Eltern fordern mehr Wickelangebote in Düsseldorf

Familienfreundlichkeit: Düsseldorfer Eltern fordern mehr Wickelangebote

Das als familienfreundlich zertifizierte Düsseldorf hat noch Luft nach oben. Das glauben jedenfalls Mütter und Väter, die geeignete Orte zum Stillen und Wickeln vermissen. Inzwischen hat das Thema auch die Politik erreicht.

Lust aufs Shoppen in der City oder einen Stadtbummel haben Silke und Sebastian Gandor nur noch selten. "Nach einer Wickelgelegenheit suchen wir häufig vergeblich", sagt die 35-Jährige. Auf ungelenke Improvisationen im Kinderwagen unter freiem Himmel verzichten die beiden lieber. "Wir leben doch nicht in einer Einöde, sondern in einer Stadt, die sich familienfreundlich nennt", sagt die Mutter. Eher unzufrieden ist die vierköpfige Familie aus dem Stadtsüden auch mit dem Angebot in der Gastronomie. Oft gebe es in Lokalen tolle Bäder mit viel Granit und Marmor, nach einer guten Wickelgelegenheit halte man dagegen vergeblich Ausschau.

"Deshalb gehen wir fast nur noch in den Jägerhof, weil das Lokal sehr auf die Bedürfnisse kleiner Kinder eingeht", sagt die Mutter, die mit Benedikt (2) und Dominik (ein Monat) gleich zwei Wickelkinder hat.

Auf eine Verbesserung der Situation dürfen Familien wie die Gandors nun hoffen. Denn inzwischen hat das Thema die Stadtpolitik erreicht. "Wir wollen, dass im Rathaus und anderen öffentlichen Gebäuden solche Möglichkeiten neu geschaffen werden, und dass die Verwaltung mit den Verbänden des Handels und der Gastronomie über einen Ausbau spricht", sagt CDU-Ratsfrau Sabine Schmidt. Einen Antrag für den Rat hat ihre Fraktion bereits formuliert. "Wir hoffen, dass vor der Sommerpause abgestimmt wird", sagt die Vize-Vorsitzende des Gleichstellungsausschusses.

Marcel Scherrer, Sprecher der Düsseldorfer Kita-Eltern, unterstützt die Initiative. "Wir sollten diese Angebote breiter streuen. Viele Eltern, die im Sommer Parkbänke zum Wickeltisch machen, haben im Winter ein echtes Problem", meint er. Wichtig ist ihm, dass Wickelmöglichkeiten an Orten geschaffen werden, die beiden Geschlechtern zugänglich sind. "Wir Männer können nun mal nicht in eine Damentoilette gehen", sagt der Vater.

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Die Idee, das Angebot in öffentlichen Gebäuden zu verbessern, trifft im Rathaus auf offene Ohren. "Soweit Wickel- und Stillmöglichkeiten dort nicht bestehen, sollten an Standorten mit Publikumsverkehr solche familienfreundlichen Angebote geschaffen werden", sagt Stadtdirektor Burkhard Hintzsche. Das sieht auch Ursula Holtmann-Schnieder, Vize-Chefin der SPD-Fraktion und Vorsitzende im Jugendhilfeausschuss, so. "Das Rathaus sollte das so einrichten und offensiv dafür werben." Ganz so dürftig wie manche Eltern und die CDU empfindet sie das Angebot in Düsseldorf allerdings nicht. "Es gibt doch eine ganze Reihe Orte, wo das in angemessenem Rahmen möglich ist." Man müsse eben diese Angebote nur bekannter machen.

Doch genau daran hapert es nach Einschätzung vieler Mütter und Väter. Zwar gibt es eine Liste, die rund 50 geeignete Orte auflistet. Doch die ist in einer Information für frisch gebackene Eltern aus Düsseldorf versteckt, die es nur in gedruckter Form gibt. "Über die Homepage der Stadt kann man diese Info für Eltern mit Kindern bis vier nicht öffnen oder herunterladen", bemängelt Schmidt. Zudem erreiche die Broschüre kürzlich Zugezogene ebenso wenig wie Touristen und Menschen, die gerne in Düsseldorf shoppen.

"Es ist wichtig, solche Angebote online zu kommunizieren", sagt auch Isabel Hausmann, Vize-Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes. Genauso wichtig sei es, die Wickelangebote auf Orte umzustellen, die Männern zugänglich sind. Insgesamt setzt Hausmann auf Freiwilligkeit: "Restaurants bedienen nun mal unterschiedliche Zielgruppen. Ob Familien mit Kleinkindern in das jeweilige Konzept passen, darf jeder Unternehmer für sich entscheiden."

Für eine bessere Kommunikation will sich auch Holtmann-Schnieder einsetzen. "Wer wissen will, wo er wickeln und in Ruhe geschützt stillen kann, muss diese Information sofort und unkompliziert abrufen können", sagt sie. Marcel Scherrer hofft jetzt auf eine eigene App. "Aus Sicht junger Eltern wäre das großes Kino, weil es unserer Lebenswirklichkeit am nächsten käme."

(jj)