquen, Frisör, Fotoladen, Möbelgeschäft, Reinigung, Restaurants, Supermarkt, Sonnenstudio, Weinhändler, Werkstatt. "So ziemlich alles von Schlüpfer bis Schraubenschlüssel", fasst es Simone Lerch lachend zusammen. Sie ist Mitinhaberin des Textilgeschäfts "Romantiklabor", und steht damit für eine weitere Qualität der Straße: Individualität. Filialen großer Ketten sind Mangelware, stattdessen behaupten sich unabhängige Einzelhändler wie sie. Entsprechend ausgefallen ist das Angebot. Babystrampler mit der Aufschrift "Küsse keine Tanten" oder "Kriegs und Frieden" haben zwar ihren Preis, aber auch Originalität.

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Bernd Hülsmann, seit 14 Jahren Besitzer des Bilker Weinhauses, findet das richtig. "Wenn wir nicht von den Bilker Arcaden erdrückt werden wollen, müssen wir uns abheben", sagt der 56-Jährige. Früher sei die Lorettostraße eine dieser austauschbaren Einkaufstraßen gewesen. Doch seit einigen Jahren beobachte er einen Wandel. "Der Hafen hat viele kreative Leute angezogen. Auf diese Kundschaft haben sich die Anlieger eingestellt."

Doch ist es nicht nur das vielfältige Einkaufsangebot, das die Straße ausmacht. Wer vor einem Café sitzt und sich umsieht, blickt auf eine Allee, die aus pastellfarbenen Altbauten mit liebevoll verzierten Erkern besteht. Viele Anwohner sind per Du und halten ein Pläuschchen, wenn sie sich treffen. "Es ist wie ein kleines Dorf. Jeder kennt jeden", schwärmt Christina Manassini, Betreiberin des Kostas-Grills. Und trotz der erhöhten Mietpreise brauche keiner zu fürchten, die Lorettostraße mutiere zur Yuppie-Meile. "Das hier ist Spießer-freie Zone", bestätigt Mirjam Rubia,. Schließlich ist auch das noch "Lo", wie sie Kenner liebevoll nennen: Discounter und die Eckkneipe "Zum Dröje".

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