Düsseldorf: "Elternteil 2" statt "Mutter"

Düsseldorf : "Elternteil 2" statt "Mutter"

Lesben und Schwule fordern eine geschlechtsneutrale Sprache.

Das Forum Düsseldorfer Lesben-, Schwulen- und Transgruppen fordert von der Verwaltung die Fortentwicklung einer sogenannten gendergerechten, also geschlechtsneutralen Sprache in amtlichen Formularen. Im Gleichstellungsausschuss des Rates sagte Christian Naumann, der dort für das Forum spricht, gestern: "Wir wollen, dass in Vordrucken die Worte Mutter und Vater durch die Angabe Elternteil 1 und Elternteil 2 ersetzt werden." Dies sei der Vielfalt der heutigen Familienstrukturen geschuldet und verhindere die Diskriminierung andersartiger Familienmodelle. "Es gibt Kinder, die wachsen heute bei Mutter und Mutter oder bei Vater und Vater auf."

Naumann und seine Mitstreiterin Eva Bujny nehmen seit der letzten Kommunalwahl als Sachverständige an den Sitzungen des Gremiums teil. Sie sollen vor allem Sprachrohr der sexuellen Minderheiten sein. Zu ihren wichtigsten Anliegen zählt die weitere Umsetzung der Gender-Gerechtigkeit, also die Tilgung aller auf das Geschlecht bezogenen Unterschiede.

"Diversity", englisch für Vielfalt/Verschiedenheit, war denn auch der rote Faden der gestrigen Sitzung. Susanne Hildebrandt von der "Koordinierungsstelle für die Belange von Lesben, Schwulen und Transidenten" der Stadt Dortmund stellte die Arbeit ihres Büros vor. In der anschließenden Debatte kam unter anderem das Verfahren bei der Geburt eines Kindes zur Sprache. Auch hier sei die Angabe "Junge" oder "Mädchen" problematisch. "Es gibt Neugeborene, denen kein Geschlecht eindeutig zugeordnet werden kann", bemerkte eine Diskutantin. Ebenfalls ein Thema: die Verwendung von Unterstrichen und Sternchen in städtischen Dokumenten, die gedruckt oder digital verbreitet werden. Gender-Aktivisten wollen damit jedwede auf ein Geschlecht bezogene Kennzeichnung möglichst vermeiden. Düsseldorfs Gleichstellungsbeauftragte Elisabeth Wilfart wollte wissen, ob Dortmund Unterstiche bereits anwende. "Ich nutze den Unterstrich, aber außer mir macht es noch kein anderer", sagte Hildebrandt.

Grünen-Ratsfrau Angela Hebeler wies auf die Probleme sogenannter "Regenbogenfamilien", also von Familien mit gleichgeschlechtlichen Elternteilen, bei der Adoption hin. Viele der Betroffenen hätten den Eindruck, dass sie beim Jugendamt nicht so gerne gesehen seien wie andere Familien. Bujny regte an, in Düsseldorf künftig an bestimmten Tagen stadtweit die Regenbogenflagge zu hissen: "Ich würde mir das beispielsweise am CSD, dem Christopher Street Day, sowie am 17. Mai, dem internationalen Tag gegen Homophobie, und am ersten Sonntag im Mai, dem Tag der Regenbogenfamilien, wünschen."

(RP)
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