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Inklusion in Düsseldorf: Eltern kämpfen um den Erhalt der Förderschulen

Inklusion in Düsseldorf : Eltern kämpfen um den Erhalt der Förderschulen

Die Landesregierung drückt beim Thema Inklusion aufs Tempo. Doch bei den Eltern formiert sich Widerstand gegen die mögliche Schließung zahlreicher Düsseldorfer Förderschulen.

Siegfried Pfeiffer (40) ist besorgt. Seine Tochter Sandy hat eine Lernschwäche. Vor allem Lesen und Rechnen bereiten ihr Probleme. Die Elfjährige besucht die Jan-Daniel-Georgens-Förderschule in Oberbilk mit dem Schwerpunkt Lernen.

"Keine andere Schule hat so gute Netzwerke, keine bereitet Kinder mit Handicap so gut auf das Leben vor. Ich möchte nicht, dass dieser Schultyp bald Vergangenheit ist", sagt Pfeiffer und sammelt gemeinsam mit anderen Eltern in einigen Düsseldorfer Förderschulen Unterschriften.

Tatsächlich sind die Sorgen der Düsseldorfer Eltern begründet. Am 19. März hat das Landeskabinett einen Gesetz-Entwurf (siehe Info) zur Änderung des Schulgesetztes auf den Weg gebracht. Ziel ist es, die Inklusion, also das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung, im Sinne internationaler Vorgaben voranzutreiben.

Ebenfalls in der Mache: eine das Gesetz ergänzende Verordnung. Sie erhöht — zumindest im aktuellen Entwurfsstadium — die Mindestgröße der Förderschulen mit Schwerpunkt Lernen auf 144 Jungen und Mädchen. Für Düsseldorf bedeutet das: Sechs von sieben Schulen dieses Typs müssten bei Inkrafttreten mit baldiger Schließung rechnen, weil sie die Zahl 144 aktuell nicht erreichen. Ebenfalls bedroht wären drei Förderschulen für Sehbehinderte und Hörgeschädigte.

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Wolfgang Reif, Sprecher der Düsseldorfer Förderschul-Rektoren, teilt die Sorgen der Eltern. "Wir sind keine Gegner des gemeinsamen Unterrichts, aber dazu braucht es ein tragfähiges und ausgereiftes Konzept, das die bisherige Qualität garantiert. Doch genau daran hapert es, weil qualifizierte Pädagogen und Räume fehlen." Dass gleich sechs von sieben Schulen mit Schwerpunkt Lernen das Aus droht, findet Reif "dramatisch, auch weil ich nicht weiß, wie ein flächendeckendes, das gesamte Stadtgebiet abdeckendes Angebot in Zukunft aussehen soll".

Derweil legen Pfeiffer und seine Mitstreiter in den Schulen Listen aus. "100 Eltern haben bereits unterschrieben, aber das ist erst der Anfang", sagt der alleinerziehende Vater. Dass die Regelschule seiner Tochter gut tun könnte, glaubt er nicht. "Sandy und viele ihrer Mitschüler würden untergehen", davon ist er überzeugt. Nicht der Förderschulbesuch diskriminiere, "sondern die Tatsache, dass ein entwicklungsverzögerter 16-Jähriger demnächst in eine Klasse mit lauter 13- und 14-Jährigen gesteckt wird".

Unterstützung erfahren die Eltern vom Rathaus sowie der schwarz-gelben Mehrheit im Rat. Schuldezernent Burkhard Hintzsche bringt die Bedenken auf den Punkt: "Entscheidend bei der Inklusion ist doch, dass Schüler nach einem Wechsel gleich gute Lernbedingungen vorfinden. Doch genau daran haben wir erhebliche Zweifel."

(RP/ila)