Elfriede Bial und Rose Ausländer in Düsseldorf-Derendorf mit Straßennamen geehrt

Geschichte in Düsseldorf : Zwei Frauennamen für Derendorf

Nach Rose Ausländer und Elfriede Bial sind jetzt zwei Straßen benannt worden. Nur ein Bruchteil der Straßen im Stadtbezirk 1 tragen Frauennamen. Das will Bezirksbürgermeisterin Marina Spillner ändern.

Ganz frisch ist der Weg asphaltiert worden, dunkelgrau glänzt er im Licht. Zu den Klängen eines Saxofons stehen Bezirksbürgermeisterin Marina Spillner, Ran Ronen als Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde und Horst Gieseler, ehemaliges Mitglied der Bezirksregierung, um ein Straßenschild, das sie von den weißen Hüllen befreien. Darunter sind die Namen für die neuen Straßen zu lesen, Namen mit einer Geschichte. Rose Ausländer und Elfriede Bial steht auf den schwarzen Schildern. „Frauennamen sollen die neuen Straßen zieren, um das Missverhältnis zu den Männernamen auszuräumen“, sagt Spillner. „Man könnte meinen, es gäbe in Düsseldorf keine berühmten Frauen, aber das stimmt nicht.“ Da Derendorf ein dicht besiedelter Stadtteil sei, freut sich Spillner umso mehr über die Chance, den neuen Straßen Frauennamen geben zu können.

Rose Ausländer, geboren 1901, war eine der bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen. Sie kam Mitte der 1960er Jahre nach Düsseldorf, weil sie vom jüdischen Leben in der Stadt hörte. Im Nelly-Sachs-Haus erlebte sie ihre produktivste Phase und verfasste in ihrem Alterswerk auch Gedichte über ihre neue Heimat Düsseldorf. Sie starb 1988. Elfriede Bial wurde 1886 in Schlesien geboren. 1909 wurde sie Krankenschwester bei der Synagogengemeinde Düsseldorf. In der Zeit des Nationalsozialismus war sie den Menschen der jüdischen Gemeinde trotz eigener Verfolgung eine große Hilfe und Stütze. Sie starb 1944 in Auschwitz, nachdem sie ab 1938 mehrere Kindertransporte nach England begleitet und im Ghetto von Litzmannstadt alte Menschen gepflegt hatte. „Rose Ausländer und Elfriede Bial navigieren uns ab heute, wie Sterne damals, den Weg“, sagt Ran Ronen von der jüdischen Gemeinde.

Wie auch die Mahn- und Gedenkstätte hat sich der ehemalige Bezirkspolitiker Horst Gieseler mehr als zwölf Jahre für diese Herzensanliegen eingesetzt. „Es sollten schon viele andere Straßen diese Namen bekommen, nun ist hier der richtige Ort“, sagt er. Gieseler ist sehr zufrieden mit den Namen, die diesen Ort jetzt prägen, dem Ort eine Geschichte geben werden. Es gehe darum, das Leben und die Qualen unter dem NS-Regime sichtbar zu machen, Erinnerung über die Straßennamen zu erhalten. Außerdem sollen die Straßennamen noch zusätzliche kleine Schilder bekommen mit den Geburtsdaten und einer kleinen Erklärung zu Rose Ausländer und Elfriede Bial.

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