Elternbesuchtsdienst in Düsseldorf

Jugendamt in Düsseldorf : Wenn der Elternbesuchsdienst vor der Tür steht

Seit zehn Jahren gibt es das Düsseldorfer Team des Jugendamtes. Bisher wurden rund 16.000 Erstgeborene und ihre Familien besucht. Es gibt immer noch die Annahme, ganz nebenbei werde auch die Wohnung inspiziert. Doch diese Sorge ist unbegründet.

Tom ist ganz entspannt. Er lächelt, guckt neugierig und gluckst zufrieden in seinem Hochstühlchen. Na klar, klärt Mama Linda Lewalder (33) den Besuch auf. Er sei ja auch gerade satt, da sei er stets gut gelaunt. An diesem Mittag sitzt auch Claudia Bläsen mit am Esstisch der geräumigen Wohnküche in Unterbilk. Die gelernte Erzieherin ist Mitarbeiterin des städtischen Elternbesuchsdiensts. Sie schaut bei jungen Familien vorbei. Vier bis fünf können es bei den Vollzeitkräften des Dienstes pro Tag schon mal sein. Linda Lewalder hat Claudia Bläsen erwartet. Sie hat viele Fragen und, weil es ja Mittag ist, eine große Schüssel Salat gemacht.

Mit dabei hat Claudia Bläsen das kleine Willkommenspaket. Darin sind viele Info-Broschüren, ein T-Shirt in Größe 52 mit dem Aufschrift Düssel Baby, ein Greifring, ein Gutschein fürs Babyschwimmen ­ und kleine Söckchen, selbstgestrickte. „Es gibt eine Gruppe ehrenamtlicher Strickerinnen und Stricker, die das eigens machen.“ Der Söckchen-Kreis hat einiges zu tun. Fast 2000 Paar werden benötigt.

Eltern von Erstgeborenen haben meist automatisch ein Schreiben des Elternbesuchsdiensts im Briefkasten. Sofern das Jugendamt von der Geburt erfährt. Nur manche Familien können nicht erreicht werden, weil sie um- oder gerade erst zugezogen sind. In dem Schreiben ist immer bereits ein Termin genannt, wann der Dienst mal vorbeischauen möchte. Die Eltern können natürlich auch anrufen, um einen anderen Termin auszumachen ­ oder um abzusagen. Hört der Besuchsdienst so gar nichts, schellen die Mitarbeiterinnen irgendwann einfach. Es sei zwar selten, komme aber vor, dass der Dienst dann noch abgewiesen wird. „Das kann natürlich jeder für sich entscheiden. Es ist ja nur ein Angebot des Jugendamts“, sagt Claudia Bläsen.

Aber es gebe immer noch dieses Gerücht, das sich recht hartnäckig halte. Deshalb will Claudia Bläsen klargestellt wissen: „Es ist keine Kontrolle, wir inspizieren nicht die Wohnung, wir schauen nicht in die Töpfe und ins Kinderzimmer.“ Es sei denn, es gibt Fragen. „Ansonsten informieren wir nur, über all das, was es für junge Familien in Düsseldorf gibt.“ Und wenn es sich zeitlich und personell einrichten lässt, dann würden auch solche Eltern beraten, die schon ein Kind haben, denen sich aber immer noch Fragen stellen.

Für Linda Lewalder und Ehemann Christian Arzt (35) –­ beide haben nach der Hochzeit ihre Nachnamen behalten ­ – war gleich klar: Sie wollten den Besuchsdienst auf jeden Fall in Anspruch nehmen. Vieles, sagt die 33-Jährige, habe sie schlichtweg nicht gewusst und nennt ein eher banales Beispiel: Wo sind in der Nähe Spielplätze? Als Berufstätige ohne Kind habe man dafür einfach kein Auge, auch wenn sie mit Familien-Hündin Kira, einer sechsjährigen Münsterländerin, viel unterwegs sei. Oder wo werden welche Kurse für Mütter oder Väter und Kind angeboten? Und wenn man in der Stadt unterwegs ist: Wo finde ich einen ruhigen Platz zum Stillen oder zum Wickeln? Der Elternbesuchsdienst führt auch solche Listen.

Und noch etwas, sagt die junge Mutter, habe sie an dem Besuchsdienst und dem persönlichen Kontakt schätzen gelernt. „Die Qualität der Beratung.“ Natürlich, so Linda Lewalder, lasse sich vieles auch im Netz finden und nachlesen. Aber manches bliebe dann vage, einiges sei gar widersprüchlich. Und dies betreffe auch eine der drängendsten Fragen, die junge Eltern haben: Wie finde ich den passenden Betreuungsplatz? Die 33-Jährige ist studierte Ingenieurin für Elektro-Technik, hat Karriere gemacht, arbeitet heute bei Mitsubishi-Electric. In ihren Beruf will sie selbstverständlich wieder zurück, sie ist derzeit lediglich in Elternzeit. Auch Mann Christian, von Beruf Finanzwirt, nimmt insgesamt zwei Monate diese Auszeit.

In gut einem Jahr möchte Linda Lewalder wieder arbeiten gehen. Dank des Besuchsdiensts weiß sie nun, wie sie sich um Plätze bemühen kann, ist angemeldet im Kita-Navigator. „Die Betreuung“, sagt Claudia Bläsen, die selbst einen zweijährigen Sohn hat, „ist für viele Eltern entscheidend.“ Erst danach gehe es um Baby-Kurse oder Ernährungsfragen. Viele Einrichtungen habe sie angeschrieben, sagt Linda Lewalder, Kitas wie Tagespflege. Gehört aber habe sie bisher nichts. Keine Absage, aber auch keine Zusage. Es bleibe ja weiterhin Zeit. Noch sei sie ganz entspannt.

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