Düsseldorf: "Eltern-Taxis" sorgen für Ärger vor den Schulen

Düsseldorf : "Eltern-Taxis" sorgen für Ärger vor den Schulen

In Düsseldorf wächst der Widerstand gegen die ausufernde Gewohnheit vieler Eltern, ihre Kinder zur Schule zu bringen und möglichst am Eingang abzusetzen. Denn der morgendliche Bring-Dienst ist oft gefährlich. Nun werden Lösungen gesucht.

Weil die meisten Schulzufahrten für einen solchen Andrang nicht gerüstet sind, kommt es oft zu gefährlichen Situationen. In Düsseldorf ist das Problem jetzt mehr denn je im Fokus, weil sich die Beschwerden häufen. Andere Kinder werden durch riskante Fahrmanöver vor den Schulen massiv gefährdet, Eltern in Zeitnot ignorieren die Regeln und setzen die Unversehrtheit anderer aufs Spiel, sagt die Polizei und kündigt weitere Schwerpunktkontrollen an.

In den Griff bekommt man das Problem damit aber nicht, heißt es im Präsidium. Gemeinsam setzen die Stadt, die Schulen und die Polizei nun auf ein mehrgleisiges Konzept, das einerseits an die Eltern appelliert, die Kinder zu Fuß, per Rad oder per Bus zur Schule kommen zu lassen, das aber andererseits auch die im Auto vorfahrenden Eltern berücksichtigt.

Blome für mehr "Kiss and rise"-Plätze

Die Schulverwaltung unterstützt die Idee, dass die Schüler möglichst früh zu Fuß zur Schule gehen. "Anfänglich mit Unterstützung, später eigenständig", sagt Schuldezernent Burkhard Hintzsche. Die Kinder lernen ihren Sozialraum kennen und bewegen sich."

Andrea Blome, Leiterin des Amtes für Verkehrsmanagement, lehnt es ab, die Halte- oder Parkverbotszonen vor Schulen auszuweiten. Damit sei am Ende keinem gedient, meint sie. Einer Einrichtung von Haltezonen — Blome nennt sie "kiss and ride" — steht sie positiv gegenüber und verweist auf das Beispiel Vodafone-Campus. Dort gibt es eine Kita, deren Kinder morgens zu einem großen Teil von Vater oder Mutter gebracht werden. Weil aber die Vorfahrt zu knapp ist, hat man sich jetzt mit der Taxi-Innung darauf geeinigt, dass die Eltern morgens die Haltebucht für die Taxen nutzen dürfen.

Die Grünen forderten jetzt Hol- und Bring-Zonen vor Schulen, stoßen damit bei Verkehrsdezernent Stephan Keller aber auf Widerstand: "Wir halten nichts von Lieferzonen für Kinder." Die Eltern sollten einsehen, dass sie selbst das Problem verursachten, gegen das sie ihre Kinder schützen wollen. Wenig Sympathie für neue Ge- und Verbote vor den Schulen hat dagegen Berit Zalbertus, Vorsitzende der Elternschaft Düsseldorfer Schulen (EDS). Von der Stadt unterstützte Initiativen, bei denen Schulen mit Geldpreisen belohnt werden, die nachweisen, dass 100 Prozent der Kinder nicht per Auto gebracht werden, hält sie für "diskriminierend". "So etwas stellt Kinder, bei denen es gute Gründe für den Bringservice gibt, in eine Ecke." Sie wirbt um Verständnis für jene Eltern, die auf die Autofahrt nicht verzichten wollen. Einigen gehe es um Sicherheit, anderen darum, auf dem Weg zum Job rasch noch ihr Kind abzusetzen.

Auf pädagogische Ansprache setzt Sieglinde von Beckerath, Leiterin der Franz-Vaahsen-Grundschule in Wittlaer und Sprecherin der Düsseldorfer Grundschulen. Noch vor Weihnachten wird sie an drei Tagen gemeinsam mit Polizisten und Schülern "Eltern-Taxis" anhalten, die kurz vor Schulbeginn durch riskante Fahrmanöver auffallen. Für einzelne "Taxi"-Dienste hat sie Verständnis. "Wer am Froschenteich wohnt, muss sich für die Fahrt nicht rechtfertigen."

(RP)