Wirtschaft: Entsetzen in der Eon-Zentrale

Wirtschaft : Entsetzen in der Eon-Zentrale

Der Eon-Konzern will im Rahmen des Sparprogramms "Eon 2.0" in der Zentrale in Düsseldorf bis zu 50 Prozent der Stellen abbauen. 400 Mitarbeiter fürchten um ihre Jobs, Kündigungen sind möglich. Der Konzern müsse Ballast abwerfen, meint der Umbau-Beuaftragte Bernhard Reutersberg.

Die Mitarbeiter in der Düsseldorfer Eon-Zentrale sind geschockt: Der Energiekonzern treibt den Stellenabbau auch am Rhein massiver voran, als viele erwartet hatten. "Nach dem derzeitigen Stand der Vorüberlegungen sollen 40 bis 50 Prozent der Arbeitsplätze in der Konzernleitung entfallen", teilte Bernhard Reutersberg, der mit dem Umbau beauftragte Eon-Vorstand, den Beschäftigten gestern per Mail mit. Die Zahl ergäbe sich aus dem Vergleich mit der Aufstellung vergleichbarerer Konzernzentralen, die bei ähnlichen Steueruungsaufgaben deutlich weniger Mitarbeiter hätten als Eon, hieß es in der Mail, die unserer Zeitung vorliegt (Grafik). Am Tag zuvor waren viele von den Chefs informiert worden.

Die Mitarbeiter der Konzernleitung sitzen im wesentlichen in Düsseldorf. Hier sind nun bis zu 400 der 800 Stellen bedroht. Der größte deutsche Energiekonzern hatte vor wenigen Wochen angekündigt, 9000 bis 11000 seiner weltweit 85.000 Arbeitsplätze abzubauen. "Eon 2.0" nennt der Vorstand das Abbauprogramm nun und beginnt bei der Konzernleitung.

Ob der Stellenabbau in Düsseldorf über betriebsbedingte Kündigungen, Fluktuation, Abfindungen oder Versetzungen erfolgt, ist offen. Eon-Chef Johannes Teyssen hatte Kündigungen ausdrücklich nicht ausgeschlossen. "Wie dieses Ziel erreicht werden kann, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Hierzu werden von uns in den den nächsten Wochen Maßnahmen ausgearbeitet", teilte Reutersberg den Mitarbeitern mit. Er betonte, Eon werde weiter eng mit dem Betriebsrat zusammenarbeiten. "Wir sind uns unserer sozialen Verantwortung mehr als bewusst."

Der Betriebsrat ist gleichwohl entsetzt. "Aus unserer Sicht ist es nicht akzeptabel, nur auf den Vergleich mit anderen Konzernzentralen aufzubauen", heißt es in einem Schreiben an die Mitarbeiter. Zudem habe der Vorstand doch erst vor kurzem die Zentrale in Düsseldorf gestärkt. Der Vorstand verstärke nur die Verunsicherung der Mitarbeiter, indem er ein Ziel nenne, aber nichts über den Weg dorthin sage.

Für Empörung sorgt auch eine Videobotschaft, mit der sich Reutersberg unlängst an die Mitarbeiter gewandt hatte. "Bei der Administration gibt es Hinweise darauf, dass wir zu viel an Kapazitäten vorhalten, zu viel an Ballast haben", hatte Reutersberg zur Beschreibung der Eon-Strukturen gesagt. Die Belegschaft bezieht diesen Satz auf sich: "Als Ballast lassen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht bezeichnen", sagte Konzernbetriebsrats-Chef Hans Prüfer unserer Zeitung.

Neben der Zentrale sitzen in Düsseldorf auch die Eon-Töchter Climate & Renewabels (Erneuerbare Energien) und die Handelstochter Eon Energy Trading. Letztere soll mit dem Gashandel von Ruhrgas (Essen) zusammengelegt werden. Wo das welche Stellen kostet, ist noch offen. In Gewerkschaftskreisen wird erwartet, dass dies vor allem Essen treffen wird. In Vorbereitung auf die Fusion der Handelstöchter macht Eon nun Ruhrgas-Chef Klaus Schäfer zusätzlich zum Chef von Energy Trading.

Auch für München, wo Eon Energie, die Steuerung der regionalen Stromerzeuger, sitzt, wird ein massiver Abbau erwartet. Hier gehen jetzt zwei Vorstände: Hartmut Geldmacher und Dierk Paskert — "in bestem Einvernehmen", wie Eon mitteilte. Sie sollen aber auch den Kurs von Teyssen nicht mitgetragen haben, heißt es im Konzern.

(RP/jul)
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